Mein Freund der Baum - Ministudie mit Bordmitteln (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 14.01.2010, 15:28 (vor 3937 Tagen) @ michael

Komisch ist nur, das der Baum ausgerechnet auf der Antennenzugewandten Seite eingeht und der Bewuchs sich zurückzieht. Die rechte Seite ist (optisch) normal.

Ja, den Bildern kann ich eine gewissen Überzeugungskraft nicht absprechen. Wenn die vor interessierten Bürgern auf eine Wand projiziert und passend kommentiert werden, gehen die Leute bestimmt mit der Meinung nach hause: Funkwellen machen Bäume krank. Und könnte ich Ihre Beobachtungen bestätigen, ich würde vermutlich ebenfalls ins Grübeln kommen - was aber nicht der Fall ist. Aus meiner Sicht spricht folgendes gegen Ihre These:

1) Sie suchen und fotografieren gezielt kranke Bäume im unmittelbaren Umfeld von Sendemasten. Ich behaupte nun, es gibt ebenso viel kranke Bäume dort, wo kein Mobilfunksender in der Nähe ist. Wenn ich aus dem Bürofenster schaue sehe ich z.B. eine kranke Tanne mit ziemlich kahler Spitze oberhalb des Dachfirstes des Hauses, in dessen Garten sie steht. Ein neuer Fall? Nein, denn a) der nächste Senderstandort ist 550 Meter weit weg, b) die Tanne steht zwischen Haus und Standort (also komplett ungeschützt) und c) die kranke Tanne steht in einer eng gepflanzten Gruppe von drei Tannen (Abstand drei, vier Meter), die beiden anderen Tannen zeigen keinerlei Schäden.

2) Infolge physikalischer Beugung können Funkwellen sozusagen auch um die Ecke kommen. Die Schutzwirkung von Häusern (Abschattung) ist daher kleiner als es den Anschein hat. Die Folge: Ein oben kranker und unten gesunder Baum hat möglicherweise unten keine erheblich geringere Feldbelastung als oben. Dies hängt natürlich immer vom Einzelfall ab. Ideal wäre es, Messwerte aus der kranken Zone zu bekommen, technisch für viele wohl unmöglich, mit einem Personendosimeter und einer langen Stange wäre dies jedoch möglich.

3) Sie lassen sich mMn zu stark von Ihrer Überzeugung leiten. Dies ist aus Ihren Texten erkennbar. Ein kranker Baum in Sichtweite einer Antenne ist für Sie bereits übel, ein nur auf der zur Antenne hin gewandten Seite kranker Baum aber ist schier schon der Beweis dafür, dass die Antenne der Verursacher ist. Vielleicht würde ich das an Ihrer Stelle auch so sehen, aber es nutzt nix, überzeugend ist dies für Skeptiker noch lange nicht. Denn es sollte überhaupt nicht schwer sein, einseitig geschädigte Bäume zu finden, wo entweder gar kein Mast in der Nähe ist oder der Mast sogar auf der "gesunden" Seite steht. Wer eine Digitalkamera hat kann sich ja gerne mal auf die Suche nach ein paar eindrucksvollen Beispielen machen ... Dieses Aufzeigen von "Gegenbeispielen" ist mMn leichter verständlich und plakativer, als wenn wir Laien uns über Pilzkrankheiten von Bäumen unterhalten.

4) Wenn Sie zeigen wollen, dass EMF Bäume krank macht, dann müssen Sie mMn härtere Fakten schaffen als nur selektierte Fotos präsentieren. Vielleicht so: In einem Radius von 500 Meter um einen Standort alle Bäume erfassen (Zählen, Sichtkontrolle auf Erkrankungen) und nur die kranken fotografieren und genauen Standort notieren. Dann in Google-Earth die Standorte aller kranken Bäume eintragen + Standort des Masten, die jeweiligen Entfernungen vermessen und kontrollieren, ob kranke Bäume auf der senderzugewandten Seite kränker sind als auf der abgewandten Seite. Jetzt fehlt noch ein Vergleich. Also das Ganze wiederholen, möglichst nicht allzu weit weg (damit sich die Umgebungsbedingungen nicht viel ändern) aber dort, wo der nächste Sender sagen wir mal 1500 Meter weit weg ist (Obacht Trugschlussrisiko, bei einem senderfreien Fleck könnte kurz zuvor ein Vertrag ausgelaufen sein ...). Aus den so gesammelten Daten sollte sich dann ableiten lassen, ob diese Ihre These eher stützen oder doch eher zu Fall bringen. Warum solche Vorschläge nicht von den vielen Vereinsmeiern der Szene kommen ist mir ein Rätsel, vielleicht liegt es daran, dass da eben doch ein ordentliches Stück Arbeit zu leisten ist und man sich lieber in Hinterzimmern von Kneipen bei einem Bierchen die neuesten Verschwörungsparolen des "Kartells der Rentner" erzählen lässt ;-).

Ja, ich weiß, zu dieser Ministudie gibt es 1001 Einwände. Dennoch wäre sie ein (steiniger) Weg, endlich einmal das in Angriff zu nehmen, was Sendemastengegnern zu Recht vorgeworfen wird: Nicht nur Alarmreden zu schwingen, sondern versuchen belastbare Fakten in die Diskussion einzubringen.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Trugschluss, Vereinsmeier, Nadelgehölz, Tanne


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