Mit Messgerät auf Spurensuche im Botanischen Garten (Medien)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 30.03.2014, 20:33 (vor 2085 Tagen) @ H. Lamarr

Die Leistungsflussdichte betrug auf der Nordseite um 5.000 μW/m², auf der Südseite um 10 μW/m². Rund um das Eichamt gibt es eine große Zahl geschädigter Bäume: u.a. am Klinikum Dritter Orden und in den hochfrequenzbelasteten Teilen des Botanischen Gartens.

Die Sonne lockte, und deshalb statteten wir dem Botanischen Garten in München, wie viele andere auch, heute einen Besuch ab. Nur, wir waren die einzigen, die mit einem HF 59B mit Richt- und Rundempfangsantenne herum liefen, also mit semiprofessioneller Messtechnik der Oberklasse. Wir wollten schauen, ob wir die Messwerte von Frau Doktor W-S bestätigen können.

Wer mit einem so auffälligen Gerät unterwegs ist, am besten mit eingeschaltetem Lautsprecher, der findet schnell Kontakt zu anderen Menschen (möglicherweise mit ein Grund für die Beliebtheit der Geräte). Das ist in etwa so, als ob man mit einem Hund oder mit kleinen Kindern unterwegs ist. Mich sprach schon nach kurzer Zeit ein älterer Herr an, was ich denn da messen täte. Es stellt sich heraus: Er hatte sein Haus vor 30 Jahren nach Grundstücksbegehung durch einen Rutengänger genau zwischen zwei Wasseradern gebaut. Kürzlich seien dann im Schlafzimmer jedoch quer verlaufende Wasseradern messtechnisch entdeckt worden. Vielleicht könnte seine Frau noch leben, meinte der Mann, wäre dies früher entdeckt worden. Ich hielt meinen Mund und schaute nur betroffen drein.

Messwertvergleiche

Auf der Südseite, dort wo Frau Waldmann 10 μW/m² gemessen hat, haben wir ebenfalls 10 μW/m² Mittelwert gemessen (25 μW/m² Spitzenwert). Das ist eine sehr gute Übereinstimmung.

Auf der Nordseite waren die Werte deutlich höher, die waldmännisch gemessenen 5 mW/m² wollten sich jedoch nicht einstellen, obwohl der Antennenstandort inzwischen deutlich mehr Antennen hat. Mit der Richtantenne kamen wir entlang der Nordseite auf Werte zwischen 500 μW/m² ... 1 mW/m² Mittelwert, respektive 800 μW/m² ... 2,3 mW/m² Spitzenwert. Das sind alles sehr bescheidene Werte.

Das folgende Foto zeigt die Ecke "stark befeldete Nordfassade" (links) und "schwach befeldete Westfassade" (rechts). Sobald der Saft in den Wein zurückgekehrt ist, müsste sich ein Unterschied im Wuchs erkennen lassen, sollte am Verdacht von Dr. W-S etwas dran sein.

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Da der Wein um diese Jahreszeit noch nicht wächst, zeigte er uns von Norden bis Süden nur kahle Ranken, stellenweise von grünem Efeu überwachsen. Bemerkenswert ist: Es rankt dort nicht etwa ein wilder Wein, dessen Triebe die Nord- und Südfassade erobern, sondern es gibt an allen Fassadenseite mehrere augenscheinlich steinalte Wurzelstöcke, insgesamt schätze ich um die 20. Irgendwelche Auffälligkeiten konnten wir nicht feststellen, auch keine Sägeschnitte an einem der Wurzelstöcke. Stopp, da war doch etwas: Am östlichen Ende der Nordfassade steht etwa 5 Meter vor der Fassade ein Trafohaus, in dem zwei 500-kVA-Trafos wohnen. Wer es genauer wissen will, Google-Earth gibt Auskunft.

Ein halb bestrahlter Testbaum

Steht man vor der Nordfassade mit Blick auf den Haupteingang, gibt es am Gebäudeeck rechts außen (siehe Foto oben) einen interessanten Testbaum. Interessant deshalb, weil der Baum zur Hälfte von dem Gebäudeeck geschützt ist, die andere Hälfte hat Sichtverbindung zu den 39 Antennen. Nach Hypothese Egerwald et al. müsste dieser Baum zur Hälfte kümmern, die andere dagegen kräftig ausgebildet sein. Heute war dies nicht zu beurteilen, das Gewächs hat noch nicht ausgetrieben, den dürren Ästen zufolge ist die bestrahlte Seite jedoch dichter als die geschützte. Um nicht auf Mutmaßungen angewiesen zu sein, habe ich an dem Baum, es ist ein ausgewachsener "Malus orientalis" aus Russland, gemessen (mit omnidirektionaler Empfangsantenne). Im Funkschatten waren es 100 μW/m² (Mittelwert) bzw. 160 μW/m² (Spitze), auf der bestrahlen Seite zeigte das Messgerät 1,5 mW/m² (Mittelwert) bzw. 3,4 mW/m² (Spitze) an.

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Der Testbaum steht halb verdeckt hinter eine Gebäudeecke des Botanischen Instituts, München. Die 39 Mobilfunk-Antennen wirken aus Richtung von oben rechts auf den Baum ein (siehe Bild hier).

Wir werden wieder vorbei schauen, wenn die Vegetation voll im Saft ist.

Frau W. ist als Vertreterin der anderen Fakultät eingeladen, die Messwerte am Testbaum mit ihrem Gerät zu bestätigen, und den Zustand dieses Baumes im Sommer ebenfalls zu beurteilen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Trafostation, Querulant, Baum, Immission, Messwerte, Botanischen-Garten, Wasseradern, Efeu


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