Arjenyattah-Epidemie (1983) (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 05.08.2021, 13:41 (vor 542 Tagen) @ H. Lamarr

Die Arjenyattah-Epidemie, in der angelsächsischen Fachliteratur Arjenyattah epidemic oder West Bank epidemic genannt, war eine 1983 im Westjordanland aufgetretene Epidemie, deren Ursache eine Massenhysterie war.

Am 21. März 1983 um etwa 8:00 Uhr Ortszeit klagte eine 17-jährige palästinensische Schülerin in einer Schule in Arrabah im Westjordanland über Atemnot und Schwindel. In den nächsten beiden Stunden entwickelten sechs weitere Schülerinnen ähnliche Symptome. Einige Schülerinnen nahmen den Geruch von Schwefelwasserstoff („faule Eier“) wahr, der – wie sich später herausstellen sollte – vermutlich von einer defekten Toilette im Schulhof stammte. Um etwa 10:00 Uhr trafen nach einem Notruf Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde vor Ort ein. Aufgrund der Berichte der Schülerinnen wurde ein Giftgas als Ursache der Erkrankungen vermutet. Daraufhin begann eine groß angelegte Suche nach der Quelle, die aber erfolglos verlief. Während der Suche traten bei weiteren 17 Schülerinnen die beschriebenen Symptome auf, woraufhin um 11:00 Uhr die Schule geschlossen wurde.[1] Das örtliche Krankenhaus nahm am nächsten Tag 60 Schüler auf.[2]

Eine zweite Erkrankungswelle mit 367 Betroffenen brach am 26. bis 28. März des gleichen Jahres in Dschenin und einigen umliegenden Dörfern aus. Auch hier zeigten zunächst im Wesentlichen Schülerinnen die zuvor aus Arrabah beschriebenen Symptome. Nachdem jedoch die örtliche Bevölkerung ein Fahrzeug beobachtet hatte, das mit starker Rauchentwicklung durch Dschenin fuhr, waren bei den Neuerkrankungen alle Altersklassen und beide Geschlechter betroffen, darunter vier israelische Soldaten.[1]

In Hebron und Yattah, im südlichen Westjordanland, begann am 3. April 1983 die dritte Welle der Epidemie, was zu einer Schließung aller Schulen im Westjordanland führte.[1]

Die Vorgänge führten zu einer intensiven Berichterstattung in den Lokalmedien und zu insgesamt 949 betroffenen Personen. Davon waren 727, entsprechend 77 Prozent, weibliche Teenager im Alter von 12 bis 17 Jahren.[1] Die Patienten beklagten im Wesentlichen Kopfschmerzen, Schwindel, Nephelopsie (Nebelsehen), Bauchschmerzen, Myalgie (Muskelschmerz) und Ohnmacht.[2]

Die Symptome konnten weder durch körperliche Anzeichen noch durch labordiagnostische Methoden bestätigt werden. In Blut und Urin der Betroffenen konnten keine Toxine nachgewiesen werden. Die Schwefelwasserstoffkonzentration am Ort des Ausbruchs der Epidemie wurde mit 0,040 ppm gemessen. Andere Umweltgifte konnten nicht festgestellt werden.[2] Die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration (MAK-Wert) für Schwefelwasserstoff liegt bei 10 ppm.[3] Nachdem weder Vergiftungen noch Umweltschädigungen nachgewiesen werden konnten, endete die Epidemie unvermittelt nach zwei Wochen.[4][5]

Ursachen
Die Ursache der Epidemie war pathogenetisch betrachtet eine psychische Störung.[4] Die Epidemie wurde durch psychologische und nicht-medizinische Faktoren, vor allem durch die öffentliche Aufmerksamkeit der Massenmedien, beeinflusst und war letztlich eine Massenhysterie.[6] Das Phänomen kann dem Nocebo-Effekt zugeschrieben werden.[7]

Quelle: Wikipedia

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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