Messwertzaubereien von Mobilfunkgegnern (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Freitag, 11.05.2012, 00:50 (vor 2766 Tagen) @ H. Lamarr

Laut einem Gutachten von Dr. Niessen vom September 2011 gibt es in dem Stuttgarter Gebiet in dem Peter Hensinger wohnt und aktiv ist so hohe Strahlenwerte, wie Dr. Niessen sie noch nie gemessen hat.

Wenn Sie sich das PDF mit den Werten aus dem Gutachten noch einmal ansehen, werden Sie feststellen, dass dort an keiner Stelle die tatsächlich gemessenen Werte genannt werden. Stattdessen werden a) auf Volllast hochgerechnete Werte genannt, die dann b) mit einem Sicherheitsfaktor 2 (3 dB) beaufschlagt werden. Auf diese Weise kommt für die Dachterrasse der Seyfferstr. 56 eine angebliche Immission von 1,08 W/m² zustande.

Doch dieser Wert ist manipulativ, denn im Normalbetrieb eines Mobilfunksenders wird er nie erreicht.

Ich versuche das mal zu erklären.

Der Sicherheitsfaktor berücksichtigt die Messunsicherheit. Die ist jedoch nicht nur ein einziger Wert, sondern ein Bereich, definiert durch die Angabe ±3 dB. Der tatsächliche Messwert kann also um den Faktor 2 über dem angezeigten Messwert liegen, er kann aber ebenso gut um den Faktor 2 darunter liegen.

Die kleinere Variante rechnen wir jetzt mal. Peter Hensinger rechnet in seinem PDF mit Faktor 2, um von 543 mW/m² auf die 1,08 W/m² zu kommen, ich rechne mit Faktor 0,5, und damit bleiben von den 543 mW/m² nur noch 272 mW/m² übrig.

Der auf Vollast hoch gerechnete Wert auf der Dachterrasse der Seyfferstr. 56 kann sich also zwischen 272 mW/m² und 1,08 W/m² bewegen, niemand weiß, wo genau er ist.

Volllast aber bedeutet, dass ein Sender auf allen Kanälen eines Sektors gleichzeitig mit höchster Leistung sendet. Dies mag in der Silvesternacht kurz nach Mitternacht einmal vorkommen, die Regel ist es nicht. Typischerweise erreicht der Normalbetrieb nur 50 % der Volllast, von den 272 mW/m² bis 1,08 W/m² bleiben somit im Normalbetrieb auf der Dachterrasse übrig 136 mW/m² bis 525 mW/m². Wer also auf die Dachterrasse der Seyfferstr. 56 klettert, wird aller Voraussicht nach einen Messwert im zuletzt genannten Wertebereich messen. Diese Werte sind zwar noch immer sehr hoch, da sie aber auf einer tristen Dachterrasse oberhalb bewohnter Etagen gemessen werden, besteht kein Grund zur Aufregung.

Auch alle übrigen Werte in der Tabelle von Hensinger lassen sich auf diese Weise von hochgerechneten Werten auf reale Messwerte in realistischen Nutzungssituationen herunterrechnen, also auf die echten Messwerte, die er uns nicht nennen will.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Nießen, Gutachten, Messfehler, Volllast, Messunsicherheit, Sektor


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