Auf Spüren ausgelegte Provokationstests sind nicht wertlos (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 15.04.2014, 23:18 (vor 3087 Tagen) @ H. Lamarr

Das Problem sind die fehlenden physiologischen Studien mit EHS. Die auf Spüren angelegten Provokationsstudien sind Zeit- und Geldverschwendung.

Da bin ich anderer Ansicht. Wenn Provokationsstudien die Exposition gut nachstellen, wie sie von EHS-Probanden berichtet wird, dann kann ich nicht erkennen, warum die Ergebnisse nichts wert sein sollen. Ein typisches Beispiel: Person X behauptet, auf der Autobahn würde ihr ein Stechen im Kopf den nächsten Sendemasten ankündigen. Testdesign: Testfahrt mit der Person unter Blindbedingung bei gleichzeitiger Messwerterfassung. Nach der Fahrt prüfen, ob zu Zeitpunkten bekundeter Stiche im Kopf regelmäßig eine Expositionsspitze auftrat. Ja - Test bestanden, Nein - durchgefallen.

Etliche bekannte EHS haben sich sehr genau festgelegt, unter welchen Bedingungen sie Symptome spüren. Keiner dieser EHS hat je an einem wissenschaftlich überwachten Provokationstest teilgenommen.

Andere EHS sind weniger genau und sagen z.B., nach 10 Minuten telefonieren mit meinem Handy bekomme ich Kopfschmerzen. Auch dies wurde getestet, wegen der breiter angelegten Expositionsbedingung konnten dann auch nicht nur ein Proband, sondern mehrere auf die Probe gestellt werden. Keiner war dabei, der Scheinexposition besser als durch Raten von tatsächlicher Exposition unterscheiden konnte.

Kurz: Warum sollten auf Spüren ausgelegte Provokationsstudien wertlos sein, wenn sie diejenigen Expositionsszenarien hinreichend gut nachbilden, unter denen die Probanden behaupten, sie könnten Symptome spüren?

Auch eine De-Expositionsstudie hat es gegeben (Epros, Leitgeb et al.), also das Gegenteil einer Provokationsstudie. Das waren alles Leute, die unter Schlafstörungen litten, angeblich wegen EMF-Immission. Die wurden dann zuhause durch wirksame und unwirksame Abschirmzelte de-exponiert oder schein-de-exponiert. Auch auf diese Weise konnte kein echter EHS gefunden werden, wohl aber einige Schwindler, die heimlich ein Messgerät mit ins Abschirmzelt nahmen.

Und ist es nicht auffallend: Die lautesten EHS, die auch häufig in den Medien aufgetreten, sind ausnahmslos wissenschaftlich ungetestete EHS! Die Begründungen, warum sie noch an keinem Test teilgenommen haben, wirken auf mich konstruiert und alles andere als überzeugend. Einigen dieser Personen habe ich simple Tests mit Bordmitteln angeboten, bei denen die Testsituation exakt auf die Situation zugeschnitten war, bei der die Personen von Symptomen berichteten. Zustande gekommen ist kein einziger dieser Bordmitteltests, mal weil ich keine Antwort erhielt, mal wegen Versäumnis von mir, mal wegen Stellens unerfüllbarer Randbedingungen durch die EHS.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

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Provokationstest


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