Kleine Desinformationskunde, Teil I (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 07.01.2009, 14:56 (vor 3969 Tagen) @ H. Lamarr

Ganz unten im Text, den ich nur kurz überflogen habe, ist mir folgende Passage ins Auge gesprungen:

In Deutschland reagieren laut einer Erhebung des Bundesamts für Strahlenschutz aus dem Jahr 2006 etwa 6 Prozent der Bevölkerung mit Krankheitssymptomen auf hochfrequente Strahlung, Tendenz steigend.

Da wird mMn kräftig desinformiert. Jetzt auf der Stelle habe ich jedoch keine Lust mehr, der Sache nachzugehen. Morgen ist auch noch ein Tag und ich möchte wetten, dass das BfS die zitierte Aussage so nicht gemacht hat.

So, meine düsteren Ahnungen sind leider voll bestätigt worden. In der genannten Erhebung (PDF) lässt sich die obige Aussage der beiden Autorinnen nicht finden. Das Wort "Krankheitssymptome" wird noch nicht einmal erwähnt. Den Damen muss demnach ein "Irrtum" passiert sein, mit dem versucht wird, die persönliche Selbsteinschätzung von Befragten als verbürgte Tatsache darzustellen. Nur ist es eben ein himmelweiter Unterschied, auch wenn es die Autorinnen anscheinend nicht wissen, ob ich etwas nur ins Blaue hinein behaupte oder ob ich etwas nachweise.

Wie es sich tatsächlich verhält, ist in der Quelle auf den Seiten 30/31 nachzulesen:

Frage 24: (an alle) „Machen Sie sich wegen möglicher gesundheitlicher Risiken durch elektromagnetische Felder, die von Mobilfunk-Sendeanlagen, Handys oder schnurlosen Telefonen oder anderen Quellen ausgehen, starke Sorgen, ziemliche Sorgen, wenig Sorgen oder gar keine Sorgen?“

Insgesamt bezeichnet sich eine Minderheit von 6 Prozent der Bevölkerung als stark besorgt wegen möglicher gesundheitlicher Risiken durch elektromagnetische Felder, weitere 14 Prozent als ziemlich besorgt. Gut die Hälfte ordnet sich selbst in die Kategorie „wenig besorgt“ ein und ein gutes Viertel bezeichnet sich schließlich als „gar nicht besorgt“.

Frage 27: (an alle) „Fühlen Sie sich durch elektromagnetische Felder von Mobilfunk-Sendeanlagen, Handys oder schnurlosen Telefonen oder anderen Quellen in Ihrer Gesundheit stark beeinträchtigt, ziemlich beeinträchtigt, wenig beeinträchtigt oder gar nicht beeinträchtigt?“

Im Hinblick auf eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung durch elektromagnetische Felder gibt gut die Hälfte der Befragten an, „gar nicht“ bzw. weitere 36 Prozent, „wenig beeinträchtigt“ zu sein; 7 Prozent bezeichnen sich als „ziemlich“ und 2 Prozent als „stark beeinträchtigt“.

[Hinweis: Die Antworten zu Frage 27 enthalten einen Widerspruch, im Text werden 2 % als stark beeinträchtigt geführt, im zugehörigen Schaubild 3 %]

Selbst bei den Prozentwerten haben es die Autorinnen nicht so genau genommen, denn statt der genannten 6 Prozent vermeintlich Beeinträchtigte hätten sie bei sorgfältiger Recherche die 7 Prozent oder 7 + 2 Prozent (von Frage 27) nehmen müssen. Angesichts derartiger Widrigkeiten erwarte ich mir bei genauerer Betrachtung des Artikels noch ein paar prächtige andere Desinformationen, die ich mir für Teil II der kleinen Desinformationskunde aufheben möchte ;-).

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Fehler, Risikokommunikation, Desinformation, Medien, BfS, Irrtum, Selbsteinschätzung


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