Wenn ES im Recht sein wollen reicht Glauben nicht (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 29.01.2009, 12:44 (vor 5121 Tagen) @ caro

Meinen Sie nicht, dass die meisten "vernünftigen" Menschen in der Lage sind, zu erkennen, was ihnen schadet und was nicht? Das ist eine ganz normale Fähigkeit, die unseren Vorfahren beim Überleben geholfen hat. Bei vielen ist diese Fährigkeit mittlerweile verschütt gegangen. Bei anderen funktioniert sie noch: Wenn ich merke, dass mir etwas schadet oder mich beeinträchtigt, dann setze ich mich dem nicht weiter aus. Dazu brauche ich keine Tests. Und auch keine Psychotherapeuten - wenn es doch auch so eine schöne Einnahmequelle für Therapeuten wäre.....

Wenn es so wäre, caro, dieses Forum gäbe es nicht. Denn der vernünftigen Einstellung, der Einwirkung aus dem Weg zu gehen, scheinen einige ES ebensowenig nachkommen zu können, wie es möglich ist, einem unangenehmen Nachbarn ständig aus dem Weg zu gehen. Ich meine hier die ES, die sich keinem Slalomkurs mit ein paar zu umfahrenden Stangen gegenübersehen, sondern sozusagen einem dichten Wald. Allein diese Personengruppe löst im wesentlichen die Kontroverse in der ES-Diskussion aus, denn diese Menschen behaupten, heftig auf geringste Felder zu reagieren (Frau Sohmer z.B. bei einigen nW/m²), so wie Menschen schon bei schwächstem Sonnenlicht schlimme Symptome erleiden können (Mondscheinkrankheit). Weil aber die Sonne niemanden gehört kommt auch kein Mondscheinkranker auf die Idee, eine (zumindest teilweise) Überdachung Deutschlands zu fordern. Vielmehr fügen sich die Leute ihrem Schicksal, sie folgen Ihrem obigen Vorschlag und gehen der Sonne aus dem Weg - so wie auch Normal-ES Funkquellen meiden. Den Rest der Menschheit kümmert dies eher wenig. Allem Anschein nach gibt es jedoch viel mehr Menschen mit zweifelsfrei ärztlich diagnostizierter Mondscheinkrankheit als es selbstdiagnostizierte Extrem-ES gibt. Trotz massiver Verdichtung der Funknetze ist in den vergangenen Jahren auch kein weiterer regelmäßig wahrgenommener Extrem-ES zu Uli W. und Suzanne S. hinzu gestoßen, ein Umstand, der klar gegen die These spricht, dass die Anzahl der ES rapide zunimmt (denn dann müssten längst ein paar weitere Extrem-ES Dauer-Rabatz machen). Überspitzt formuliert: Weil undifferenziert alle ES im selben Topf landen, wird seit Jahren über etwas gestritten, was in freier Wildbahn nur äußerst selten vorkommt: Extrem-ES.

Beim Funk ist dies bekanntlich anders als bei der Sonne, dort werden Forderungen nach "Abschaltung" gestellt, was aus Sicht der Betroffenen auch durchaus nachvollziehbar ist. Nur kann ich mir schlecht vorstellen, dass ein Ministerpräsident allein auf den Appell einer Handvoll Extrem-ES hin, man möge ihnen doch bitte ihr Leiden glauben, eine "Schutzzone" für solche Leute einrichten lässt. Das fände ich "unvernünftig". Auf zwischenmenschlicher Ebene liegen Sie mit Ihrer obigen Einschätzung sicher richtig, sobald Rechtswirksames ins Spiel kommt, z.B. die Schaffung eines Präzedenzfalles, schnellen die Ansprüche an die Glaubwürdigkeit von ES jedoch sprunghaft hoch und deshalb wird sich ein Ministerpräsident wohl als erstes danach erkundigen, welche Nachweise für ihre ungewollte Fähigkeit die beiden Extrem-ES im Schutzanzug vor seiner Tür zu bieten haben ...

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
, Präzedenzfall, Glaubwürdigkeit, Extrem-ES, Feldwahrnehmung


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