Ich schlage dir den Schädel ein, du mieses Aas (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 01.03.2017, 12:42 (vor 995 Tagen) @ H. Lamarr

Für mich ist Uli Weiner nach wie vor und begründet ein Schwindler, auch wenn er es jetzt nach langer Pause mit seiner herzerweichenden Story wieder einmal ins Fernsehen der Absonderlichkeiten geschafft hat.

Das Absonderliche übt auf uns einen besonderen Reiz aus. Die Medien leben davon. Und natürlich jede Menge Geschäftemacher, die von ihrem Publikum geliebt werden, egal was passiert.

Europas letzte wegen Hexerei verurteile "Hexe" war 1944 die Schottin Helen Duncan. Nachfolgend Auszüge aus einem "Spiegel"-Artikel über die auch "Hellish Nell" genannte Duncan.

Duncan wurde 1897 im schottischen Callander als Tochter eines Dachdeckers geboren. Als Siebenjährige habe sie in der Küche den Geist des längst verstorbenen Soldaten Johnny entdeckt. Zudem habe sie in die Vergangenheit sehen und Unfälle vorhersagen können, schrieb ihre Tochter Gena Brealey. Und in der Schule seien die richtigen Antworten beim Geschichtstest wie von Zauberhand aus ihrem Griffel geflossen. "Erzähl bloß niemandem von deinen Gaben, sonst denken sie, du bist eine Hexe", soll Duncans Mutter ausgerufen haben.

Doch "Hellish Nell" hörte nicht. Um ihre sechs Kinder und den kriegsversehrten Ehemann durchzubringen, verdingte sie sich neben ihrem Job in einer Bleichfabrik als "Medium". Duncan reiste durchs Land und gab vor, Geister von Verstorbenen rufen zu können. Dazu versetzte sie sich in Trance und sonderte angeblich ein weißes Fluidum ab: Das sogenannte "Ektoplasma" nahm während der spiritistischen Sitzung die Gestalt eines Verstorbenen an und antwortete auf Fragen.

In Scharen strömten die Menschen herbei, um gegen Geld in Kontakt zu toten Angehörigen zu treten. Doch bald schon enttarnte der britische Forscher und Geisterjäger Harry Price das vermeintliche "Medium" als Betrügerin: Das "Ektoplasma" bestand aus Mull, Klopapier und hartgekochtem Eiweiß, konnte der Chef des National Laboratory of Psychical Research 1931 nachweisen.
[...]
Am 6. Januar knipste die Schottin Esson Maule bei einer Séance das Licht an und schnappte sich den angeblichen Geist der kleinen Peggy - er bestand aus einer alten Frauenunterjacke. "Ich schlage dir den Schädel ein, du mieses Aas", soll die für ihre Wutausbrüche berüchtigte Duncan gebrüllt haben.
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Im Januar 1944 wurde "Hellish Nell" aus dem Verkehr gezogen. [...] Über eine Woche dauerte der bizarre Prozess vor dem Strafgericht. Duncans Verteidiger, selbst überzeugter Spiritist, ließ 46 Zeugen zu ihren Gunsten aussagen. Vergeblich: "Hellish Nell" musste im berüchtigten Frauengefängnis Holloway Prison einsitzen und wurde erst Ende September 1944 begnadigt.
[...]
Und so haftet Duncan bis heute die Fama der "letzten Hexe" Europas an. Großbritanniens berühmtestes "Medium" starb am 6. Dezember 1956, kurz nachdem sie abermals wegen Betrugs verhaftet worden war.

Mit Petitionen hatten Duncans Anhänger in den Jahren 2001, 2008 und 2012 für ihre Rehabilitierung gekämpft. Das schottische Parlament wies alle zurück. Nun rechnen sich die Duncan-Fans neue Chancen aus: "Es ist an der Zeit, dass Helen endlich Gerechtigkeit widerfährt", sagte Graham Hewitt, Rechtsbeistand ihrer Enkel und selbst überzeugter Spiritist, dem "Daily Express".

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!


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