Lockerung Anlagegrenzwerte: Blamable Vorstellung der Vereine (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 15.06.2016, 13:44 (vor 1315 Tagen) @ H. Lamarr

Seltsamerweise haben die Schweizerischen Mobilfunkgegner den Eröffnungszug der KVF vom 1. Februar 2016 bislang stillschweigend und ohne jede Regung hingenommen. Dabei hat Bundesrätin Leuthard, Chefin der KVF, ihnen soeben mit Schwung den Fehdehandschuh links und rechts ins Gesicht gehauen: Sie will nicht weniger als den weltbekannten Schweizer Vorsorgewert in der jetzigen Form abschaffen.

Mobilfunkgegner in aller Welt huldigen seit 16 Jahren der Schweiz für ihre Mobilfunk-Vorsorgewerte, auch wenn die wenigsten begriffen haben, was es mit diesen sogenannten Anlagegrenzwerten auf sich hat. Wie auch immer, die Schweiz ist das Vorbild für zahllose Forderungen nach niedrigeren EMF-Grenzwerten, die sich objektiv zwar nicht gut begründen lassen, subjektiv aber durchaus nach dem Motto: Die Schweizer werden sich schon was gedacht haben, als sie am 23. Dezember 1999 die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung der staunenden Welt präsentierten.

Für Mobilfunkgegner sollte es deshalb eine Katastrophe sein, wenn die Schweiz sich nun anschickt, ihre weltberühmten Elektrosmog-Vorsorgewerte aufzugeben und diese nach oben zu schrauben. Protestmärsche aufgebrachter Sendemastengegner zum Bundeshaus in Bern, Demonstrationen in Städten und Gemeinden, Straßenblockaden mit Traktoren wütender Landwirte und Rundfunk/TV-Debatten zwischen Pro & Kontra-Vertretern wären im Vorfeld der historischen Entscheidung mit ein bisschen Optimismus durchaus zu erwarten gewesen. Doch nichts dergleichen geschah! Wie gelähmt verharrten die Mobilfunkgegner der D-A-CH-Länder im Nichtstun. Nur der Dümmste unter ihnen protestierte laut. Und dies gleich 2-mal: Nach Einführung der Vorsorgewerte geißelte er diese 2002 als Mogelpackung, im Mai 2016 hingegen geißelt er das Ansinnen, diese "Mogelpackung" aufzugeben als Wahnsinnsidee. Einige Mobilfunkgegner stehen mit Logik und Wahrheit seit Jahren im Dauerkonflikt, ihr Geltungsdrang hindert sie, endlich das Feld zu räumen und zu verschwinden.

Anlässlich der bevorstehenden Lockerung der Schweizer Anlagenwerte, das Schweizer Parlament debattiert am 17. Juni darüber, halte ich die Passivität eingefleischter Mobilfunkgegner für ein Phänomen, das es zu dokumentieren gilt. Deshalb habe ich heute nach entsprechenden Verlautbarungen aus der Anti-Mobilfunk-Szene Ausschau gehalten.

Bürgerwelle Deutschland: Der vergilbte einstige Star unter den Anti-Mobilfunk-Vereinen hat zur Lockerung der Schweizer Anlagegrenzwerte nichts zu sagen.

Bürgerwelle Schweiz: Der Ableger der deutschen Bürgerwelle ist die 1-Mann-Show Peter Schlegel. Der clevere Baubiologe schrieb am 14. April 2016 einen Protestbrief an Ruedi Noser, der die Lockerung der Grenzwerte maßgeblich vorangetrieben hat. Auf diesen Brief weist Schlegel am 14. Juni hin, mehr ist auf seiner Website in dieser Sache nicht zu finden.

Diagnose-Funk: Ganze zehn Zeilen ist Diagnose-Funk eine Meldung wert, in der es im März 2016 lediglich um das angekündigte Vorhaben geht, die Anlagegrenzwerte zu lockern. Mehr als die sprachlich verunglückte und inhaltlich falsche Sprechblase "Es ist unbestritten: Strahlung durch Mobilfunk kann Krebs verursachen (WHO). Trotzdem will die vorberatende Kommission im Nationalrat scheinbar die Strahlenbelastung erhöhen" weiß Diagnose-Funk nicht zu sagen. Blamabel!

Funkstrahlung.ch: Der sogenannte Dachverband schweizerischer und liechtensteinischer Mobilfunkgegner gibt am 15. Juni eine Meldungen heraus, welche die peinliche Selbstüberschätzung der Akteure dokumentiert: "Eine allfällige Grenzwerterhöhung verhindert Innovationen in diesem Bereich und führt dazu, dass noch viele Jahre an überholter Dynosauriertechnologie mit grossen Antennenmaste festgehalten wird. Zudem würde der sträflich vernachlässigte Glasfaserausbau um weitere Jahre wenn nicht Jahrzehnte verzögert werden." Als ob diese Leute auch nur einen Funken Ahnung von den Plänen der Netzbetreiber hätten. Dieselben Besserwisser glaubten 2012 noch viel peinlicher zu wissen, was den schlimmen Busunfall im Sierre-Tunnel, Schweiz, verursachte. Um dumme Sprechblasen nie verlegen, bringt der "Dachverband" am 15. Juni noch ein weiteres Scheinargument an, indem er auf eine Meinungsumfrage der Schweizer Sendeanstalt SRF verweist. Was von dieser Spaß-Umfrage zu halten ist, nämlich nichts, wird <hier> begründet.

Gigaherz.ch: Der Prolet unter den schweizer Anti-Mobilfunk-Vereinen gab seine verlogene Stellungnahme zur Lockerung der Anlagegrenzwerte am 31. Mai 2016 zum Besten. Noch am selben Tag muss sich Gigaherz-Präsident Jakob begründet und bislang unwidersprochen einen Grenzwertlügner schimpfen lassen.

Kompetenzinitiative: An der sogenannten Kompetenzinitiative geht die Lockerung der Schweizer Anlagegrenzwerte völlig vorbei, die Mobilfunkgegner, die ein emeritierter Literaturprofessor um sich schart, irrlichtern durch ganz andere Sphären.

Schlussfolgerung
Von ein paar belanglos bis einfältigen Sprechblasen abgesehen, ignoriert die mitteleuropäische Anti-Mobilfunk-Szene die geplante Lockerung der Schweizer Anlagegrenzwerte. Andere Länder sind sowieso außen vor. Statt sich dem Vorhaben mit einem koordinierten gemeinsamen Auftritt sichtbar in den Weg zu stellen, ist nur vereinzelt hilfloses Piepsen aus den Nestern der Gegner zu vernehmen. Warum die Vereinsvorstände, die sonst für jeden Blödsinn zu haben sind, diesmal, wo es wirklich um etwas geht, so ganz und gar nicht dem nachkommen, was sie eigentlich tun müssten, darüber wird noch zu reden sein! Warum handeln diese Leute nicht? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Bekanntlich halte ich nicht viel vom Führungspersonal der Anti-Mobilfunk-Szene. Doch nachdem, was sich jetzt anlässlich der geplanten Grenzwertlockerung abspielt, müssten sogar eingefleischten Mobilfunkgegnern langsam Zweifel kommen, ob sie von den richtigen Frontleuten vertreten werden und ob sie weiter Mitgliedsgebühren entrichten wollen, um gähnende Untätigkeit bei wichtigen Aktionen und rege Betriebsamkeit bei unwichtigen Aktionen zu finanzieren.

Hintergrund
Am 17. Juni 2016 befindet der Nationalrat (Parlament, 200 Mitglieder) über die Lockerung der Grenzwerte. Entscheidet sich das Parlament für eine Lockerung, muss noch die zweite Kammer (Länderkammer) zustimmen. Das ist in der Schweiz der Ständerat (40 Mitglieder), in dem die Kantone vertreten sind, ähnlich wie in Deutschland die Bundesländer im Bundesrat. Wann die Lockerung der Anlagegrenzwerte im Ständerat behandelt wird ist gegenwärtig noch nicht bekannt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Geltungsdrang, Professor, Solidarität, Mogelpackung, emeritiert, Anlagenwert, Anlagengrenzwet


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