NTP-Studie: Typisches Beispiel für Desinformation (Forschung)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 07.11.2018, 12:38 (vor 372 Tagen) @ H. Lamarr

Der Eiertanz des NTP, Alarm zu schlagen und gleichzeitig ein wenig verschämt Entwarnung zu geben, erinnert an die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde und ist aus meiner Sicht als Rechtfertigungsversuch zu werten. Die FDA hat das klar erkannt und klargestellt. Die internationale Anti-Mobilfunk-Szene wird sich davon freilich nicht beirren lassen und in Hinterzimmern von Dorfwirtschaften ahnungslosen Bürgern das Märchen von den "eindeutigen Beweisen" weiter auftischen. Wären die Motive für diese Desinformation wenigstens halbwegs edel (z.B. ehrlicher Aufklärungsdrang) könnte man das Treiben der Szene tolerieren, doch es geht ihr um materiellen oder immateriellen Profit. Und das ist mMn nicht zu tolerieren.

Die FDA distanzierte sich am 1. November 2018 von der NTP-Studie, im Ärzteblatt war dies nur einen Tag später auch auf Deutsch zu lesen.

Am 4. November versucht heilpraxisnet, in der Selbstsicht ein "Fachportal für Naturheilkunde und Gesundheit", zu retten was zu retten ist. Heilpraktiker sind eine der Anlaufstellen, bei denen Menschen, die sich von mystischem Elektrosmog beeinträchtigt sehen, Hilfe suchen. Irrationale Ängste vor Elektrosmog bringen Heilpraktikern Kundschaft, sie haben daher ein kommerzielles Interesse, diese Ängste nicht einschlafen zu lassen.

Mit der suggestiven Titelzeile Deutliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Handystrahlung und Krebs dirigiert heilpraxisnet gleich vorneweg seine Leser wie mit einem Autobahnwegweiser in die gewünschte Richtung. Das ist bereits die halbe Miete, denn der Titel programmiert eine Erwartungshaltung. Der darauf folgende Artikel ist geschickt formuliert und erweckt mit am Rande erwähnter Skepsis den Eindruck einer glaubwürdigen weil ausgewogenen Berichterstattung. Doch damit die Skepsis beim Leser keine bleibende Wirkung entfaltet, wird sie postwendend mit Ja-Aber-Einwänden gleich wieder kompensiert. Beispiel: Der Einwand, die vom NTP verwendete 2G- und 3G-Befeldung sei heute veraltet, wird mit dem Hinweis kompensiert, die meisten Mobiltelefone würden jedoch noch immer diese Technik verwenden. Der Artikel ist kein plumper Hetzbeitrag gegen Mobilfunk, sondern fein dosiert tendenziös in Richtung Alarm. Die Lektüre entlässt den Leser mit dem beabsichtigten mulmigen Gefühl, am Gerede über die Schädlichkeit von "Handystrahlung" könne etwas dran sein. Gut vorstellbar, dass Heilpraktiker, die sich auf heilpraxisnet informieren, ihre Patienten in eben diese Richtung beraten und eine sogleich erkannte Angststörung wegen Funk mit 20 g Baldrianwurzeln, je 10 g Hopfenzapfen, Melissenblätter, Pfefferminzblätter und 5 g Pomeranzenschale behandeln. Ehrlicher, wenngleich nicht so ertragreich, wäre aus meiner Sicht, von Funkangst Geplagten den Artikel aus dem Ärzteblatt in Kopie mit nachhause zu geben, um den bösen Geist für immer zurück in die Flasche zu beordern.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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