Gutachten Herrenberg: Mindesthaltbarkeitsdauer 0 Tage (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 09.01.2014, 20:24 (vor 2013 Tagen) @ H. Lamarr

Im Januar 2013 lieferte der Verein "Umweltinstitut München" im baden-württembergischen Herrenberg (bei Stuttgart) für mutmaßlich rd. 30'000 Euro ein 60 Seiten umfassendes Gutachten ab ...

Grundsätzlich besteht bei der heutigen Immissionssituation keinerlei Notwendigkeit, überhaupt eine Immissionsprognose für einen neuen Mobilfunksender anzufordern. Denn die Grenzwertausschöpfung durch die bestehenden Mobilfunknetze ist bis auf sehr seltene Ausnahmen so gering, dass sie 1000-mal größer sein dürfte - und die Grenzwerte wären selbst dann noch nicht erreicht. Es ist somit belanglos, dass durch eine teure Immissionsprognose inkl. Standortkonzept an einem Punkt x die Immission auf z.B. 1/4 des ursprünglichen Werts sinkt, wenn schon der ursprüngliche Wert mit z.B. 500- oder 800-facher Grenzwertunterschreitung aufwarten kann. 25 Prozent von "Nichts" haben mit Vorsorge nichts zu tun, mit Geldschneiderei dagegen viel.

Wer dennoch eine Immissionsprognose bestellt, handelt aus einer subjektiv empfundenen Notlage heraus, für die es keine objektive Begründung gibt. Darüber hinaus haben die in diesem Strang angestellten Betrachtungen der Immissionsprognose "Herrenberg" eine ganze Reihe von konkreten Kritikpunkten ergeben, die den Wert der Prognose weiter infrage stellen:

Das mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bedarf noch der Erklärung. "KlaKla" hat hier auf das Kernproblem hingewiesen, allerdings ziemlich versteckt. Kurz gesagt geht es darum, dass das Gutachten nur Sender berücksichtigen kann, die Herrn Ulrich-Raithel zum Zeitpunkt der Prognose bekannt waren. Ein danach errichteter Antennenträger macht die Prognose stellenweise wertlos, da nach der Inbetriebnahme der neuen Station die tatsächliche Immission im näheren und weiteren Umkreis der neuen Station erheblich von der Prognose abweichen wird. Im weiteren Umkreis deshalb, weil neue Standorte nicht Inseln im Netz sind, sondern Rückwirkung auf die umgebenden Standorte haben.

Der Immissionsprognose für Herrenberg ist eine solche Kurzlebeigkeit in die Wiege gelegt worden. Das Gutachten wurde am 21. Januar vorgelegt und schon am 14. August 2013 hatte sich die Situation geändert, denn auf dieses Datum lautet die jüngste Standortbescheinigung des Standorts 721704 (unterhalb des Bahnhofs), den ich in Ulrich-Raithels Gutachten nicht ausmachen konnte (Mauszeiger über Standortsymbol zeigt Stadortnummer). Da die Datenbank der BNetzA dazu keine Auskunft gibt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob der Standort neu ist, oder nur eine Änderung erfahren hat. Tatsache ist, die Datenbank verortet diesen Standort 17 Meter über Grund und beziffert die Anzahl der Funkzellen, die er versorgt, auf neun.

Die stark exponierte Apotheke (siehe hier, im Bild unten Ziffer 2) liegt exakt auf halber Strecke zwischen dem geplanten Ersatz des Silo-Standorts am Bahnhof (1) und dem Standort 721704 (3). In der Immissionsprognose für die Apotheke (Gutachten, Teil 2, Seite 44) ist für mich nicht ersichtlich, dass die Immission des zweiten Standorts berücksichtigt wurde. Würde Google-Earth den Standort 721704 nicht mit einem Datum vom September 2012 zeigen, alles würde darauf hindeuten, dass der Mast erst nach Abgabe des Gutachtens errichtet worden ist.

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Wenn ich die Fakten richtig deute ist das Gutachten bereits veraltet gewesen, als es am 21. Januar 2013 vorgelegt wurde. Denn der Ersatzstandort (40-Meter-Mast) für den Silo-Standort ist gegenwärtig noch nicht einmal in Bau, der Standort jedoch in Betrieb. Und nichts schützt Herrenberg davor, dass die Prognose künftig weiter durcheinander gewirbelt wird, wenn neue Standorte hinzu kommen oder vorhandene verändert werden. Dies ist ein systematischer Geburtsfehler aller EMF-Immissionsgutachten.

Nachtrag von 22:35 Uhr: Der Standort 721704, im Bild Ziffer (3) taucht im Gutachten in der Übersichtsgrafik auf Seite 3 als Standort B06 auf.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geschäftsmodell, Umweltinstitut München, Esoterik, Willkür, Bild, Notlage, Mobilfunkkonzept, Immissionsgutachten, Grenzwertausschöpfung, Unbelehrbaren, Immissionsprognose, Vermittler, Nachbesserung, Verschwendung, Verfallsdatum


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