Buchner/Weiner: 5G die große Gefahr, Diskussion im EU-Parlament (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.04.2019, 14:53 (vor 244 Tagen)

"Prof. Dr. Klaus Buchner und Ulrich Weiner sprechen in einer Live Sendung im EU-Parlament zu den Gefahren von 5G" – so beginnt ein Beitrag auf der Website des angeblich "elektrosensiblen" Uli Weiner. Nanu, zwei einschlägig bekannte Schwurbler aus der Anti-Mobilfunk-Szene durften im EU-Parlament irrationale Ängste gegenüber 5G schüren? Das IZgMF ist der Behauptung nachgegangen.

Weiners Beitrag trägt den Titel "5G die große Gefahr – Diskussion im EU-Parlament". Damit erweckt er den prestigeträchtigen Eindruck, das EU-Parlament in Brüssel habe über die Gefahren des Mobilfunks diskutiert, und er sowie Klaus Buchner seien mit dabei gewesen. Das ist die Kunst, die Weiner gut beherrscht: Laien in die Irre führen. Mit seinem pompösen Einstieg verfolgt Weiner den Zweck, Appetit auf das folgende Video zu machen, das auch er in seinen Beitrag eingebunden hat:

Stets auf Selbstdarstellung bedacht, hat Weiner auf seiner Seite das Original des Videos so verändert, dass das Startbild jetzt ihn zeigt, statt das ursprüngliche Motiv. Ich habe deshalb oben nicht Weiners Kopie eingebunden, sondern das Original.

Schon die ersten Minuten des Videos offenbaren die Blendung: Nicht etwa das EU-Parlament diskutierte kontrovers Gefahren des Mobilfunks, sondern ein TV-Moderator des Kanals NRWtv (Dieter Hermans) befragt in einem "Open Studio" in der Eingangshalle des EU-Gebäudes in schickem Ambiente eine Stunde lang seine beiden einzigen Gäste Klaus Buchner und Uli Weiner.

Hermans ist ein Fersehmacher aus Aachen, der Kanal NRWtv (nicht zu verwechseln mit NRW.tv) ist nicht etwa ein öffentlich-rechtlicher ARD-Sender, sondern ein Regionalprogramm für den Raum Aachen, das auf YouTube und in einige Kabelnetze der Region eingespeist wird.

Das "Open Studio" in der Haupteingangshalle des EU-Parlaments gehört nicht NRWtv, sondern der EU. Journalisten dürfen es unentgeltlich nutzen, aber nur dann, wenn ein EU-Parlamentarier mit in der Runde sitzt. Deshalb war Klaus Buchner zwangsläufig mit von der Partie, ohne ihn wäre die Sendung an Ort und Stelle nicht möglich gewesen. Dies erklärt auch, warum Buchner und das "Open Studio" mehrmals im Programm von NRWtv auftauchen.

Warum in der "Sofarunde" die Gegenstimme fehlte

Laut Weiners Webseite hätten die ebenfalls eingeladenen Mobilfunknetzbetreiber kurzfristig ihre Teilnahme an der Sofarunde abgesagt. Sollte diese Auskunft überhaupt zutreffen, bei Weiner muss man immer vorsichtig sein, ist die Weigerung der Netzbetreiber ebenso nachvollziehbar wie die von Politikern der etablierten Parteien, sich mit AfD-Politikern an einen Tisch zu setzen. Nicht, dass es an Argumenten mangelt, sondern man möchte populistische Außenseiter nicht allein schon dadurch aufwerten, indem man sich freiwillig mit ihnen abgibt. Denn dies würde bei Zuschauern den falschen Eindruck erwecken, die Populisten wären ernst zu nehmende Gesprächspartner auf Augenhöhe. Da weder Buchner noch Weiner diesem Anspruch genügen, sagten die Netzbetreiber wohl in dem Moment ab, als sie erfuhren, mit wem sie sich das Sofa teilen sollten.

Diese Haltung der Netzbetreiber bringt Journalisten immer wieder in Not, gemischt besetzte Mobilfunk-Gesprächsrunden zu organisieren und es erklärt, warum in den Medien ausschließlich laienhafte selbsternannte Experten der Anti-Mobilfunk-Szene auftreten – qualitativ ebenbürtige Gesprächspartner hat die Szene nicht zu bieten, zumindest die deutschsprachige Szene nicht. Wohl oder übel müssen Journalisten sich deshalb allein mit Personal der fachlich dritten und vierten Garnitur zufrieden gaben. Gerne werden daher auch "Baubiologen" akquiriert, die Stimme der Elektrosmog-Mahner zu geben. Ein kapitaler Fehler der Redaktionen! Denn weil das Geschäft von "Baubiologen" und verwandten Gewerben umso besser blüht, je mehr irrationale Ängste gegenüber Elektrosmog die Bevölkerung plagen, sind von Leuten mit kommerziellen Interessen per se keine objektiven kompetenten Botschaften zu erwarten, sondern geschäftsfördernde und somit angstschürende. Kein Journalist käme auf die Idee bei Philip Morris International nachzufragen, ob Rauchen ungesund sei, "Baubiologen" u. ä. aber dürfen reihenweise in den Medien die Frage beantworten, ob Mobilfunk krank macht.

Da "Baubiologe" kein Ausbildungsberuf ist, sondern private "Institute" und dubiose Vereine dieses Berufsbild für privat finanzierte Umschulungsbegehren anbieten, kann es leicht sein, dass die Medien einen "Elektrosmog-Experten" zu Wort kommen lassen, der kurz zuvor Mauern hochgezogen, Obst verkauft oder Brötchen gebacken hat. Alles ehrenwerte Berufe, die mit Elektrosmog-Know-how jedoch nichts zu tun haben. In Deutschland gibt es schätzungsweise 1000 selbständige "Baubiologen" und die "Fortbilder" produzieren Jahr für Jahr weitere. Alle diese Leute müssen Umsatz machen, um existieren zu können. Ein Mittel zum Zweck ist es, irrationale Ängste gegenüber Elektrosmog nicht einschlafen zu lassen. Auch vermeintlich unbeteiligte Helfer können diesen, aus meiner Sicht unmoralischen Job erledigen.

Weiner genoss sichtlich die Strahlenhölle im EU-Parlament

Auf den Inhalt des Sofa-Gesprächs komme ich später zurück. Jetzt erstmal nur der Hinweis, dass Weiner selbst behauptet, ein sein Funklochrefugium passierendes Auto bereite ihm gesundheitliche Probleme, würde in dem vorbeifahrenden Wagen ein Handy benutzt. Diese behauptete aber nie bewiesene extreme "Elektrosensibilität" steht wieder einmal im Widerspruch zu seinem Auftritt im EU-Gebäude:

► Weiner trägt am Revers seines "Schutzanzugs" ein Mikrofon, mutmaßlich ein bei solchen Anlässen eingesetztes Funkmikrofon. Und das Kabel zum Sendemodul führt in den Anzug hinein. Bei Minute 15:53 ist in einer Totalen auf die Runde gut zu sehen, dass die Teilnehmer höchstwahrscheinlich nicht verkabelt waren.
► Alle EU-Gebäude werden mit offenen W-Lan-Netzen versorgt.
► Während des Gesprächs passierten hunderte von Besuchern – die wahrscheinlich ausnahmslos Smartphones mitführten – die Studioinsel in der Eingangshalle des EU-Parlamentsgebäudes.

Weiner zeigte sich von alledem ebenso unbeeindruckt wie der Rest der Sofa-Besatzung, er grinste wie ein Schnitzel bis zum Schluss in die Kamera. Ich habe Weiner auch schon anders erlebt. Anlässlich eines Treffens organisierter Mobilfunkgegner, bei dem zu Beginn darum gebeten worden war alle Handys auszuschalten, präsentierte sich Teilnehmer Weiner, wegen angeblicher "Strahlenbelastung", nicht nur in seinem "Strahlenschutzanzug", sondern er schirmte Kopf und Gesicht mit der Schirmkapuze seines Anzugs vollständig. Im Video ist die Schirmkapuze am Kragen gut zu sehen, aufgesetzt hat Weiner sie diesmal nicht. Für mich eine abermalige Bekräftigung meiner Einschätzung, Weiner schwindelt seine "Elektrosensibilität" nur vor.

Hintergrund
1,5-Stunden-Schnelltest für Ulrich Weiner
Scheiner & Weiner auf Jesustrip?
Ausschluss von Uli Weiner aus der "Bürgerwelle"

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
ödp, Selbstüberschätzung, Scharlatan, Buchner, Populismus, MdEP, Alarmist, 5G, Betreiber


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