Tagesspiegel: Medien schauen dem Fehltritt zu (Medien)

H. Lamarr @, München, Freitag, 18.01.2019, 22:55 (vor 304 Tagen) @ H. Lamarr

Gott sei Dank, ich fürchtete schon, der Protest würde exklusiv in unserem gallischen Dorf gefangen bleiben.

Für mich verblüffend, dass ein studierter Psychologe so eine qualifizierte Kritik an dem Artikel des "Tagesspiegel" über 5G-Mobilfunk schreiben kann. Müller beherrscht offensichtlich die Kunst, wissenschaftliche Studien analysieren zu können.

Doch wo bleibt die Kritik aus den Reihen der Medien? Als der "Stern" damals mit gewissen Tagebüchern arg neben die Spur geriet, mussten die Verantwortlichen zurecht einiges aushalten. Jetzt aber macht meines Wissens keines der angesehenen Medien Schtonk, wahrscheinlich ist der Fehltritt der Berliner nicht spektakulär genug gewesen. Der "Spiegel" ist entschuldigt, noch sitzt er allzu offensichtlich im Glashaus, als dass er Steine nach Berlin schmeißen könnte. Aber es gäbe ja noch andere. Reicht schon kollektives Schweigen der Medien als Missfallensbekundung, der Verzicht auf Zweitverwertungen im Stile "Wie der Berliner Tagesspiegel berichtete ..."?

Nein, aus meiner Sicht ist Verschmähen oder Totschweigen nicht genug. Wir leben wie keine Generation vor uns in einer Zeit des Informationsüberflusses, Desinformation lässt sich von Information häufig nur mühsam unterscheiden, die USA werden von einem blonden Fakenews-Generator regiert, Ratgeber drängen übers Internet unaufgefordert in unsere Wohnzimmer, dilettantische Bürgerreporter machen Profi-Journalisten das Monopol der Berichterstattung streitig und das Schlagwort von der Lügenpresse pulverisiert langsam aber sicher auch das Grundvertrauen in die Leitmedien. Die Leute da draußen fragen sich bei dieser Gemengelage völlig zurecht: Wem bitte soll ich denn noch trauen? Wäre die ultimative Antwort einfach, sie wäre längst gefunden.

Ich meine, es wäre schon mal eine gute Orientierungskrücke, würde eine Medienkrähe der anderen hin und wieder ein Auge aushacken, baut ein Konkurrent in Wissensfragen allzu vollmundig Mist. Das fände ich nicht oberlehrerhaft, unkollegial oder igitt, sondern erfrischend, vertrauenbildend und leser-blatt-bindend. Einfach nur kompetent widersprechen. Man muss die Kollegen von nebenan ja nicht unbedingt persönlich angreifen. Wissenschaft lebt vom Widerspruch und dem damit einhergehenden Selbstreinigungseffekt. Das könnte auch im Journalismus funktionieren. Und wer sich kompetenten Widerspruch in seinem Fachgebiet nicht zutraut, sollte sich fragen ob er überhaupt der richtige ist, auf diesem Gebiet den Fachjournalisten zu geben und Artikel in die Welt zu setzen. Amen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Medien, Bürgerreporter, Tagesspiegel, Fehltritt, Lügenpresse


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