USA: "Elektrosensible" Lehrerin setzt Behindertenstatus durch (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 28.02.2021, 22:39 (vor 581 Tagen)

Einer Meldung der Bürgerwelle Schweiz zufolge hat in Los Angeles die Lehrerin Laurie Brown vor Gericht durchgesetzt, dass ihr Arbeitgeber ihre "Elektrosensibilität" gegenüber W-Lan als Behinderung anerkennen muss. Einer der Richter befürchtet von dem Entscheid eine ungute Signalwirkung, hat zugleich aber einen Vorschlag, Trittbrettfahrer in die Schranken zu weisen.

Dem Urteil vom 18. Februar 2021 zufolge hat das mit drei Richtern besetzte Berufungsgericht einstimmig zugunsten der Lehrerin entschieden. Richter John Shepard Wiley schloss sich der Mehrheitsmeinung seiner beiden Kolleginnen an, äußerte jedoch starke Bedenken, dass das in den USA einzigartige Urteil als Präzedenzfall zu einer Prozesslawine führen könnte. Betreiber von W-Lan-Netzen müssten fürchten, dass sie von Personen, die behaupten, W-Lan-Immissionen machten sie krank, in kostspielige gerichtliche Auseinandersetzungen verwickelt werden. Klagewillige und ihre Anwälte könnten auf so eine gute Gelegenheit nur gewartet haben. Und der wache Richter merkt weiter an: "Die Gerichte machen sich Sorgen über Pseudowissenschaft im Gerichtssaal. Eine Sorge ist, dass ein parteiischer Sachverständiger die Richter mit einer souveränen Haltung, einem einnehmenden Auftreten und einer Theorie, der es an respektabler wissenschaftlicher Unterstützung mangelt, verwirren kann." Was Wiley damit meint, kann man hier an einem konkreten Beispiel nachlesen.

Das Berufungsgericht hat den Fall erstaunlicherweise entschieden, ohne einen Gerichtssachverständigen hinzuzuziehen. Gemäß Wiley gibt es die Möglichkeit eines gerichtlich bestellten Sachverständigen in Kalifornien schon seit Generationen. Nur wenige Richter hätten diese Option jedoch bislang gezogen, weil die Parteien sie nie vorschlagen. Das Letzte, was Prozessanwälte wollen, sei eine weitere Quelle der Unsicherheit im Prozessverlauf. Sachverständige würden von den Anwälten als "etwas Mächtiges und außerhalb ihrer Kontrolle" wahrgenommen. Im Fall einer W-Lan-Prozesslawine könnten die Gerichte die Bestellung von Sachverständigen nach Evidence Code §§730-732 jedoch zur Eindämmung von Missbrauch in Betracht ziehen. "Sobald ein Sachverständiger bestellt wird", sagte Richter Wiley, "kann es verblüffend sein, wie schnell sich dann ein Fall erledigt."

Mit Material von Metropolitan News-Enterprise

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
EHS, Präzedenzfall, Trittbrettfahrer, Behinderung, Pseudowissenschaft, USA, WLan, Kalifornien, Psychosoziale Belastung


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