Dr. Ulrich Warnke zu "Angst vor Elektrosmog" (Allgemein)

Kuddel, Donnerstag, 24.04.2008, 16:35 (vor 4905 Tagen) @ Doris

Da wird weder Ihnen noch Dr. Warnke irgendjemand widersprechen, da sehen selbst die Elektrosensiblen so.

Den Eindruck habe ich gerade nicht gewonnen. Vielmehr, daß die Elektrosensiblen eine "absolutistische Überzeugung" vertreten. Den Elektrosensiblen, welcher sich mehr als einmal selbst auf den Prüfstand stellt und eingesteht: Es könnte auch die Angst sein, die mir zu schaffen macht, oder eine andere Ursache, den habe ich bisher in keiner Schilderung angetroffen.

Vielmehr sind viele Fallschilderungen oberflächlich gesehen makellos wie eine Werbebroschüre.

Der Aufbau ist fast immer gleich:
Ich war mehrmals beim Arzt, der konnte keine Ursache finden, da machte mich jemand auf den Mobilfunk aufmerksam, und weil ich "alle" anderen Möglichkeiten ausgeschlossen habe , "muß" es das sein.
Dann wird abgeschirmt oder in den Keller umgezogen, die Lage bessert sich, aber nach einigen Tagen bis Wochen stellt man fest,oops, meine Symptome kommen wieder.

Das wäre für mich der Punkt, wo neue Zweifel bezüglich der vermeintlichen Ursache entstehen müssten, aber in keiner einzigen Fallschilderung ist davon etwas zu lesen:
Der Glaube ist gefestigt, man glaubt felsenfest an die "Sensibilisierung". Das geht bei nicht wenigen soweit, daß sie bei 0,1uW/m², einem 100-Millionstel des Wertes, bei welchem die Wissenschaft so gerade "schwache" Zusammenhänge gefunden hat, noch Symptome zu spüren. Zufällig ist das genau der Wert den die Baubiologen als Beginn einer "Anomalie" bezeichnen und das nicht aus rationalen Gründen, sondern aus einer art spirituellen Weltanschauung heraus (Esoterik), daß alles Abweichungen von der Natur schädlich sind.

Wenn jemand durch ungünstige Plazierung einer Mobilfunkanalge bei sagen wir 100mW/m² nach und nach, nach selbstkritischer Prüfung die Überzeugung erlangt, daß es am Mobilfunk liegen kann, so sage ich mir: Es gibt vieles auf der Welt, so könnte es auch sein, daß jemand, der dauerhaft einem 100-tel des Grenzwertes (der für viele Jahrzehnte für sicher gehalten wurde) erkrankt, zumal es auch Unterschiede in den Charakteristika der Signale gibt..

Elektrosensible, welche felsenfest behaupten, bei 10uW/m², also einem Millionstel des Grenzwertes irgendwelche durch Mobilfunk ausgelöste Symptome zu verspüren, sind für mich einfach unglaubwürdig, bzw. die halte ich für Opfer der Esoterik und der Angst.

... aber hier wird doch immer wieder suggeriert, dass es eben immer die Angst ist und anderes gar nicht möglich sein kann.

Es wird nicht "suggeriert", sondern ich vertrete meine Meinung. Und nach mehr als einem Jahr der Diskussionen ist mein persönliches Resumee, daß ich ich bei der Mehrzahl der Elektrosensiblen jegliche Selbstzweifel vermisse und das macht die meisten davon für mich unglaubwürdig (womit ich nicht bestreite, daß sie Symptome haben und leiden).

da wird nichts wirklich Neues diskutiert werden können.

Viel Neues gibt es sowieso nicht zu diskutieren, solange keine neuen Fakten auf den Tisch kommen.

Außerdem sind doch auch mittlerweile kaum mehr welche hier, die sich durch diese Angst-Theorie angegriffen fühlen und meinen sich verteidigen zu müssen.

Ich messe der "Angst" eine große Bedeutung bei.
Ist das nun ein unterschwelliger Vorwurf, daß ich dieses Thema nochmal aufgreife ?

Und in welchen Kritikerkreisen Dr. Warnke noch geschätzt wird, weiß ich nicht, in diesem und im RDW Forum wurde er doch mittlerweile dermaßen demontiert, dass kaum mehr was übrigbleibt von ihm, so dass strenggenommen auch seine "Angst-Theorie" nicht mehr ernstgenommen werden kann, oder war das vielleicht noch ein Lichtblick in seiner Laufbahn ;-)

Ich bin mir auch nicht sicher, was ich von Warnke zu halten habe. Meine Tendenz geht in die Richtung, daß ich bei seinen esoterisch angehauchten Theorien ebenfalls jegliche Selbstkritik vermisse. Praktisch jeder anerkannte Wissenschaftler zeichnet sich gerade durch eine gesunde Skepsis seinen eigenen Theorien gegenüber aus. Ich sehe nicht, daß Warnke irgend etwas selbst unternimmmt, um seine "Theorien" zu verifizieren. Er erfindet immer neue und erwartet wohl, daß andere sich die Mühe machen, seine "Thesen" zu wiederlegen.

Da haben Sie unumstritten wieder Recht, das ist ja auch das Anliegen der neuen Kritikergeneration.

Das habe ich in den letzten Tagen etwas aus dem Auge verloren. Ausgelöst durch gewisse Ereignisse (Beiträge) mußte ich mir einfach mal Luft machen.

Wissen Sie was das Problem ist, dieser Auffassung sind allerdings auch die Kritiker, denen unterstellt wird, dass gerade sie Ängste schüren. :-(
Die meisten Menschen glauben das, was sie vertreten und sind von der Richtigkeit dieses Tuns überzeugt. Es gibt auch Menschen, die haben einen durchaus berechtigten Grund etwas zu vertreten und glauben auch ihr Tun ist richtig.

Das will ich nicht in Abrede stellen. Man darf sich dann aber nicht wundern, wenn sich in einem Land der freien Meiungsäußerung Gegenstimmen entwickeln. Auch Frau Selsam nehme ich ab, daß Sie aus ehrenhaften Motiven handelt. Nur ob es für die "Sache" wirklich hilfreich ist, wenn liebevolle , aber unprofessionelle Arbeit als Argument zur Überzeugung von Entscheidungsträgern vorgebracht wird, wage ich zu bezweifeln.

Wie soll dieses Problem gelöst werden?

Eine Patentlösung habe ich auch nicht.
Die "(An)Kläger" müssen selbst dafür sorgen, daß sie in ihrem Auftreten ein Mindestmaß an Seriösität und Professionalität erreichen => Qualitätskontrolle

Dazu gehört es, auch mal echte (=ungefälschte) Fakten und Beweise für eine Schädlichkeit auf den Tisch zu bringen und nicht nur lautstark Stimmungsmache zu betreiben, sich dabei aber bequem zurückzulehnen und von der Gegenseite zu verlangen, Anklage und Verteidigung in einem zu übernehmen (=>die Unschädlichkeit zu beweisen).

Zur Seriösität und Professionalität gehört auch dazu, daß man sich von unprofessionell arbeitenden distanziert. Leider sind die, die am lautesten "Schreien" nicht unbedingt die Professionellsten und Seriösesten, auch wenn sie glauben das richtige zu tun. Damit können sie viel kaputt machen.

Irgendwo hatte ich kürzlich gelesen, daß Evi Gaigg sich einen neuen Wirkungskreis gesucht hat, weil ihr die Arbeit im bisherigen Wirkungskreis zu unprofessionell war. Das hat mich beeindruckt.

K

Tags:
, Zweifel, Seriös, Waldmann-Selsam, Fakten


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