Stoa-Finale: Jeder hat eine Wirkung größer Null (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 16.08.2022, 02:04 (vor 105 Tagen) @ H. Lamarr

In der Stoa-Geschäftsordnung steht nichts über die genauen Modalitäten eines Studienauftrags an externe Autoren, mutmaßlich weil dies übergeordnet auf EU-Ebene geregelt ist. Das entsprechende Dokument habe ich bei Stoa angefragt, ob ich es bekomme steht in den Sternen.

Marcus Scheuren, seit Mai 2022 Referatsleiter des Stoa-Sekretariats und damit Nachfolger von Theo Karapiperis, antwortete auf meine Anfrage: Seines Wissens nach gäbe es kein Dokument, das die Vergabe von Studienaufträgen durch Stoa an externe Autoren regelt. Er wolle die Anregung jedoch gerne aufgreifen, um den Prozess der Studienvergabe transparenter, professioneller und nachvollziehbarer zu machen.

Glaubt man Diagnose-Funk, kommt an der "Stoa-Studie" niemand vorbei. Der Verein salbt dazu die Studie, die eigentlich ein Bericht ist, als die bisher weltweit wohl umfangreichste Auswertung des Forschungsstandes zu den Auswirkungen des Mobilfunks auf die Endpunkte Krebs und Fertilität. Das kompetente Autorenteam habe sich aus Wissenschaftlern des Ramazzini-Institutes (Italien) zusammengesetzt, welches führend auf diesem Gebiet sei. Studienleiterin sei Fiorella Belpoggi gewesen. Die Studienlage zu diesen zwei Endpunkten mit scheinbar widersprüchlichen Studienergebnissen werde transparent aus­gewertet und es werde geklärt, wie unhaltbar Behauptungen seien, von diesen Technologien würden keine Gesundheitsgefahren ausgehen.

Wer wollte es wagen, dieses grandiose Werk elitärer Wissenschaftsmanufaktur zu vitalen Fragen der Gegenwart nicht dankbar aus den gütigen Händen von Diagnose-Funk zu empfangen und unverzüglich zu verschlingen?

Theo Karapiperis zum Beispiel.

Der ehemalige Stoa-Referatsleiter und damit verantwortlich für die Studie, rezipierte das Papier auf eine Weise, die mit der überschwänglichen Begeisterung von Diagnose-Funk nicht ganz im Einklang steht. In einer E-Mail ließ Karapiperis, damals noch im Amt, den Empfänger über besagte Stoa-Studie wissen:

"The content of the document is the sole responsibility of its author and any opinions expressed [therein] should not be taken to represent an official position by Parliament". The study in question, like all STOA studies, was published on the STOA website and disseminated within the EP. STOA studies limit themselves to formulating policy options based on scientific evidence, which MEPs may take into account, along with other inputs they consider relevant and to the extent and in the way they deem appropriate, when they take their political decisions.

["Der Inhalt des Dokuments obliegt der alleinigen Verantwortung der Autorin, und die darin zum Ausdruck gebrachten Meinungen sind nicht als offizieller Standpunkt des Parlaments zu verstehen". Die fragliche Studie wurde, wie alle STOA-Studien, auf der STOA-Website veröffentlicht und im Europäischen Parlament verbreitet. STOA-Studien begnügen sich auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse mit der Formulierung politischer Optionen, welche die Mitglieder des Europäischen Parlaments bei ihren politischen Entscheidungen berücksichtigen können, zusammen mit anderen Informationen, die sie für relevant einstufen, und in dem Umfang und der Art und Weise, wie sie es für angemessen halten.]

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Wissenschaft, Haftung, Instrumentalisierung, Behauptung, Popanz, Belpoggi, Blähboy, Karapiperis, Uminterpretation, STOA-Studie, STOA-Bericht


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