Öffentliche Wahrnehmung der Reflex-Studie (Forschung)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 12.10.2010, 15:07 (vor 3201 Tagen) @ RDW

Man braucht sich z. B. nur das REFLEX-Projekt anzusehen, nämlich wieviele Institute dafür geforscht haben und wieviele Studien mit welchen Resultaten dazu veröffentlicht wurden. Und wieviele davon werden dem Publikum als "das" Ergebnis vorgestellt? Das ist mehr als nur eine Missachtung der vielen Forscher jenseits von Wien.

Eine interessante Beobachtung! Die öffentliche Darbietung und Wahrnehmung von Reflex beschränkt sich auf die gemeldeten Risiken beim Mobilfunk. Daran waren drei der elf (Koordinator nicht mitgezählt) Forschergruppen beteiligt (Rüdiger, Tauber, Leszczynski). In der alten Teilnehmerliste aus dem Jahr 2004 werden Tauber und Leszczynski genannt, anstelle von Rüdiger steht dort Jahn. In der momentan von Cordis angezeigten Teilnehmerliste fehlt auch noch Leszczynski, der dort durch Salomaa ersetzt wurde, Rüdiger taucht - warum auch immer - auch in der neuen Liste nicht auf, es scheint fast so, als ob ihn die EU gar nicht kennt, obwohl ausgerechnet seine Arbeit den Grundpfeiler des Reflex-Mythos bildet. Von den Arbeiten der restlichen acht Forschergruppen (Waldvogel, Hernandez, Wobus, Forino, Groppetti, Clin, Stock, Kolb) ist mMn öffentlich nichts bekannt geworden, dabei soll es dem Vernehmen nach bei den NF-Versuchen durchaus bemerkenswerte (alarmierende) Ergebnisse gegeben haben. Eigenartigerweise hat der Projektkoordinator die NF-Ergebnisse jedoch öffentlich nie thematisiert, so wie er es sehr medienwirksam mit den Ergebnissen der HF-Versuche gemacht hat.

Warum nicht? Reflex steht doch auf zwei Beinen (NF & HF), wobei das NF-Bein angeblich sogar das kräftigere sein soll! Aus meiner Sicht deshalb nicht, weil Mobilfunk als breites Reizthema eine erheblich größere mediale Präsenz verspricht als die eher "langweilige" weil individuelle NF-Problematik (biologische Wirkung von 50-Hz-Wechselfeldern). Die Aufregung wegen eines Sendemasten oder einer DECT-Basis beim Nachbarn lässt sich mit Angst vor "Strahlung" gegenüber Laien noch gut rechtfertigen und emittiert ja auch seit Jahren Bürgerinitiativen. Aber wer bekämpft schon eine 230-V-Haushaltsstromleitung in der Wand des Nachbarn, weil sie einem angeblich den Schlaf, die Haare vom Kopf oder den Appetit raubt? Die kurze Reichweite der 50-Hz-Felder reduziert den Kreis der "Besorgten" derart stark, dass sich niemals ein BI oder gar "Montagsdemo" mit mehr als zwei, drei Teilnehmern organisieren lässt. Nein, NF taugt (noch) nicht zum Publikumsmagneten, HF dagegen schon längst. Wer die öffentliche Aufmerksamkeit auf etwas lenken möchte und die Wahl hat zwischen NF & HF, der muss sich für HF entscheiden und NF links liegen lassen, selbst wenn es bei NF noch mehr zum Alarmieren gäbe.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Reflex, Leszczynski, Tauber


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