Wann ist man ein Fall für den Psychiater? (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.06.2008, 13:14 (vor 5283 Tagen) @ KlaKla

Deine Frau Semmelweis ist offensichtlich ein Fall für den Psychiater aber bitte wie soll der Laie erkennen ab wann hat man es mit einem psychisch kranken Menschen zu tun?

Verschwörungstheoretiker sind doch nicht gleich psychisch krank?

Meiner Meinung nach geht es hier um relativ wenige Fälle. Die "Diagnose" dürfte freilich ein Problem sein, ursprünglich dachte ich, dass das Prädikat "Spinner" aufgrund irrationaler Schilderungen eigentlich genügen müsste, aber mir ist inzwischen klar, dass es dafür keine genormten Bewertungsmaßstäbe gibt. Meine Schätzung von 20 fällen pro Jahr bezieht sich deshalb auf indiskutabel "krasse" Fälle, bei denen mMn jeder, der die Fallschilderung hört, den "Spinner" am Horizont aufleuchten sieht. Bei den weniger krassen Fällen weiß ich auch nicht, was da zu machen ist und ob überhaupt Handlungsbedarf besteht.

Oder, wenn mir bekannt ist das Frau/Herr einen irreparablen Hirntumor hat, sie/er aber bestärkt wird von bestimmten Mobilfunk-Kritikern, der Mobilfunk ist schuld an ihren Symptomen (stechenden Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit etc.). Der Mensch ist labil und wird dann missbraucht indem man ihn wie einen Zirkus Affen vorführt auf Mobilfunk kritischen Info-Veranstaltungen.
Ist sie/er ein Fall für den Psychiater?

Zu dieser Frage habe ich als medizinischer Laie natürlich eine Meinung, die aber ist belanglos und selbst ein Psychiater wird dir aus der Distanz diese Frage nicht konkret beantworten.

Ich prangere das Vorführen der Betroffenen an. In keiner anderen Sparte wird derart Verantwortungslos mit vielleicht psychisch kranken Menschen umgegangen wie in der Mobilfunkkritik. Betroffene werden m.M.n. instrumentalisiert und wirkliche Hilfe (Therapie) ist somit nicht möglich. Verwerflich finde ich dieses Vorgehen von Mobilfunk-Kritikern die aus der Berufsgruppe der Ärzteschaft kommen.

Für mich lautet hier die entscheidende Frage: Welche Motivation steckt dahinter, die Betroffenen zu instrumentalisieren. Geschieht es in guter Absicht, um auf eine Notlage aufmerksam zu machen oder geschieht es in "unguter" Absicht, um irgendein Kapital aus den Betroffenen zu schlagen. Zu Beginn meiner Karriere als Kritiker habe ich ausschließlich die gute Absicht gesehen, mittlerweile sehe ich etliche Anzeichen unguter Absichten (Geschäftemacherei, Mitgliederakquise) die sich jedoch nicht mit harten Fakten belegen lassen. Die unguten Absichten sind für mich nur indirekt erkennbar, wenn du die Interessenslage von Akteuren und deren Handlungsmuster über geraume Zeit beobachtest und nach Verbindungslinien suchst.

Nur meine persönliche Neugier und der kritische Blick schützten mich davor selbst ein Fall für den Psychiater zu werden. Angst vor dem Unbekannten nicht sichtbarem.

Wusstest du schon: Auch ich habe im Büro eine schwarze Ledercouch stehen :-D.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Aerzte, Psychiater, Spinner, Instrumentalisierung


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