Gutachten Herrenberg: Wer versteht das Prinzip der Grafiken? (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.01.2014, 22:32 (vor 2110 Tagen) @ H. Lamarr

Man kann dem Umweltinstitut nun wirklich nicht ans Zeug flicken, es würde seine Immissionsprognosen nicht ausführlich dokumentieren. Was mir als Technischer Redakteur jedoch auffällt sind unnötig komplizierte Formulierungen, die mMn eher auf Imagegewinn abziehen denn darauf, von einem Gemeinderat in voller Tiefe verstanden zu werden. Soll heißen, ohne Mund-zu-Mund-Beatmung durch das UI dürfte kaum ein Auftraggeber die Prognose in allen Einzelheiten richtig deuten können.

Ein grundsätzliches Problem mit der Prognose beschäftigt mich jetzt schon geraume Zeit, doch lösen habe ich es nicht können.

Ich habe flächendeckende Immissionsprognosen wie im Fall Herrenberg bislang so verstanden, dass an beliebigen Punkten im Gemeindegebiet (zumindest im dicht besiedelten) die Immission wahlweise durch vorhandene, verschobene oder künftige Sendemasten ersichtlich ist. Dazu gehört es, dass bei der Darstellung der Immission durch einen beliebigen Standort X auch die dazu benachbarten Standorte mit in die Prognose einbezogen werden, so wie die Standortbescheinigungen der BNetzA eine Standort nicht isoliert betrachten, sondern immer die Wechselwirkung zu benachbarten Standorten berücksichtigen. Ersichtlich relevant werden solche "Nachbarn", wenn sie nur 100 Meter oder 200 Meter weit weg sind.

Wenn ich mir nun die vielen Immissionskarten in dem Herrenberg-Gutachten anschaue, dann ist dort immer nur ein einziger Standort "on air", alle Nachbarstandorte sind quasi abgeschaltet.

Wie um um alles in der Welt soll unter solchen Umständen bei zwei dicht benachbarten Standorten die Immission durch beide Emissionsquellen richtig ersichtlich sein, ohne dazu zum Taschenrechner greifen zu müssen (quadratisches Addieren der beiden Feldstärkewerte)?

Beispiel: Auf Seite 44 nennt das Gutachten die Prognose für die Apotheke (Immissionspunkt U01 ni) wenn der neue Standort U01 n am Bahnhof in Betrieb ist (damals noch 30-Meter-Mast). Da freundlicherweise die Antennenbestückung des Standorts U01 n genannt wird, besteht kein Zweifel, der Prognosewert von (damals) 4,3 V/m beruht allein auf dem Standort U01 n. Doch genau im Süden der Apotheke, ebenfalls nur 160 Meter entfernt, befindet sich ein weiterer Standort (bei Ulrich-Raithel Nummer B06, auf Seite 44 jedoch nicht eingetragen), der jetzt schon in Betrieb ist, dessen kaum zu vernachlässigende Immission an der Apotheke die Grafik jedoch nicht zeigt.

Ohne B06 ist der Wert 4,3 V/m mMn unzutreffend (zu niedrig). Und B06 ist keineswegs der einzige weitere Standort in Bahnhofsnähe, da tummeln sich noch mehr ...

Was ist das, ein Denkfehler von mir, eine Schwäche der Prognosesoftware oder hat das Gutachten im Orginal noch Seiten, die nicht im Internet stehen?

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Umweltinstitut München, Täuschung, Immissionsgutachten, Prognose, Nachbarn, Fehler im Kopf, Apotheke, Prognosewert


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