Ernst Ulrich von Weizsäcker über saublöden Quatsch (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 17.01.2019, 17:30 (vor 622 Tagen) @ H. Lamarr

Auszug aus einem Vortrag Ernst Ulrich von Weizsächers, gehalten am 14.3.2018 an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft:

[...] wenn jemand irgendeinen saublöden Quatsch twittert, dann geht das mit rasender Geschwindigkeit über die ganze Welt! Wenn [aber] jemand mal was Vernünftiges sagt, dann bleibt's stehen. Ja? Die sozialen Medien sind das Asozialste was man sich vorstellen kann [Applaus des Publikums]! Wissen die Leute bloß nicht. [...]

Quelle: Vorspulen bis Minute 5:25

Sprach's und unterschrieb ein paar Monate später dennoch den Firstenberg-5G-Appell, den ich für saublöden Quatsch halte, er aber anscheinend nicht.

Wie kommt das?

Seit rd. 17 Jahren beschäftige ich mich Tag für Tag mit Mobilfunk, Mobilfunkgegnern und möglichen biologischen Nebenwirkungen des Mobilfunks. Und der hoch angesehene Wissenschaftler? Ich behaupte, er hat nicht ansatzweise so viel Zeit investiert, er weiß nichts über die schrägen Hintergründe der Mobilfunkdebatte und hat sich spontan zur Mitzeichnung des Appells entschlossen. Sein gutes Recht, auch wenn er sich und seinem guten Ruf damit aus meiner Sicht einen dicken Lackkratzer verpasst hat. Doch das ist allein seine Sache.

Oder etwa doch nicht, wenn es sich objektiv betrachtet bei dem 5G-Appell eines US-amerikanischen Spinners um "saublöden Quatsch" handelt?

Als Naturwissenschaftler hat von Weizsäcker die Fähigkeiten, sich nachträglich selbst ein Bild zu machen, welchen Mist er da unterschrieben hat, er muss sich nur die Zeit dafür nehmen. Andere können dies mangels Vorbildung nicht, sie sind auf fremde Hilfe angewiesen oder schielen darauf, ob den ihnen unverständlichen Appell Leute von Rang und Namen unterstützen. Trifft dies zu, vertrauen Laien auf die Qualifikation der Vorbilder und unterzeichnen blind.

Jetzt ist es nicht mehr allein von Weizsäckers Sache, sondern er muss sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung als Vorbild bewusst sein. Eben diese aber vermisse ich bei ihm mit Blick auf den 5G-Appell. Seine Unterstützung macht etwas "Saublödes" zu etwas vermeintlich "Salonfähigem" – das darf nicht passieren! Die Folgen sind bekannt: Der "Tagesspiegel" pickt sich aus der Liste der namenlosen Unterstützer die Lichtfigur von Weizsäcker heraus und bastelt um diese herum eine tendenziös recherchierte Alarmstory über den kommenden 5G-Mobilfunk. Und wieder wird von Weizsäcker unfreiwillig als vorbildlicher Zeuge der Anklage instrumentalisiert, um einem "saublöden" Artikel den Anstrich von ernst zu nehmender Glaubwürdigkeit zu geben.

Hätte von Weizsäcker einen guten PR-Berater gehabt, der böse Lackkratzer auf seiner Motorhaube wäre ihm aller Voraussicht nach erspart geblieben.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Glaubwürdigkeit, Firstenberg, Weizsäcker, Tagesspiegel, Simantke


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