Dicht an der Grenze der Grenzwerte (Berichtigungen)

H. Lamarr @, München, Samstag, 28.04.2012, 23:05 (vor 3100 Tagen)

Am 20. April veröffentlichte Merkur-Online den Beitrag: Dicht an der Grenze der Grenzwerte.

Es geht dabei um den Münchener Vorort Unterschleißheim, der von der Telekom LTE bekommen soll - und deshalb würde die Grenzwertausschöpfung dort auf nahe 100 Prozent anwachsen.

Weil das eine so wunderschöne Alarmmeldung ist, hat mein Freund "Hesse" den gruseligsten Teil des Beitrags erbeutet und in sein Heimatforum (hese-project) geschleppt.

Leider versteht "Hesse" auch nach vielen Jahren als eifriger Mobilfunkgegner noch immer nichts von der Mobilfunktechnik, er kann die Informationen, die er anschleppt, technisch nicht bewerten. Damit ist er Falschinformationen hilflos ausgeliefert. Unglücklich ist, dass "Hesse" in seinem Eifer die Falschinformationen weiter verbreitet - Beispiele dafür gibt es genug.

Auch wenn ich mit den Gegebenheiten vor Ort in keiner Weise vertraut bin, behaupte ich, dass die angeblich durch LTE auf fast 100 Prozent anschwellende Grenzwertausschöpfung nicht Fakt ist, sondern Fake oder Missverständnis.

Fakt ist, dass bei jedem Mobilfunk-Sendemasten, egal ob GSM, UMTS oder LTE der Grenzwert nicht nur erreicht, sondern sogar überschritten wird. Wie das? Ganz einfach: Man muss nur nahe genug an die Antennenpanele herankommen. Da die Panele an der Spitze von Türmen, auf Masten hoch droben auf Dächern oder sonstwie unerreichbar gemacht werden, ist es aber so, dass selbst die am dichtesten an einem Standort lebenden Anwohner deutlich außerhalb des Sicherheitsabstandes sind. Da zählt jeder Meter. Erst am Rand des Sicherheitsabstandes wird bei Volllast eines Antennenpanels der Grenzwert erreicht (von außen kommend).

Die Aussage des TÜV-Süd-Experten beschreibt aus meiner Sicht eine Ausnahmesituation, nämlich dass es in Unterschleißheim einen Mobilfunk-Standort gibt, der extrem unglücklich liegt. Der Sicherheitsabstand dieses Standortes müsste fast schon an einem Balkon, einer Dachterrasse oder z.B. an ein Schlafzimmerfenster grenzen. Wer auf dem Balkon steht, sich auf der Dachterrasse sonnt oder aus dem Schlafzimmerfenster schaut - er bekäme tatsächlich bei Vollast der Funkzelle eine Immission "dicht an der Grenze der Grenzwerte".

Aber: Ein solch unglücklich gelegener Standort ist mir in meinen zehn Jahren tagtäglicher Auseinandersetzung mit dem Aufregerthema Mobilfunk nicht einmal ansatzweise untergekommen. Das bislang "Schlimmste" war unbestätigten Angaben zufolge im Landgericht Bautzen eine Immission von rd. 70 mW/m². Und jetzt sollen Unterschleißheimer Bürger einen mehr als 100-mal höheren Wert abkriegen?

Nein, ich glaub's nicht!

Leider sind die Informationen des TÜV SÜD zu seiner Standortplanung in Unterschleißheim (PDF) eher Eigenwerbung und technisch ohne Substanz. Auch der Jahresbericht 2011 der Gemeinde (PDF) ist zum Haareraufen, denn dort wird zwar über 27 Messpunkte berichtet, doch statt die einzelnen Werte zu nennen oder zumindest den Höchstwert, wird der Durchschnittswert aus allen 27 Messungen genannt (3,11 Prozent Grenzwertausschöpfung). Wer lässt sich so eine Vernebelung nur einfallen?! Es ist zwar höchst unwahrscheinlich, aber in diesen 3,11 Prozent kann sich leicht ein einzelner Standort mit ungewöhnlich hoher Grenzwertausschöpfung verstecken. Eben dieser Standort wäre dann der, der zusätzlich mit LTE bestückt in Richtung 100 Prozent marschieren könnte - theoretisch.

Um dem Gewürge, was denn nun in Unterschleißheim Sache ist, ein Ende zu bereiten, habe ich heute den TÜV-Süd-Experten Dr. Gritsch angeschrieben, und um Auskunft gebeten.

Hintergrund
Presse-Information der Stadt Unterschleißheim vom 27. März 2012

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Stuttgart, Alarmschläger, Hensinger, Amateur, Grenzwertausschöpfung, Gritsch, Repräsentant, TUEV


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