Dicht an der Grenze der Grenzwerte (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 29.04.2012, 01:50 (vor 2606 Tagen) @ Doris

Das bislang "Schlimmste" war unbestätigten Angaben zufolge im Landgericht Bautzen eine Immission von rd. 70 mW/m².

Laut einem Gutachten von Dr. Niessen vom September 2011 gibt es in dem Stuttgarter Gebiet in dem Peter Hensinger wohnt und aktiv ist so hohe Strahlenwerte, wie Dr. Niessen sie noch nie gemessen hat.

Gutachten zur Feststellung der Belastung durch hochfrequente
elektromagnetische Strahlung von Mobilfunksendeanlagen
in Stuttgart-West - Auswertung
(Messergebnisse auf Seite 3 von 4)

Ja, Sie haben recht, diese ungewöhnlich hohen Messwerte im Bereich der Bismarckstraße hatten wir 2009 schon einmal diskutiert.

Das Problem dort ist damals wie heute aus meiner Sicht das selbe: Die, die dort messen, haben ein starkes Interesse, möglichst hohe Werte zu präsentieren. Und dieses Interesse lässt sich einfach bedienen, indem gezielt nach Maxima gesucht wird (Schwenkmethode).

Das ist zulässig, wenn an Stellen gesucht wird, an denen Menschen sich über längere Zeit aufhalten, also etwa ein Bett, der Fernsehsessel, eine Spielecke, der Schreibtisch oder die Küche.

Ich kann mich noch gut an "Frau Semmelweis" erinnern, wie sie nervös wurde, als ich mich reckte, um in ihrer Wohnung eine Feldquelle mit der Richtantenne des Breitbandmessgeräts zu orten. Da musste über ihr einer ein DECT gehabt haben. Dicht unter der Zimmerdecke knatterte das Messgerät laut und der Messwert war relativ hoch (ich meine es waren gut 1 mW/m²). Nur 1 Meter tiefer waren auch die Messwerte deutlich tiefer. Für Frau Semmelweis galt jedoch nur der unter der Zimmerdecke gemessene Wert, dort, wo wo sie im Leben nicht hinkommt.

Ich kann mir daher lebhaft vorstellen, dass Dr. Niessen von Peter Hensinger auf die Stellen hingewiesen wurde, wo "es was zu messen gab".

Eigenartig finde ich, dass in der jüngeren Messung die Dachterrasse der Bismarckstraße 63 nicht mehr auftaucht. Das war 2009 noch das Bratrohr schlechthin gewesen, 582 mW/m² (hochgerechnet) will Hensinger dort gemessen haben. Wo diese Dachterrasse nun genau sein soll ist bis heute unklar, im jüngeren Messprotokoll ist jetzt nur noch von "auf dem Dach" die Rede (???) und der Messwert hat sich halbiert.

[image]
Rechts am oberen Bildrand auf dem Flachdach ist der Schattenwurf des Sendemasten auf der Bismarckstraße 57 erkennbar. Links davon, das Eckhaus mit dem roten Dach ist Bismarckstraße 63, darunter das Haus mit der bräunlichen "Dachterrasse" ist Seyfferstraße 56. Mit der IZgMF-Winkelscheibe lässt sich übrigens schnell zeigen, dass die drei Hauptstrahlrichtungen (0°, 180°, 270°) des Sendemasten keines der Nachbarhäuser treffen.

Neuer Spitzenreiter ist die Dachterrasse der Seyfferstraße 56. Gucken Sie sich diese mal bei Google Earth an, dann reden wir weiter. So wie es aussieht, ist diese Dachterrasse lagemäßig dort, wo ich 2009 die Dachterrasse des Hensinger-Hauses vermutete (bräunliche Dachterrasse am unteren Bildrand links), denn das ist bereits das Haus Seyfferstraße 56. Doch gemäß Google Earth ist dort keine schicke Dachterrasse mit Hollywood-Schaukel, Liegestühlen und Plantschbecken (Stand: September 2006). Nichts deutet darauf hin, dass diese öde Dachterrasse bei schönem Wetter von Sonnenanbetern oder dergleichen bevölkert wird, noch nicht einmal ein Stuhl oder Tisch ist aus der Vogelperspektive zu sehen. Genauso verhält es sich mit der Dachterrasse der Bismarckstraße 55, auf der lediglich Zweckbauten zu erkennen sind.

Kurzum: Es ist keine große Kunst, im Nahfeld eines Dachstandorts an geeigneten Stellen sehr hohe Immissionen zu messen. Der Trick besteht darin, theoretisch begehbare Flächen in die Maximasuche mit einzubeziehen, auch wenn es dafür keine Rechtfertigung gibt, weil diese Flächen tatsächlich ungenutzt oder nur selten genutzt sind. Dann aber macht es nicht viel aus, wenn dort 582 mW/m² oder mehr herrschen. Mobilfunkgegnern wie Hensinger geht es mMn jedoch nicht um realistische Szenarien, sie wollen künstlich geschaffene Extremsituationen als Normalfall ausgeben, um so die Bevölkerung zu beunruhigen.

Doch was wird aus Herrn Hensinger, wenn der Standort Bismarckstraße 57, der ihn urplötzlich in die Anti-Mobilfunk-Szene injiziert hat, eines Tages aufgegeben wird? Ist dann Schluss mit seiner Panikmache, weil der Anlass seines Engagements weggefallen ist, oder hat er sich bis dahin an seine Ämter und Funktionen in der Mobilfunkgegnerei so gewöhnt, dass die Kugel weiter rollt? Derweil er seine Website "Der-Mast-muss-weg" getauft hat, und nicht "Die-Masten-müssen-weg", regt sich Hoffnung.

--
Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Stuttgart, Abstand, Diagnose-Funk, Semmelweis, Alarmist, Winkelscheibe, Bismarckstraße


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