Warum Big T. nicht in den Kreis der üblichen Verdächtigen passt (Medien)

H. Lamarr @, München, Montag, 18.03.2019, 17:12 (vor 242 Tagen) @ H. Lamarr

Wer steckt dahinter? Wer hat ein Interesse daran, ICNIRP zu entmachten, indem jetzt mit Hilfe von Journalisten, die Familien zu ernähren haben, versucht wird, Zweifel an der Integrität von ICNIRP in die Öffentlichkeit zu tragen? Dass Big Tobacco der Schattenmann ist, wie anlässlich des "Reflex"-Mobilfunkstudien des Ex-Tabaklobbyisten Franz Adlkofer begründet vermutet wurde, dafür kenne ich derzeit weder Hinweise noch Belege.

Nehmen wir mal an, Hardell und Leszczynski erreichen irgendwie ihr Fernziel einer deutlichen Senkung der Grenzwerte. Hätte die Tabakindustrie davon ein Vorteil? Ich meine nein. Die Tabakindustrie profitiert nur während einer großen gesellschaftlichen Diskussion über mögliche Risiken des Mobilfunks, wenn dadurch die Risiken des Rauchens relativiert werden und in den Hintergrund treten. Mit einer Grenzwertsenkung wäre jedoch das Gezeter zuende und der Vorteil der Ablenkung wahrscheinlich für immer dahin. Dies gilt auch für staatsfeindliche Buddler und Säger, die das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Organisationen und in die Wissenschaft untergraben und mit unzufriedenen wütenden Bürgern die staatliche Ordnung aushöhlen möchten. Auch sie profitieren nur vom Weg zu einer Grenzwertsenkung, nicht aber wenn diese stattfindet. Bei den kleinen Profiteuren der irrationalen Angst vor Elektrosmog ist es etwas anders, die orientieren sich eher kurzfristig und hoffen darauf, dass trotz einer Grenzwertsenkung die Angst vor EMF im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung haften bleibt, das Geschäftsmodell also über den Tag X hinaus begrenzt intakt bleibt. Die Schweizer Vorsorgewerte belegen zweifelsfrei, dass diese Überlegung realistisch ist, denn trotz der 10-mal strengeren Anlagegrenzwerte in der Schweiz (bezogen auf Feldstärke), fürchten sich die Schweizer vor EMF fast noch mehr als die Bürger in Ländern ohne Vorsorgewerte.

Wer aber würde denn nun im großen Stil von einer deutlichen weltweit wirksamen Grenzwertsenkung profitieren? Schon 2003 hieß es auf der IZgMF-Website: Warum Netzwerklieferanten wie Ericsson Mobilfunkgegner fördern sollten. Anlass war damals die Studie einer inzwischen insolventen Beratungsfirma mit Sitz in Kreuzlingen, die den Schaden, den Mobilfunkgegner den Netzbetreibern in Deutschland zufügen würden, für 2006 auf 2 Mrd. Euro bezifferte. Für Netzwerklieferanten hingegen sahen die Berater zusätzliche Umsätze von bis zu +8 Prozent aufgrund einer durch eine mögliche Grenzwertsenkung erforderlichen hohen Anzahl zusätzlicher Sendemasten.

Netzausrüster wie Ericsson (Schweden), Nokia (Finnland) oder das umstrittene chinesische Unternehmen Huawei wären tatsächlich die großen Gewinner einer Grenzwertsenkung. Würden weltweit die Schweizer Vorsorgewerte gelten, könnten sie weltweit gemäß dieser Überschlagsberechnung doppelt so viel Sendetechnik verkaufen wie mit den gegenwärtigen ICNIRP-Grenzwerten. Noch viel mehr wäre es, würden die Grenzwerte stärker gesenkt. Doch ein Zusammenhang ist noch lange kein Kausalzusammenhang. Es wäre daher nur verschwörerischer Blödsinn, die Netzausrüster als Auftraggeber für "Investigate Europe" zu verdächtigen. Auch dass Hardell Schwede ist und Leszczynski Finne, macht eine Verwicklung skandinavischer Netzwerkausrüster nicht viel glaubwürdiger. Wahrscheinlich ist es eher so, die wenigen Mobilfunk-Netzwerkausrüster beobachten das Gezeter um die EMF-Grenzwerte genau und sie werden sich ganz bestimmt nicht erbittert gegen eine Grenzwertsenkung zur Wehr setzen.

Im letzten Absatz stand bis 19.03.2019, 13:20 Uhr, irrtümlich die "Netzbetreiber als Auftraggeber", statt die "Netzausrüster als Auftraggeber". Wir haben den Fehler korrigiert.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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