BfS-Präsidentin: 5G-Strahlenbelastung muss untersucht werden (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 19.03.2019, 22:50 (vor 182 Tagen)

Keine allzu gute Figur macht Inge Paulini, Präsidentin des BfS, in diesem Beitrag der FAZ. Sie befeuert mit einigen aus meiner Sicht ungeschickten Bemerkungen das Misstrauen in die Sicherheit von 5G und gießt damit Öl in das Feuer, das unqualifizierte Mobilfunkgegner gezielt entfacht haben, um die Bevölkerung zu verunsichern. Paulini ist sich offenbar nicht bewusst, dass ihre von latenter Besorgnis zeugenden Bemerkungen von der Anti-Mobilfunk-Szene mit ziemlicher Sicherheit selektiv hoch gespielt und aus dem Zusammenhang gerissen werden. Dass Sie sich auch gegen vorschnelle Panikmache aussprach, wird von den üblichen Verdächtigen dann gerne weggelassen. Mit der unglücklichen Einschränkung auf vorschnelle Panikmache sendet Paulini ungewollt das verstörende Signal, Panikmache sei, wenn sie nicht vorschnell ist, tolerierbar. Sollte die FAZ ihr nichts Falsches in den Mund gelegt haben, muss ihre Außenwirkung schnell besser werden, sonst läuft die BfS-Präsidentin Gefahr, dass ihr die Anti-Mobilfunk-Szene die Ehrenmitgliedschaft anbietet :-).

Inge Paulini ist gemäß Wikipedia eine deutsche Toxikologin und Ernährungswissenschaftlerin. Seit 2017 ist sie als Nachfolgerin von Wolfram König Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Zuvor war sie ab 2009 Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirates Globale Umweltveränderungen (WBGU).

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BfS-Präsidentin: ... unterschiedliche Betreiber an gleichen Ort

KlaKla, Mittwoch, 20.03.2019, 07:46 (vor 182 Tagen) @ H. Lamarr
bearbeitet von KlaKla, Mittwoch, 20.03.2019, 10:00

Paulini ist sich offenbar nicht bewusst, dass ihre von latenter Besorgnis zeugenden Bemerkungen von der Anti-Mobilfunk-Szene mit ziemlicher Sicherheit selektiv hoch gespielt und aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Und die Trittbrettfahrer sind schon aufgesprungen. Der Südkurier, Redakteur Dominik Dose hatte die Idee, die Meinung eines Filmemachers zu mischen, mit dem was die Pressesprecherin des BfS zu 5G zu sagen hat. Klassischer Boulevardjournalismus, der Nachbar, der zum Plausch vorbeikommt. Siehe hier ... ;-)

Oder Zeit-Online von Matthias Breitinger und Zacharias Zacharakis

... Eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation WHO kam zur Einschätzung, dass Mobilfunkstrahlung "möglicherweise krebserregend" ist. BfS-Präsidentin Inge Paulini fordert im Zuge der 5G-Frequenzauktion weitere Forschungen zu den gesundheitlichen Folgen elektromagnetischer Strahlung. Deutlich höhere Datenübertragungsmengen, neue und zusätzliche Sendeanlagen und höhere Frequenzen veränderten die Strahlungsintensitäten, sagte Paulini der Passauer Neuen Presse.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnt angesichts der steigenden Zahl von Mobilfunkstandorten: "Es ist zu erwarten, dass 5G zu einer massiven Zunahme der Zwangsexposition durch Funkstrahlung führt." Auch BfS-Präsidentin Paulini weist darauf hin, dass aus ihrer Sicht offen sei, was geschehe, wenn etwa unterschiedliche Betreiber am gleichen Ort Sendeleistung aufbauten.

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weigert fordert, "dass schnellstmöglich die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G im Rahmen von Begleitstudien durch unabhängige Institute erforscht werden". Außerdem müsse die Regierung "aus Vorsorgegründen" die Grenzwerte der Mobilfunksendeanlagen vor dem weiteren Ausbau um mindestens 90 Prozent senken.

Kommentar: Bündelung von Standorte, ist gängige Praxis Frau Paulini. Es wäre schön, wenn sie das Rad nicht wieder neu erfinden. Ob rot oder blau, Rad ist Rad. Unabhängige Institute, wovon unabhängig Herr Weigert? Der BUND ist seit Jahren unterwandert von Nutznießern. Sie sitzen im Arbeitskreis und gestalten die Ausrichtung des BUND mit. Siehe hier ...

Seilschaft verbindet. :tock:

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BfS-Chefin Paulini riskiert Vertrauensverlust der Bevölkerung

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.03.2019, 15:31 (vor 179 Tagen) @ H. Lamarr

Mahnt ein namenloser Mobilfunkgegner aus Kleinsendelbach zur Vorsicht beim Mobilfunk, überwindet die Mahnung nur selten die Anziehungskraft des Dorfkerns. Ganz anders bei Autoritäten wie Inge Paulini, Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS): Was sie sagt hat Gewicht. Besonders jetzt, da die Versteigerung der 5G-Lizenzen läuft und die Medien fast täglich meist ohne Tiefgang die Frage ventilieren, ob mit 5G Gesundheitsrisiken verbunden sind. Zu erwarten war, Paulini, weil gut informiert, sollte die Hysterie dämpfen. Doch gegenwärtig schüttet sie wohl unabsichtlich Öl ins Feuer. Ob Absicht oder nicht, sie riskiert damit den Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Fachkompetenz des BfS.

Ein denkwürdiger Satz der BfS-Chefin

[image]Inge Paulini, seit April 2017 BfS-Chefin, strahlt irritierende Signale aus. So gestand sie der "Passauer Neue Presse" (PNP) in einem Interview, das am 19. März 2019 veröffentlicht wurde, über die biologische Wirkung höherer 5G-Frequenzen ... "haben wir noch wenige Erkenntnisse und werden mittelfristig weitere Forschung betreiben." Ein denkwürdiger Satz. Denn am selben Tag startete die Auktion zur Versteigerung der 5G-Lizenzen in Deutschland. Jedermann ist bislang stillschweigend davon ausgegangen, das Bundesamt hätte die Jahre zuvor intensiv genutzt, um die Unbedenklichkeit der neuen höheren 5G-Frequenzen frühzeitig zu ergründen. Stattdessen fängt die Prüfung erst jetzt an – viel zu spät! Von der Nachrichtenagentur AFP aus der bayerischen Provinz hinaus getragen in die Republik, verbreitet sich Paulinis Aussage wie ein Lauffeuer. Doch der vermeintliche Forschungsskandal ist keiner, er beruht auf einem Missverständnis. Denn die biologische Wirkung der jetzt versteigerten (höheren) 5G-Frequenzen um 3,6 GHz und darüber hinaus ist schon heute gut erforscht. Weniger Erkenntnisse gibt es erst für noch höhere 5G-Frequenzen über 26 GHz (bis 90 GHz). Bis die BNetzA auch diese Frequenzen in einigen Jahren versteigert, werden die Kenntnislücken geschlossen sein. Allzu schwierig ist das Unterfangen nicht, viele Erkenntnisse bei tieferen Frequenzen lassen sich gut auf höhere transformieren.

Eine Befürchtung aus der Mobilfunk-Steinzeit

Weiter heißt es in dem PNP-Interview, aus Paulinis Sicht sei offen "was geschieht, wenn etwa unterschiedliche Betreiber am gleichen Ort Sendeleistung aufbauen." Doch da ist nichts offen. Seit jeher teilen sich Netzbetreiber Standorte für Mobilfunksendemasten und die BNetzA berücksichtigt bei ihrer Genehmigung jedes Standorts nicht nur die Emission der Sendetechnik aller Betreiber am Standort, sondern sogar die Emissionen benachbarter Standorte, damit es unter keinen Umständen zu einer Überschreitung geltender Grenzwerte kommt. Dies ist seit Jahrzehnten bewährte Praxis und nichts deutet darauf hin, dass die BNetzA bei 5G-Standorten daran etwas ändern möchte.

Paulinis Auftritt bei "nano"

Am 25. Februar 2019 war Paulini in der Sendung "nano" auf 3sat zu sehen (abrufbar bis 26.02.2024). Der Sender brachte einen 3-minütigen auf Krawall gebürsteten TV-Beitrag zu 5G, in dem u.a. behauptet wird, die Versuchstiere der NTP-Studie waren "... für neun Stunden am Tag einer üblichen Mobilfunkstrahlung ausgesetzt." Das ist falsch, Thomas Gill, der als Journalist diesen Unsinn zu verantworten hat, sollte sich sein Lehrgeld zurück erstatten lassen. Nach dieser Behauptung ab Minute 1:25 wird Paulini eingeschnitten (Minute 1:53). Sie sagt: "In den Studien im Tierversuch wurden sehr sehr hohe Strahlungswerte angewendet, die sehr weit weg entfernt sind von den Strahlungen, die wir im Alltag erfahren." Bravo, damit hat sie recht. Oder auch nicht. Denn ebenso wie Gill unterlässt die BfS-Chefin die zur Interpretation der NTP-Studie wichtige Differenzierung, um welche "Mobilfunkstrahlung" es sich bei dieser Studie genau gehandelt hat. Geht es um die Strahlung von Mobiltelefonen oder um die Strahlung von Sendemasten? Beides ist das gleiche, aber nicht dasselbe. Deshalb gibt es schließlich für beide Funksignalquellen zwei unterschiedliche Grenzwerte. Mobilfunkgegner vermeiden häufig die Differenzierung nach der Quelle und reden nebulös von "Mobilfunkstrahlung", manche stehen gar im Verdacht dies zu tun, um absichtlich Verwirrung bei Laien zu stiften.

Um es kurz zu machen: Die Befunde der NTP-Studie sind mit Blick auf Sendemasten völlig belanglos, denn deren Grenzwerte, da hat Paulini recht, wurden anlässlich der Studie bis ums 75-Fache überschritten. Kein Mensch wird in der realen Welt jemals auch nur annähernd so stark von einem Sendemasten befeldet wie die Nager der NTP-Studie. Doch einige Wissenschaftler sehen die NTP-Studie nicht mit Blick auf Sendemasten, sondern auf Mobiltelefone. Dann sieht es anders aus, dann gilt der wesentlich höhere Teilkörpergrenzwert und dieser wird nur noch ums maximal 3-Fache überschritten. Das sind nun nicht mehr "sehr sehr hohe Strahlungswerte", sondern Werte in der Nähe zum Erlaubten. Paulini hätte die Gelegenheit nutzen können, der breiten Desinformation über die NTP-Studie energisch entgegen zu treten. Vielleicht mit diesen Worten: "Die NTP-Studie bringt für die Risikobewertung von Mobilfunksendemasten keinerlei Erkenntnisgewinn, dafür war die Befeldung viel zu stark. Für Mobiltelefone aber ist sie bedeutsam. Bis auf weiteres sollten Käufer vorsorglich darauf achten, Smartphones zu erwerben, die einen niedrigen SAR-Wert zeigen, und in kauf nehmen, dass diese Modelle bei schwachem Signal (z.B. in Tiefgaragen) schlechter Netz bekommen als Modelle mit hohem SAR-Wert."

Abschließend noch ein letzter Ausrutscher der BfS-Chefin, zu finden in dem 3sat-Video ab Minute 1:53: "Die Personengruppen, die wir besonders im Fokus haben," sagt Paulini, "die besonders schützenswert sind - Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen, - der Ausbau der 5G-Netze sollte auf jeden Fall so erfolgen, dass sensible Orte, Orte, wo diese Menschen sich aufhalten - Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, – dass die erst mal ausgenommen werden." Das hört sich an wie die Sorgen aus der guten alten GSM-Zeit. Doch wohin mit den Kindern, den Schülern und den Kranken, wenn deren Zeit in den Einrichtungen um ist? Dann müssen sie für längere Zeit zurück in ihre total von 5G verstrahlten Wohnungen und Häuser. Eigentlich hätte die promovierte Toxikologin merken müssen, an ihrem selbst erteilten Schutzauftrag kann etwas nicht stimmen. Der Denkfehler ist leicht zu benennen: Nicht die Sendemasten sind das Problem, sondern, wenn überhaupt, die Endgeräte!

Das muss sie abstellen

Das BfS ist die Schnittstelle "Strahlenschutz und Gesundheit" zwischen dem Staat und seinen Bürgern. Das Gros der Bevölkerung hat damit kein Problem. Mobilfunkgegner und deren Vereine aber beäugen misstrauisch jeden Schritt, den das BfS macht, öffentliche Unterstellungen und Vorwürfe gegenüber dem Amt sind keineswegs selten. Das Motiv: Organisierte Mobilfunkgegner möchten dem BfS die Deutungshoheit streitig machen, ob die Mobilfunktechnik gesundheitlich unbedenklich ist oder nicht. Mit Sachargumenten ist dem Amt wegen der fachlichen Kompetenz seiner Mitarbeiter und seiner Neutralität nicht beizukommen. Schon einmal versuchte daher ein Anti-Mobilfunk-Verein, die Kompetenz des Amtes in der Mobilfunkdiskussion über einen Umweg öffentlich infrage zu stellen. Diesen Angriff überstand das BfS noch ohne erkennbaren Schaden. Doch es wird weiter am Ruf genagt, gesägt und gescharrt.

Worauf ich hinaus will, die Akzeptanz des BfS in der Bevölkerung steht und fällt mit seiner Glaubwürdigkeit. Nimmt diese Schaden, werden andere versuchen das entstandene Vakuum zu füllen. Das ist der Plan. Die obigen Äußerungen von Inge Paulini sind aus dieser Sicht heraus keine Bagatelle, sondern ein latentes Risiko für das Ansehen des Amts. Denn jede unbedachte Äußerung der Amtschefin wird außerhalb des Amtes als offizielle Stellungnahme des BfS ankommen. Die Präsidentin muss sich darüber klar werden, dass jede ihrer öffentlichen Aussagen auf die Goldwaage gelegt, und wenn irgend möglich zum Nachteil ihrer Behörde ausgelegt wird. Ein solcher Nachteil tritt schon ein, wenn – wie bereits geschehen – Mobilfunkgegner Paulini wegen ihrer unbedachter Äußerungen vereinnahmen und als Zeugin der Anklage instrumentalisieren. Das muss sie abstellen. Die Präsidentin des BfS darf sich von niemanden vor den Karren spannen lassen.

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WELT: Desinformation auf Kosten von Gunde Ziegelberger

H. Lamarr @, München, Freitag, 22.03.2019, 18:20 (vor 179 Tagen) @ H. Lamarr

Eine niederträchtige Form des Journalismus betreibt WELT mit dem Beitrag Wissenschaftler warnen vor 5G-Strahlenbelastung. Opfer ist dort nicht BfS-Präsidentin Paulini, sondern Gunde Ziegelberger. Kein Autor bekennt sich zu dem Beitrag, dessen Verfasser sich im Netz aus Sekundärquellen Material zusammengegoogelt und mit entstellendem Begleittext versehen hat. Folgend zwei Beispiele:

WELT: Dr. Gunde Ziegelberger räumt gegenüber dem rbb-Magazin „Super.Markt“ ein, dass man die Risiken von 5G zwar erforschen müsse – aber erst nach dem Ausbau: „Wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt, das werden wir auch in Forschungsvorhaben begleiten und beobachten.“

Ein erstes Indiz, dass mit Ziegelbergers verstörender Aussage etwas nicht stimmt ist daran zu erkennen, dass Ziegelberger die Aussage in indirekter Rede in den Mund gelegt wird, also ohne die Anführungszeichen eines wörtlichen Zitats.

Das Video des rbb-Magazins „Super.Markt“ findet sich <hier>, die relevante Szene spielt ab Minute 5:10. Zunächst sagt nicht Ziegelberger, sondern eine Sprecherin aus dem Off:

Die oberste Strahlenschutzbehörde sieht im Moment nirgendwo Handlungsbedarf, Forschen müsste man zwar schon, aber später, erst dann wenn die Technik eingeführt ist.

Das ist zunächst einmal nur eine Behauptung. Anschließend kommt Gunde Ziegelberger zu Wort, womit die Behauptung vermeintlich belegt werden soll:

Da sehen wir Forschungsbedarf. Und wie sich der neue Antennentyp auf die Exposition der Bevölkerung auswirkt, das werden wir auch in Forschungsvorhaben begleiten.

Jetzt muss man noch wissen, der neue Antennentyp (adaptive Antennen) für 5G ist auch nur eine Funkantenne. Neu daran ist, dass durch "Beamforming" die Strahlenkeulen dieser Antennen nicht wie bisher starr ausgerichtet, sondern elektrisch steuerbar sind. Auf diese Weise kann so eine Strahlenkeule z.B. einem telefonierenden Passanten auf der Straße nachgeführt werden, ähnlich wie Spotscheinwerfer einem Schauspieler auf einer Bühne folgen können, nur mit dem Unterschied, dass die Nachführung der Strahlenkeule automatisch vonstatten geht. Vorteil: Weniger Energieverschwendung, der Passant bleibt im Zentrum der Strahlenkeule gut versorgt, außerhalb des Kegels fällt die Energie des Funkfelds schnell ab, Unbeteiligte werden nur sehr schwach befeldet. Ein allgemeines Gefährdungspotenzial solcher Antennen ist nicht ersichtlich, wenn überhaupt, dann nur nahe der Antenne. Wegen der Bündelung der Energie ist dort mit merklich höheren Leistungsflussdichten zu rechnen als unten auf der Straße. Da es diese Antennen erst seit etwa 2017 kommerziell gibt und bislang die 5G-Infrastruktur fehlte, die Antennen im realen Betrieb zu erproben, konnte das BfS notgedrungen zuvor keine praktischen Erfahrungen sammeln. Und weil eine Personengefährdung nicht in Aussicht steht, ist an der begleitenden und nicht vorauseilenden Forschung aus meiner Sicht nichts auszusetzen. Überspitzt gesagt: Wenn ein Autohersteller im Zuge der Modellpflege ein Auto mit anderer Dachhimmelbespannung und ohne Zigarettenanzünder sowie ohne Aschenbecher anbietet, dann wird er dieses Modell wohl kaum für Crashtests gegen eine Mauer knallen müssen.

Wie "Super.Markt" und WELT Ziegelbergers Äußerung entstellt haben, lässt den Schluss zu, dass beide Medien nicht an seriösen Aussagen zu 5G interessiert sind, sondern Unruhe stiften möchten. So ist es eher kein Zufall, dass Ex-Tabaklobbyist Franz Adlkofer in beiden Medien zu Wort kommen darf. Um Adlkofer wichtig zu machen wird in dem "Super.Markt"-Video (Minute 1:25) behauptet, Adlkofer habe "im Auftrag der EU" geforscht. Wer sich auskennt weiß, so war es nicht, von einem Auftrag der EU kann keine Rede sein. Adlkofer hat für sein Projekt bei der EU Fördermittel beantragt und auch Geld bekommen, das nach Fälschungsvorwürfen gegen sein Projekt jedoch teilweise wieder an die EU zurück floss.

WELT: Einen ähnlichen Ton schlugen jüngst 180 Wissenschaftler aus 36 Ländern an. Sie forderten in einem offenen Brief, den Berliner Testlauf wegen möglicher Gesundheitsrisiken zu stoppen.

Das ist völliger Blödsinn, nichts davon stimmt. Den offenen Brief gibt es nicht. Im Originaltext auf WELT ist das Textfragment mit einem Link zu Diagnose-Funk versehen und es wird deutlich: Es geht um das 5G-Moratorium, das Hardell et al. im Herbst 2017 gefordert hatten, und das mit 5G in Berlin nicht das geringste zu tun hat. Eine derart dreiste Faktenfälschung kenne ich sonst nur von einem Anti-Mobilfunk-Verein in der Schweiz.

Wahrscheinlich sind in den Beiträgen von "Super.Markt" und WELT noch viel mehr Tellerminen verborgen, da aber die beiden Beispiele schon genug Arbeit machten, habe ich nicht weiter nach Spuren von Minen gesucht.

Meine Empfehlung fürs BfS: Sich nur noch dann als Interviewpartner zur Verfügung stellen, wenn die schriftliche Zusage vorliegt, dass der sendefertig geschnittene Beitrag zur Freigabe eingereicht wird. Wird dies mit allerlei Geschwafel verweigert, dann auf den Auftritt verzichten. Kein Auftritt ist immer noch besser als ein entstellend verbogener Auftritt.

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WELT: zwischen Anspruch und Wirklichkeit

H. Lamarr @, München, Samstag, 23.03.2019, 11:24 (vor 178 Tagen) @ H. Lamarr

Eine niederträchtige Form des Journalismus betreibt WELT mit dem Beitrag Wissenschaftler warnen vor 5G-Strahlenbelastung. Opfer ist dort nicht BfS-Präsidentin Paulini, sondern Gunde Ziegelberger. Kein Autor bekennt sich zu dem Beitrag, dessen Verfasser sich im Netz aus Sekundärquellen Material zusammengegoogelt und mit entstellendem Begleittext versehen hat.

Copy-Paste ist in der Anti-Mobilfunk-Szene seit langem die bevorzugte Form der Informationsverbreitung weil selektiv, bequem und flink. Für Desinformation ist dies wie geschaffen, denn eine Prüfung der Inhalte entfällt, entweder absichtlich oder wegen der Unfähigkeit des Informationsverbreiters, den Inhalt beurteilen zu können.

Der Beitrag auf WELT bedient sich ebenfalls dieser billigen Methode. Wer ist WELT?

WELT entstand 2015 im Medienhaus Axel Springer aus der Zusammenlegung der 1946 gegründeten Zeitung "Die Welt" mit dem 2013 erworbenem Nachrichtensender N24. Eine Zentralredaktion bedient Printausgabe, Online-Auftritt und TV-Kanal, wobei der Online-Auftritt erste Priorität hat, denn die Printausgabe siecht. Auf Wikipedia ist zu lesen:

Kurz vor Feierabend wird zwar noch eine Zeitung gedruckt, doch das ist eher ein Abfallprodukt dessen, was für welt.de sowieso geschrieben wurde. Eine Papierausgabe für all die treuen Abonnenten, die noch nicht gestorben sind. Fast ohne störende Anzeigen.

Herausgeber der WELT ist der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust, erster Chefredakteur der Zentralredaktion war Jan-Eric Peters. Er schrieb 2015 anlässlich der Neugestaltung des WELT-Markenauftritts Salbungsvolles über die Qualität der WELT – bevor er Ende 2015 aus der Redaktion ausschied:

Wir stehen ja schon lange nicht mehr nur für traditionsreiche gedruckte Zeitungen, sondern für guten Journalismus auch auf allen anderen Medienkanälen: online, mobil und neuerdings im Fernsehen.
[...]
Wir wollen das Leitmedium für intelligenten und inspirierenden Journalismus sein, die erste Adresse für alle, die sich über das aktuelle Geschehen und dessen Hintergründe informieren. Wir möchten Sie mit unseren Geschichten begeistern, am liebsten immer und überall. Daran können Sie uns messen.

Nun macht eine einzelne Mücke noch keinen Sommer, doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegt bei dem beanstandeten Beitrag kein Graben, sondern eine unüberbrückbar tiefe Schlucht. Denn der Beitrag ist schön verpackter Journalismus in - meiner Meinung nach - miesester weil infam verdrehender hetzerischer Form. Das wird die Berliner jetzt nicht jucken, ich bin daher schon zufrieden, wenn der eine oder andere, der sich hierher verirrt hat, Beiträge aus WELT mit gebotenem Misstrauen betrachtet und Behauptungen dieses Mediums prüft, bevor er sich zu einem Copy-Paste oder Link hinreißen lässt. Wer sich bereits hat hinreißen lassen und den kritisierten Beitrag für verlinkenswert hält, <hier> kann man es sehen. Dass der Anti-Mobilfunk-Verein Diagnose-Funk vorne mit dabei ist wundert niemanden, der diesen Verein kennt.

Für bemerkenswert halte ich den Widerspruch zwischen dem Beitrag auf WELT und den dazu abgegebenen gegenwärtig 161 Kommentaren. Wie schon bei anderen unqualifizierten Artikeln sind die Kommentatoren die offensichtlich besseren, weil kritischen Journalisten. So wird der von WELT positiv inszenierte Franz Adlkofer in den Kommentaren auf das zurecht gestutzt, was er tatsächlich ist.

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Gabriele Krone-Schmalz über Journalisten und "Journalisten"

H. Lamarr @, München, Sonntag, 24.03.2019, 22:11 (vor 177 Tagen) @ H. Lamarr

Gabriele Krone-Schmalz, die Frau mit der Micky-Maus-Frisur, ist eine deutsche promovierte Historikerin, freie Journalistin und Publizistin. Sie war Moskau-Korrespondentin und Moderatorin der ARD. Seit Dezember 2000 ist sie Mitglied des Lenkungsausschusses im Petersburger Dialog, seit 2011 Professorin für Fernsehen und Journalistik an der Business and Information Technology School in Iserlohn (aus Wikipedia).

2014 wurde Krone-Schmalz befragt, was sie von der Berichterstattung westlicher Medien über den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hält. Heraus kam ein 24-Minütiger Crash-Kurs für "Journalisten" von WELT.

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Folge: Diagnose-Funk benutzt ihr Zitat

KlaKla, Dienstag, 30.04.2019, 09:49 (vor 141 Tagen) @ H. Lamarr

Peter Hensinger vom BUND/Diagnose-Funk/BI-Stuttgart-West sammelt aktuell Unterschriften gegen den Ausbau von 5G in Stuttgart. Der BUND fordert ... Dabei ist längst bekannt, dass der BUND seit vielen Jahren unterwandert ist von Profiteuren und Selbstdarstellern. Sie sammeln sich im Arbeitskreis und sind so massgeblich an der Ausrichtung des BUND beim Thema beteiligt. Unabhängig sind diese Akteure lediglich von den Mobilfunkbetreibern. Sie verfolgen mit der Angst vor Funk ihre eigenen geschäftlichen Interessen und Sehnsüchte.

Auszug: ... Aus Sicht des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) muss die Bundesregierung die Gesundheit der Menschen endlich in den Blick nehmen und dafür sorgen, dass schnellstmöglich die gesundheitlichen Auswirkungen von 5G im Rahmen von Begleitstudien durch unabhängige Institute erforscht werden.

Bisher gibt es so gut wie keine unabhängige Risikoforschung zu 5G. Die wenigen Forschungen, die bisher zu 5G vorliegen, warnen vor gesundheitlichen Risiken. Weder sind die Wirkungen auf Risikogruppen wie Kinder ausreichend untersucht, noch lassen sich Aussagen von 5G-Befürwortern, dass es keine Risiken durch die flächendeckende Nutzung elektromagnetischer Strahlung gäbe, wissenschaftlich belegen.

Die Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz, Inge Paulini, sagte am 25.2.2019 in der 3sat-Sendung nano: „Die Personengruppen, die wir besonders im Fokus haben, die besonders schützenswert sind -Kinder, Säuglinge, Kranke, alte Menschen. Der Ausbau der 5G-Netze sollte auf jeden Fall so erfolgen, dass sensible Orte, Orte, wo diese Menschen sich aufhalten -Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser –dass die erst mal ausgenommen werden.“

Nicht die wenigen Forschungen warnen vor gesundheitlichen Risiken sondern Leute wie Hensinger und sein Gefolge. In der Mehrzahl Aktivisten mit kommerziellem Interesse, Pseudowissenschaftler und Rentner mit einem ausgeprägten Geltungsdrang. Sie alle versuchen seit Jahren den Mount Stupid zu bezwingen.

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Sogar "Truther" fahren auf Inge Paulini ab

H. Lamarr @, München, Sonntag, 05.05.2019, 23:15 (vor 135 Tagen) @ KlaKla

Es kam, was kommen musste, doch das hat sie nicht verdient: Ihre unbedachten Äußerungen haben der BfS-Chefin jetzt sogar zu der ungewollten "Ehre" verholfen, von der Truther-Szene als Belastungszeugin gegen 5G verschaukelt zu werden.

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