Kargo-Kult: Beispiel türkische Kiefern beim Sex gestört (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.06.2022, 23:27 (vor 45 Tagen) @ Gast

Das Alter [...] der Bäume sind nicht angegeben.

Doch! Wenn es stimmt, was AT (wahrscheinlich Alain Thill) in der Diagnose-Funk-Alarmstudiendatenbank EMF-Tataa schreibt, wurde das Untersuchungsgebiet 1994 aufgeforstet, indem 2 Jahre alte Röhrensetzlinge gepflanzt wurden. Ergibt mit dem Zeitpunkt der Untersuchung (2019) also 27 Jahre alte Bäume.

Ansonsten sieht auch mir diese Studie stark nach Kargo-Kult aus. Insbesondere weil die Untersuchung nur ein einziges Mal um nur eine einzige Basisstation gemacht wurde. Man muss sich nur einmal einen x-beliebigen Waldzustandsbericht (Beispiel) anschauen, um zu erkennen, dass der Zustand von Wäldern keine Konstante ist, sondern von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterliegt mit einem Trend zum Schlechteren. Bei einem derart von klimatischen Einflüssen abhängigen Untersuchungsobjekt (türkische Kiefer) aus einer einzigen Momentaufnahme die geschilderten Rückschlüsse zu ziehen ist schon mutig. Und die fehlenden Messungen der Immission sind geradezu todesmutig. AT hingegen stört an diesem Studiendesign nichts. Warum nicht? Weil er sich eigenen Angaben zufolge für "elektrosensibel" hält. Er ist damit für Diagnose-Funk wie geschaffen, um in EMF-Tataa gegen Honorar Kargo-Kult-Studien auf eine Weise zu "besprechen", als handle es sich um Qualitätsstudien. Der Dilettantismus der Stuttgarter "Verbraucherschützer" kennt wahrhaftig keine Grenzen :no:.

Weiterhin schreibt AT Rätselhaftes:

[...] Die Plantage liegt auf einer Höhe von 300 m. Die Bodenstruktur ist klastisch, und der Boden, die Hanglage und die Exposition sind im Untersuchungsgebiet im Allgemeinen homogen. [...]

Was bitte ist denn eine im Allgemeinen homogen Hanglage? Nehmen wir mal an, der Autor meint damit ein konstantes Gefälle. Und rundum bis in mindestens 800 Meter Entfernung stehen Bäume. Doch wie um alles in der Welt sollen diese selbst bei nur geringer Schräglage des Hangs im Allgemeinen homogen befeldet worden sein? Ich behaupte: Das geht schon topografisch nicht und ohne Kenntnis der Abstrahleigenschaften der Antennen oder ohne Immissionsmessungen erst recht nicht! Eine Grafik oder ein Foto des Untersuchungsgebiets könnte Klarheit schaffen, diese aber ist anscheinend nicht gewollt. Die nebulösen Angaben zwingen zur Spekulation. Mutmaßlich steht der Funkmast am Hang eines bewaldeten Hügels und versorgt ein tiefer liegendes Wohngebiet oder ein Erholungsgebiet mit Mobilfunkdiensten. Dies passt aber nicht gut zu ATs Beschreibung der Umgebung.

Und nun?

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist schon die Originalstudie mit ihren Angaben zum Tatort nebulös, dann ist AT der Vorwurf zu machen, eine qualitativ äußerst minderwertige Studie verwurstet zu haben. Oder die Originalstudie lässt keine Zweifel über die Beschaffenheit des Tatorts und AT hat gezielt alles weggelassen, was der netten Story vom bösen Funkmast, der türkische Kiefern beim Zwitter-Sex stört, abträglich wäre. Dies würde widerspruchsfrei zur (Des-)Informationspolitik des Stuttgarter Vereins passen. Leider hat der Korrespondenzautor der Studie bislang nicht auf meine Anfrage nach einem PDF des Papers reagiert :-(.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Diagnose-Funk, Kinderpost, Thill, ElektrosmogReport, Kargo-Kult-Wissenschaft


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