Nein, 5G-Mobilfunk gefährdet nicht die Gesundheit (II) (Medien)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 23.01.2019, 15:20 (vor 295 Tagen) @ H. Lamarr

[...] offensichtlich gibt es auch beim Tagessspiegel unterschiedliche Sichtweisen:

https://www.tagesspiegel.de/politik/ministerium-sieht-forschungsbedarf-gefaehrdet-5g-mobilfunk-die-gesundheit/23891720.html

So ließe sich, zum Entsetzen der Forum-Teilnehmer, nun weiter Absatz für Absatz zerpflücken. Doch keine Angst, das werde ich nicht machen.

Aber ein paar kurze Kommentare zu dem jüngsten 5G-Artikel im Tagesspiegel kann ich mir nicht verkneifen.

Tagesspiegel: Mit der Implementierung von 5G drohten „ernste, irreversible Konsequenzen für den Menschen“, heißt es in ihrem Appell. Bevor die Bevölkerung „immer höheren Werten der elektromagnetischen Felder“ ausgesetzt werde, müsse die Politik auf einer Untersuchung der Gesundheitsrisiken bestehen. Die EU-Kommission und Europas Regierungen wiesen diese Forderung bisher zurück.

Die EU-Kommission und die Regierungen Europas haben ganz sicher nicht auf den bizarren Firstenberg-Appell reagiert, ich behaupte, sie haben den noch nicht einmal zur Kenntnis genommen.

Tagesspiegel: Das Umweltministerium gab auf Anfrage zu ...

"Zugeben" ist eine im Kontext stark tendenziöse Vokabel, bedeutungsgleich mit "gestehen". Beispiel aus dem Duden: der Angeklagte hat die Tat, das Verbrechen, seine Schuld zugegeben. Das Ministerium hatte aber nichts zuzugeben, es stellte lediglich etwas fest.

Tagesspiegel: Tatsächlich würde 5G den Elektrosmog, wie ihn Kritiker nennen, erheblich verstärken. Das liegt daran, dass man hier mit sehr hohen Frequenzen operiert, deren Reichweite geringer ist als bei bisherigen Sendeanlagen. Kommt es zum flächendeckenden Ausbau, braucht es tausende zusätzlicher Sendeanlagen.

Eine einäugige Darstellung wie aus dem Bilderbuch der Anti-Mobilfunk-Szene. Zweiäugig betrachtet bedeutet eine Netzverdichtung eine sozial gerechtere Nivellierung des Elektrosmogteppichs über die Fläche gesehen. Bei mehr Sendemasten auf gleicher Fläche braucht es pro Sendemast weniger Sendeleistung, was der Zunahme des Elektrosmogs durch neue 5G-Funkdienste entgegen läuft. Die Formel mehr Masten mehr E-Smog ist falsch, vielmehr muss eine Bilanz gezogen werden aus Zunahme und Abnahme. Wie es am Ende wirklich aussehen wird, ob unterm Strich alles gleich bleibt, es zu einer Zu- oder sogar zu einer Abnahme kommt, für jedes dieser Szenarien werden sich Beispiele finden lassen.

Tagesspiegel: Und bei Studien einer US-Forschergruppe im staatlichen „National Toxicology Program“ (NTP) und der italienischen Krebsforscherin Fiorella Belpoggi wurden angeblich „klare Beweise“ für die tumorerzeugende Wirkung der Hochfrequenzstrahlung bei Ratten und Mäusen gefunden.

An dieser Stelle ist der Tagesspiegel freundlicherweise zu vorsichtig. Die klaren Beweise wurden vom NTP nicht angeblich, sondern unbestritten gefunden. Das ist nicht das Problem gewesen. Problematisch ist, dass diese Beweise bei Ganzkörperbefeldungen gefunden wurden, die bis zum 75-Fachen über der Befeldung liegen, die für Privatpersonen gelten. Umstritten ist die Relevanz der Beweise, nicht ihre Existenz.

An den übrigen Ausführungen des Tagesspiegel habe ich nichts weiter auszusetzen, ich muss zugeben, der Artikel wurde zum Ende hin zunehmend besser :-). Gegen eine Anerkennung des Woratschka-Artikels als Wiedergutmachung des Tagesspiegels für den verunfallten Artikel von "Investigate Europe" spricht nur noch die nicht angemessene deutlich kürzere Textmenge. Presserechtlich dürfen "Gegendarstellungen" den Textumfang der auslösenden Darstellung haben.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Journalist, Leitmedien, NTP-Studie, Studienbewertung, 5G, Belpoggi, Relevanz, Investigate Europe


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