Freiburger Appell 2.0: Anmerkungen zum Anschreiben (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.10.2012, 14:07 (vor 2594 Tagen) @ KlaKla

... entnommen dem Anschreiben zum Appell

Ich habe mir erlaubt, mir zu diesem "Anschreiben" meine eigenen Gedanken zu machen.

Sehr geehrte Frau Kollegin, sehr geehrter Herr Kollege,
Vor 10 Jahren wandten sich Ärzte aus Sorge um die Gesundheit ihrer Mitmenschen mit dem Freiburger Appell an ihre Kolleginnen und Kollegen, die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen in Gesundheitswesen und Politik.

Warum so umständlich: Der Appell richtete sich an alle.

Ihr Appell, der eindringlich vor den Gefahren der Funkstrahlung warnte, wurde in viele Sprachen übersetzt und von über 1000 Ärzten und weltweit über 36.000 Unterzeichnern unterstützt.

Jeder darf eine eigene Meinung haben, auch in Freiburg, dem deutsche Esoterik-Zentrum. Die gefühlte Wahrnehmung, die sich in den "eindringlichen Warnungen" manifestierte, hielt einer 2009 publizierten objektiven Prüfung nicht stand und ist daher widerlegt.

Und irgendwie passen die Aufregung und die vielen Aufgeregten nicht so ganz zu echten Zahlen: In der Schweiz meldeten sich innerhalb von rund 2 1/2 Jahren, trotz Dauerwerbung durch einen schweizer Anti-Mobilfunk-Vereine, gerade einmal 155 Personen bei einer Gratis-Beratungsstelle für "Elektrosmog-Betroffene"! Davon konnten nur 49 Personen erfolgreich an einen Arzt zur Behandlung vermittelt werden, die auch eine Psychologische war.

Warum, frage ich, ist für eine Handvoll E-Smog-Phobiker ein internationaler Appell nötig?

In den Jahren seither haben sich die Hinweise auf gravierende Risiken weltweit vervielfacht und verdichtet.

Ganz schön frech, fast schon unverschämt, so einen vollendeten Quatsch zu behaupten! Kein Land der Welt investierte mehr Geld in die EMF-Forschung als Deutschland. Das Resultat ist das glatte Gegenteil von dem, was die Appellanten behaupten, nachzulesen für jedermann zum Beispiel auf der Website des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms.

In räumlicher und zeitlicher Nähe zu den Funkbelastungen vor allem durch intensive Handynutzung, DECT-Telefone, W-Lan und nahe Sendeantennen beobachten wir Ärzte eine deutliche Zunahme von Symptomen wie Ein- und Durchschlafstörungen, chronische Erschöpfung, Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel, Tinnitus, Blutdruckentgleisungen und Arrhythmien, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Lern- und Verhaltensstörungen, bei Kindern ein immer häufigeres Auftreten von ADHS.

Diese Märchen werden uns schon seit Jahren aufgetischt und entweder gar nicht belegt, oder mit zweifelhaften Studien. Die Initiatoren des Appells ignorieren, dass ihre Behauptungen von ernst zu nehmenden Studien widerlegt werden. Auch dies kann jeder selbst recherchieren im Studienportal der RWTH. Ich empfinde das Vorgehen der Initiatoren, die gewichtigen Gegenargumente zu ihrem Standpunkt komplett zu verschweigen, als unseriös. Entschuldigt sind Ärzte, die von missionarischen Unterschriftensammlern belästigt den Appell nach 30 Sekunden Bedenkzeit unterschreiben, um den Quälgeist los zu werden. Wer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und den Appell trotzdem unterschreibt, den werde ich mit Sicherheit nicht zum Arzt meiner Wahl machen, denn da vermisse ich die kritische Distanz zu hübsch formatierten Blödsinn, und leichtgläubigen Ärzten will ich mich nicht anvertrauen.

Zahlreiche Studien unabhängiger Wissenschaftler haben viele der ärztlichen Beobachtungen inzwischen bestätigt.

Ach Gott, wie oft hatten wir das nicht schon. Na und! Was bitte sind denn überhaupt "unabhängige Wissenschaftler". Aus Sicht der Appellanten sind dies mMn alle, die etwas Alarmierndes finden, dann ist es auch egal, wer finanziert. Fakt ist: zu jeder dieser wenigen Alarmstudien lassen sich glaubhafte Entkräftungen anführen. Zum Beispiel für die Alarmstudie über einen gravierenden Krebscluster um einen C-Netz-Sendemasten in Österreich, bei dem sich im Nachhinein herausstellte, dass es diesen Masten gar nicht gegeben hat. Von manipulierten Studienergebnissen, auch darauf man bei "Alarmstudien", will ich erst gar nicht reden, wen es interessiert, der wird hier im Forum fündig.

Im Gefolge des Freiburger Appells haben zwölf weitere Ärzteappelle1 auf die beunruhigende Entwicklung reagiert und überfällige Maßnahmen der Vorsorge gefordert – bisher vergebens.

Natürlich vergebens, denn a) war die Teilnahme an diesen Miniappellen schwach, b) fehlte es weiterhin an substanziellen Sachargumenten und c) fehlen den Menschen draußen nach inzwischen 20 Jahren Digitalfunk einfach die schlechten Eigenerfahrungen. Das Gros spürt von den angeblichen Wirkungen nämlich nicht das Geringste und wer doch etwas spürt, der kann es unter objektiven Testbedingungen nicht zeigen. Weltweit konnte bis heute in mehr als 60 Studien kein einziger echter "Elektrosensibler" gefunden werden. Die Appellanten ignorieren auch dieses für sie verheerende Resultat und werden, danach befragt, haarsträubende Geschichten von falschen Studiendesigns erzählen.

Ihre Unterzeichner konnten sich dabei auf eine Berufsordnung stützen, die vom Arzt verlangt, an der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gesundheit der Menschen mitzuwirken.

Herr Dr. Kern vergisst darauf hinzuweisen, dass er als Arzt einer privaten "Funklochklinik" in Brasilien gelistet wird und das Arztwerberecht noch immer keine Werbung erlaubt, die Laien unsachlich beeinflusst. Ich sehe in der Neuauflage des Freiburger Appells durchaus persönliche Vorteile für die Appellanten, die sich für misstrauische überzeugte "Elektrosensible" auf diese Weise diskret als Nothelfer empfehlen.

Das hat auch die Verfasser dieses Internationalen Ärzteappells geleitet, mit dem wir uns heute an Sie wenden:

Was an diesem Appell "international" sein soll, konnte ich bis jetzt nicht herausfinden. Quatsch bleibt auch auf Hindi Quatsch. Brauchen wir internatioalen Quatsch?

Wir freuen uns, wenn Sie den beigefügten Appell unterzeichnen ...

Ach!

... und andere Kollegen/-innen auf ihn, wie auf unser Informationsangebot hinweisen.

Mein Internist soll mit der Unterschriftenliste hausieren gehen? Das macht der nicht! Dazu hat der bei brechend vollem Wartezimmer gar keine Zeit. Aber es gibt ja die emsigen "nützlichen Idioten" in der Szene, die werden den Job schon erledigen, während die Initiatoren des Appells gemütlich auf dem Sofa sitzen, wie es "Charles" treffend umschrieb.

Wenn Sie unsere Arbeit darüber hinaus unterstützen wollen, können Sie dies mit einer steuerlich abzugsfähigen Spende tun.

Merkwürdig: Dieser Grund für den Appell leuchtet mir auf Anhieb ein, die Argumente des Appells dagegen in keiner Weise.

Mit freundlich Grüßen
für das Redaktionsteam im September 2012
Dr. med. Wolf Bergmann - Barbara Dohmen - Dr. med. Markus Kern - Dr. med. Karl Braun v. Gladiss, Prof. Dr. med. Karl Hecht - Dr. med. Christine Aschermann – Dr. med. Horst Eger

Was von diesen sieben (!) Initiatoren zu halten ist, darauf hat Teilnehmer "Klakla" schon hingewiesen. Doch wir haben Oktober? Wer ist jetzt verantwortlich?

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Einflussnahme, Lemminge, Gesundheitswesen, Beratungsstelle


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