5G-Strahlung verursacht Mikrowellensyndrom 2.0 (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 07.04.2023, 00:57 (vor 466 Tagen) @ H. Lamarr

Erfüllt eine Studie die Erwartungshaltung von Mobilfunkgegnern, wird sie in der Szene ohne Wenn & Aber verwurstet. So geschehen soeben im Gigaherz-Forum. Die "elektrosensible" Vorständin Elisabeth Buchs präsentiert dort eine "Studie" von Lennart Hardell und Mona Nilsson so, als würde es sich um eine wissenschaftlich ernst zu nehmende Arbeit handeln.

514 Tage hat Lennart Hardell in seinem Blog geschwiegen, doch am 19. März 2023 meldete er sich dort wieder zu Wort. Was hat Hardell dazu bewogen? Er und Mona Nilsson hatten das Eisen des Mikrowellensyndroms abermals geschmiedet und einen neuen Fallbericht verfasst mit dem Titel: "Development of the Microwave Syndrome in Two Men Shortly after Installation of 5G on the Roof above their Office" (Volltext). Diesmal war das Publikationsorgan mit "Annals of Clinical Case Reports" schon deutlich besser als beim ersten Fallbericht der beiden. Das Open-Access-Blatt existiert seit 2016, hat Peer-Review und eigenen Angaben zufolge einen Impact-Faktor von 1,809. Der Artikel von Hardell & Nilsson erschien dort am 4. Februar 2023. Ob er von besserer Qualität ist als der erste kann ich nicht beurteilen, dazu hätte ich ihn lesen müssen.

Wer nun glaubt, das Erscheinen des Artikels habe Hardell dazu motiviert, seinen Blog nach der langen Pause wiederzubeleben, der irrt. Nein, es war die Aufmerksamkeit von Robert F. Kennedy jr., die Hardell dazu bewegte. Kennedy pflügt mit seinem Blatt "The Defender" seit geraumer Zeit auch den Acker organisierter Mobilfunkgegner und brachte am 23. Februar 2023 einen Artikel über Hardell & Nilssons Fallberichte.

Am 9. März 2023 legte "The Defender" noch einmal nach und brachte einen weiteren Artikel mit dem journalistisch ungemein packenden Titel: "9 Leading Experts: RF Radiation Can Lead to Brain Damage, Alzheimer’s". Die neun Experten sind Nilsson M, Hardell L, Ketti M, Wells N, Nyberg R, Halmøy S, Middelthon TJ, Glomsrød S und man lese und staune Schriver P. Anlass für den Artikel ist ein "nordischer" Appell der neun "führenden Experten" vom 2. März 2023, in dem sie gegen Icnirp zu Felde ziehen (mal wieder) und die Weltpolitik auffordern, die Verbreitung von 5G zu stoppen. Ein bisschen spät aus meiner Sicht.

Ich finde es immer wieder ganz erstaunlich, wie schnell in der Anti-Mobilfunk-Szene Karrieren in Spitzenpositionen führen können. Qualifikation spielt keine Rolle. Deshalb tummeln sich dort z.B. Drucker, Architekten, Pleitiers, Ex-Elektriker, Uhrmacherinnen und viele andere mehr, denen die 5G-Funktechnik auf ewig ein Rätsel bleiben wird. So schnell wie Pernille Schriver startete aber niemand durch. Die "elektrosensible" Lehrerin aus Dänemark war Chef-Organisatorin der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) "Stop 5G". Am 1. März 2023 fuhr sie diese EBI mit rd. 83'000 Unterstützern aus 27 EU-Ländern statt der erforderlichen 1 Million vehement an die Wand, am Tag darauf wurde sie Co-Autorin des Appells der Skandinavier und wieder eine Woche später ernennt das Kennedy-Blatt sie zu einer führenden unabhängigen Expertin auf dem Gebiet der Hochfrequenzstrahlung. Das soll der Pernille erst mal jemand nachmachen.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Meinung, Trick, Popanz, Nilsson, Echokammer, Kennedy, Europäische Bürgerinitiative, Schriver, Defender


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