Standpunkt: Was Röösli von der Saferphone-Initiative hält (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Samstag, 17.09.2022, 23:16 (vor 144 Tagen) @ H. Lamarr

Insgesamt finde ich die Anliegen der Initiative berechtigt: Verursacher- und Vorsorgeprinzip. Aber die Umsetzung lässt viele Fragen offen. So wird vom Initiativkomitee argumentiert, dass je dichter das Mobilfunknetz, desto geringer ist die Exposition der Bevölkerung.

Das stimmt, weil die Handys weniger stark strahlen und sie die Hauptstrahlungsquelle sind. Es wird aber verschwiegen, dass durch ein dichtes Netz mit grosser Wahrscheinlichkeit die unfreiwillige Strahlung von Mobilfunksendern zunimmt. Das Abstandsgesetz wird unterschätzt.

Diese Ansicht Rööslis teile ich auf Anhieb nicht. Warum sollte anlässlich einer Netzverdichtung die "Strahlung von Mobilfunksendern" (im Vergleich zu vorher) zunehmen? Beispiel: Dort, wo zuvor eine große Funkzelle ein Versorgungsgebiet abdeckte, versorgen nach einer Netzverdichtung mit zwei zusätzlichen Standorten jetzt drei kleinere Funkzellen das besagte Gebiet. Die Anwohner des ursprünglichen Standorts kommen in den Genuss einer geringeren Exposition. Dort, wo die beiden neuen Standorte entstanden sind, werden unmittelbare Anwohner hingegen stärker exponiert als zuvor. Keiner der nun drei Standorte benötigt jedoch die hohe Sendeleistung des ursprünglich einzigen Standorts, das heißt, nirgendwo im gesamten Versorgungsgebiet muss ein Anwohner nach der Netzverdichtung die gleiche Maximalexposition aushalten wie vor der Netzverdichtung.

Solange die Datenmenge, die von den drei Standorten gemeinsam übertragen wird die ursprünglich von der einzelnen großen Funkzelle abgewickelte Datenmenge nicht übersteigt, sollte meine Darstellung mit der Realität gut übereinstimmen. Ein Netzbetreiber wäre aber von allen guten Geistern verlassen, würde er eine teure Netzverdichtung durchführen, ohne die Absicht zu haben, die von seinen Kunden gewünschten größeren Datenmengen auf diese Weise abzuarbeiten.

Unsere drei Standorte, die anfangs noch reichlich Kapazitätsreserven hatten, werden im Laufe der Zeit zunehmend stärker ausgelastet. Mit dem Auslastungsgrad eines Standorts nehmen jedoch auch seine EMF-Emissionen zu. Das musses sein, was Röösli meint! Jetzt wäre es schön, gäbe es ein Simulationsprogramm, dessen Entwickler die Antennentechnik so gekonnt modellieren haben, dass man sich in 3D und in Farbe realitätsnah anschauen kann, wie sich die Emissionen unserer drei Standorte abhängig von der abgewickelten Datenmenge entwickeln wird.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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