We ACT: Fake-Petition gegen 5G (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 18.01.2019, 13:50 (vor 157 Tagen)

Auf der Petitionsplattform "We ACT" steht die Petition Aufruf zum Stop des 5G-Mobilfunknetz-Ausbaus zur Mitzeichnung. Obwohl die Plattform eher unbekannt ist, will die Petition einer gewissen "Andrea Haufler" innerhalb von zwei Monaten auf immerhin rund 6000 Unterstützer gekommen sein.

Aus meiner Sicht ist diese Petition von vorne bis hinten getürkt, ein in der Anti-Mobilfunk-Szene nicht selten praktiziertes Mittel zum Irreführen der öffentlichen Meinung. Der Verdacht des Betrugs will begründet sein. Eindeutige Beweise habe ich nicht, jedoch eine Reihe von Hinweisen:

1. Warum die Plattform We ACT?: Warum setzt die Initiatorin nicht auf bekanntere Plattformen wie Openpetion oder Avaaz? Meine Erklärung: Bei We ACT bekommt der Initiator einer Petition die E-Mail-Adressen der Unterstützer nicht ausgehändigt, sondern nur deren Vor- und Zunamen sowie die Postleitzahlen. Mehr kann ein Initiator auch nicht an den Empfänger seiner Petition weiter reichen. Dies ermöglicht jedem, der einen E-Mail-Adresspool hat, auf einfache und risikolose Weise den betrügerischen Missbrauch der Plattform. Hier im Forum wurde mehrfach darauf hingewiesen, auf welche Weise die Anti-Mobilfunk-Szene, besonders deren kommerziell interessierte Teilnehmer, sich E-Mail-Adressen von Unvorsichtigen beschaffen. Dieser Pool lässt sich bei We ACT risikolos und ohne Wissen der Geprellten verwenden, da außer dem Plattformbetreiber niemand die Adressen zu Gesicht bekommt. Eine Aufdeckung des Betrugs ist damit ausgeschlossen.

2. Anzahl Unterstützer: Die relativ hohe Anzahl der Unterstützer deckt sich in keiner Weise mit den kümmerlichen Ergebnissen anderer Petitionen aus der hiesigen Anti-Mobilfunk-Szene. Dies kann an wirksamen Fördermaßnahmen zugunsten der 5G-Petition liegen, von solchen Maßnahmen findet sich jedoch keine sichtbare Spur im www.

3. Fakekommentare: Bei We ACT können Unterstützer mit Kommentaren eine kurze Begründung nennen, warum sie eine Petition unterstützen. Bei echten Kommentaren kommt es zu einem bunten Mix formal, stilistisch und inhaltlich unterschiedlicher Begründungen. Bei der Petition von "Andrea Haufler" fehlt der bunte Mix, die Kommentare sind auffallend ähnlich und wirken künstlich (vergl. auffallend positive Produktbewertungen bei Amazon). Medienberichten zufolge soll es mittlerweile auch möglich sein, mit Softwarealgorithmen künstliche Kommentare zu erzeugen und zu platzieren, die von echten Kommentaren nicht zu unterscheiden sind.

4. Petitionsverlauf: Am Verlauf einer Petition lässt sich erkennen, wann Werbemaßnahmen zur Mitzeichnung wirksam wurden. Die "Haufler"-Petition entwickelte sich gemäß We ACT so:

28.11.2018: 10 Mitzeichner
06.12.2018: 25
08.12.2018: 50
10.12.2018: 100
02.01.2019: 500
04.01.2019: 1000
12.01.2019: 5000
18.01.2019: 6000

Da wirksame sichtbare Werbeaktionen nicht zu finden sind, könnte die "Haufler"-Petition, so sie nicht völlig getürkt ist, in den internen Zirkeln "interessierter Kreise" beworben worden sein.

[image]5. Rechtes Milieu: Gegenwärtig wirft die Suche nach dem Titel der Petition bei Google 25 echte Treffer aus. Eindrucksvolles ist nicht dabei. Der Blog ondoor.de ist mehrfach in der Trefferliste vertreten. Jeder darf sich nun gerne seine eigene Meinung bilden, an welchem Rand des politischen Spektrums der Blogger zu verorten ist. Das Interesse des linken und rechten Randes an einer versteckt staatsfeindlichen Instrumentalisierung der Mobilfunkdebatte für ihre Zwecke ist hier im Forum mehrfach dokumentiert. Braune Esoterik hat in der Anti-Mobilfunk-Szene seit langem einen festen Platz, wenn auch nur den von Außenseitern.

6. Technische Mängel: We ACT sichert in den Nutzungsbedingungen zu: "Nach dem Unterzeichnen einer WeAct-Petition wird Ihr vollständiger Vorname und der erste Buchstabe Ihres Nachnamens auf WeAct öffentlich angezeigt, wenn und solange Sie zu den letzten 10 Unterzeichner/innen gehören." Doch gegenwärtig trifft dies nicht zu. Während der Zählerstand der Unterstützer von gestern 22:10 Uhr bis soeben von 5947 auf 6030 kletterte, blieb die Anzeige der "letzten Unterstützer" unverändert auf einem alten Stand vom 14. Januar (Bild). Schlimm ist das nicht, Vertrauen in die Plattform We ACT löst diese Widersprüchlichkeit bei mir jedoch ebenfalls nicht aus.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Druck, Petition, Anonym, Irreführung, Daten, Campact


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