Elektrosensibilität: Die Waage der (inneren) Justitia (Elektrosensibilität)

Kuddel, Mittwoch, 07.09.2011, 21:47 (vor 4164 Tagen) @ Schmetterling
bearbeitet von Kuddel, Donnerstag, 08.09.2011, 00:35

Nehmen wir einmal an, Elektrosensible seien Phobiker, die eine ungeheure Angst haben, nicht vor großen Plätzen, Menschenmassen oder Spinnen, sondern vor Funkwellen. ...

So `a Schmarr`n !

Als "Schmarrn" würde ich das pauschal nicht abtun wollen.
Spatenpauli hätte allerdings nicht pauschal verallgemeinernd "Elektrosensible" schreiben sollen (und damit alle in einen Topf werfen), sondern z.B.

"nehmen wir an, unter den Elektrosensiblen gibt es den einen oder anderen Phobiker, der ..."

Meiner Meinung nach ist es bei einem weitaus größeren Anteil der "Elektrosensiblen" so, daß man glaubt "elektrosensibel" zu sein, weil man immer beim Verspüren von Symptomen eine "Elektrosmogquelle" findet und einen Zusammenhang zwischen Symptomen und Elektrosmog für plausibel hält.

Verstärkt werden könnte dieser Eindruck dadurch, daß ein Entfernen von der "Quelle" zu einer Linderung oder dem Verschwinden der Symptome führt.

Objektiv gesehen ist dieser subjektive Eindruck aber nicht mit einem Beweis gleichzusetzen, da es keine Verblindung gibt. Schließlich hält man ja an einen Zusammenhang für möglich und "weiß", daß man sich von der Elektrosmogquelle entfernt.

D.h. hier könnte ein Placeboeffekt vorhanden sein.

Hinzu kommt, daß man in der Regel überhaupt nicht auf den umgekehrten Sachverhalt achtet, obwohl dieser für einen objektiven Beweis ebenso wichtig wäre.
Denn verspürt der "Betroffene" kein Symptom, achtet er in der Regel auch nicht auf etwaige Elektrosmogquellen, auch wenn diese vorhanden sind.
Im fortgeschrittenen Stadium, wenn sich die innere Überzeugung gefestigt hat, werden solche Situationen, die zu einem "Anti-Beweis" führen könnten, sogar bewußt vermieden.

Das subjektive Empfinden der "Elektrosensiblen" ist also sehr einseitig geeicht, da man den Anscheinsbeweis für einen Zusammenhang wahrnimmt, aber den "Anti-Beweis", der einen Zusammenhang in Frage stellen würde, überhaupt nicht erkennt, bewußt ignoriert oder sogar absichtlich vermeidet.

Die "Waage" der inneren "Justitia" für- oder gegen einen Zusammenhang von Symptomen zum "Elektrosmog" kann also nur in eine Richtung ausschlagen, da die Waagschale für einen Zusammenhang weit offen steht und die andere Waagschale (gegen einen Zusammenhang) mit einer Art "Schutz-Schirm" versehen ist, so daß nichts hineinfallen kann.
Jedes "Erlebnis" eines Symptoms läßt die Waage weiter in Richtung "Schuldig" für den Elektrosmog ausschlagen, ohne jede Chance für die Seite "Unschuldig".

Da es sich häufig um unspezifische Symptome handelt, z.B. Schmerz oder Herzrasen, welches möglicherweise "von sich aus" in der Intensität über Minuten oder Stunden (Stichwort "Verzögerung) unregelmäßig auf-und abschwillt oder spontan entsteht oder verschwindet, könnte dies ebenfalls ein Grund für die Fehleinschätzung sein, daß ein Zusammenhang besteht, weil eine Ortsveränderung (= anderer Zeitpunkt) die Intensität des Symptoms beeinflußt.

Ein wichtiger Aspekt könnte sein, daß man beim Verspüren des Symptoms anfängt "in sich hinein zu horchen" und damit die Intensität des Symptoms anders wahrnimmt, weil man sich auf darauf konzentriert.
Da man an einen Zusammenhang mit der Elektrosmogquelle für möglich hält oder bereits glaubt, führt eine größere Distanz zur vermeindlichen Elektrosmogquelle zu einem Nachlassen der inneren Anspannung: Man horcht weniger "in sich hinein" und nimmt das Symptom deutlich weniger intensiv wahr.

Irgendwann ist man von den "Erfahrungen" konditioniert. "Weiß" man um das Vorhandensein einer Elektrosmogquelle, dann steigt die innere Anspannung und man "horcht in sich hinein". Die Anspannung könnte z.B. zu Herzrasen führen, weil man aufgeregt ist, oder zu einer Veränderung der Atmung (Schwindel, Ohrenrauschen) oder das "Hineinhorchen" (ist das Symptom wieder da?) zu einer verstärkten Wahrnehmung eines chronischen Schmerzes, den man vorher möglicherweise unbewußt ignoriert hatte.

Der Betroffene glaubt schließlich an einen Zusammenhang zwischen Symptom und Elektrosmogquelle, aber es ist nicht auszuschließen (m.M.n sogar wahrscheinlich), daß ihm die Psyche einen Streich gespielt hat.

"Last but not least" könnte es tatsächlich den einen oder anderen geben, der tatsächlich von starken Elektrosmogquellen unterhalb erlaubter Grenzwerte beeinflußt wird.

Ich persönlich halte es aber für extrem unwahrscheinlich, daß dies bei Feld-Intensitäten möglich ist, die mehr als Faktor 100 unter jenen Werten liegen, die bei "Gesunden" keinerlei Symptome auslösen.

K

Tags:
Wahrnehmung, Selbstdarstellung, Objektivierung, Elektrosensilbe


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