Im Hauptstrahl funkt es noch viel stärker (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 24.02.2009, 17:08 (vor 5024 Tagen) @ balu2003

Man beachte:

Strahlenschutzkommission beruft Dr. Christian Bornkessel

Was möchten Sie denn mit diesem Einschub sagen? Entwertet es Dr. Bornkessel in Ihren Augen, weil er in die SSK berufen worden ist?

Zählen Sie diese Studie zu den "Anstrengungen einiger Kritiker"?

Nein, immerhin habe ich mir ja mal die Mühe gemacht, die Top 5 der Belastungswerte aus dieser Studie herauszufieseln.

Nehmen wir mal den krassesten Fall, da sind 32 mW/m² unter einer Antenne gemessen worden. Recht viel mehr wissen wir nicht, wir wissen noch nicht einmal genau, ob dieser Wert ein realer Messwert oder ein auf maximale Anlagenauslastung hochgerechneter Wert ist. Außerdem wissen wir nicht, ob der Wert senkrecht unter der Antenne oder schräg unter der Antenne gemessen wurde und wie groß der Abstand zwischen Messpunkt und Antenne war. Alles nicht ganz bedeutungslose Details. Auch einen Montagefehler (zu starker Downtilt) oder Umwelteinflüsse auf die Antennen würde ich bei unserem krassen Beispiel nicht von vornherein ausschließen. Doch selbst Bornkessel kann uns nicht viel weiterhelfen, denn auch ihm ist nicht klar, warum die Werte manchmal so unangenehm hoch sind. Die Betonung liegt auf manchmal, denn wir haben ja nur wenige greifbar hohe Werte aber zigtausend installierte Antennen.

Andererseits lebe ich selber unter einer GSM/UMTS-Antenne und weiß, dass wir im unteren unserer beiden DG-Stockwerke lediglich mit ein paar Mikrowatt pro Quadratmeter belastet sind, oben sind es mehr, was gemäß Leuchtturmeffekt alles andere als überraschend ist.

Bornkessel wird nur zu gerne missverstanden, denn er sagt ja nur, dass unter den Antennen zuweilen mehr ankommt als erwartet. Daraus macht dann die Propaganda:

Die Studie von Bornkessel taugt nicht dazu, die Behauptung zu stützen, unterhalb von Sendemasten sei stets hohe Strahlung zu fürchten. Ziel dieser mMn frei erfundenen und taktisch begründeten Behauptung von der starken Strahlung unter Masten ist es, potenzielle Vermieter von Senderstandorten abzuschrecken und damit den Ausbau der Mobilfunknetze zu erschweren. Diese Taktik führt stellenweise zu funktechnisch katastrophal schlechten Standorten, weil ein nebenan liegender guter profilüberragender Standort den Betreibern aus Angst vor den Funkfeldern "von oben" nicht vermietet wird. Sendemastengegner schließen sich da zuweilen selber ins Knie, auch Unbeteiligten, ohne dies überhaupt je zu bemerken.

Fakt ist, dass Sie unter Sendemasten ausnahmslos erheblich schwächere Funkfelder antreffen als im gleichen Abstand im Hauptstrahl der Anlage. Wenn nun schon unter einer Anlage 32 mW/m² gemessen werden, dann ist dies vermutlich eine hoch liegende Großanlage, deren noch viel stärkerer Hauptstrahl weit reichen soll (wenn ich mich recht entsinne, war der 32-mW/m²-Standort das Dach eines Kaufhauses). Dass Kirchenbesucher oder Hausbewohner auch nur annähernd solchen hohen Werten "von oben" ausgesetzt sind halte ich für völlig ausgeschlossen und ich kenne auch keinen einzigen Fall, auf den dies im wirklichen Leben zutrifft.

Wir hatten mal vor, eine Top-10-Liste der am höchsten belasteten Wohnungen/Büros in Deutschland zu machen. Die Resonanz auf diese Idee war so "erdrückend", dass wir noch nicht einmal die zehn Werte zusammenbekommen haben.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Missverständnis, Hauptstrahl, Leuchtturmeffekt, Umwelteinflüsse, Bornkessel


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