Elektrosensibilität: wissenschaftliche Belege, die keine sind (Elektrosensibilität)

H. Lamarr @, München, Samstag, 09.06.2018, 12:33 (vor 523 Tagen) @ hans

So nebenbei erwähnt: Ich habe schon vor knapp 11 Jahren zur Gründung einer Baugenossenschaft geraten. Die ist somit mitnichten eine neue "Erfindung" :no:

Die Begeisterung hielt sich damals nachlesbar in sehr engen Grenzen, auch bei der heutigen Genossenschafterin Elisabeth Buchs. Es muss bei ihr also in den vergangenen elf Jahren ein Umdenken stattgefunden haben.

Bemerkenswert ist die Desinformation, die Frau Buchs schon seinerzeit seelenruhig betrieb als sie dir schrieb:

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass es z.B. nach Leitgeb, der nicht unbedingt zu den Mobilfunkgegnern zählt, gemäss seinem 50 Hz-Test etwa 2 % Elektrosensible geben soll.

Ob Frau Buchs die Leitgeb-Studie absichtlich oder unabsichtlich verdrehte kann ich nicht sagen, Tatsache ist jedoch, diese Studie taugt in keiner Weise als Beleg für eine "Elektrosensibilität" wie Frau Buchs diese versteht. Also für eine hohe Sensibilität gegenüber (drahtlos einwirkende) elektrische, magnetische oder elektromagnetische Felder. Denn diese Feldeinwirkung hat die Studie überhaupt nicht untersucht! Untersucht wurde etwas ganz anderes, nämlich ab welchen Stromwerten Probanden 50-Hz-Wechselstrom spüren konnten, der ihnen mit Elektroden appliziert wurde, die die Probanden in die linke und rechte Hand nehmen mussten. Es fand also keinerlei externe Feldeinwirkung statt, sondern – und dies ist etwas gravierend anderes – ein unmittelbarer Stromfluss durch den Körper der Versuchspersonen! Dies mit einer "Elektrosensibilität" à la Buchs in Verbindung zu bringen hat Leitgeb nie gemacht weil es irreführend und falsch gewesen wäre, andere hingegen, darunter auch Frau Buchs, sind der Verwechslung reihenweise nur zu gerne erlegen. Ein Grund dafür: Es wird unbesehen genommen was in den Kram passt, kritisches Hinterfragen findet nicht statt – es könnte ja Unerquickliches zutage fördern.

Leider ist Frau Buchs gegenüber neuen Erkenntnissen bereits seit langem immun. Sie nimmt gravierende Fehler, wie ihre Fehlinterpretation der Leitgeb-Studie nicht zum Anlass, ihre Sicht der Dinge kritisch zu überdenken, sondern sie blendet unangenehme Erkenntnisse einfach aus und wiederholt ihren Fehler nicht weiter. Sie lernt insofern aus ihren Fehlern, um ihre Glaubwürdigkeit zu bessern. Viel ist das nicht. Aber immerhin, der starrsinnige Präsident ihres Vereins schafft noch nicht einmal das.

Auch ich glaubte anfangs (2002 bis etwa 2005) an die Existenz von echten "Elektrosensiblen". Viele kritische Recherchen und irritierende Erfahrungen mit selbsternannten "Elektrosensiblen" haben mir jedoch nachdrücklich klar gemacht, dass ich einem Aberglauben nachhing, vergleichbar dem an Erdstrahlen, Wünschelrutengänger oder Astrologie. Hat man seinen Irrtum erst einmal begriffen, ist man überrascht, dass einem so ein Blödsinn so lange so nahe kommen konnte. Ex-Scientologen oder Ex-Homöopathen äußern sich ähnlich.

Hintergrund
2 % Elektrosensible! Stimmt die Zahl noch, Herr Prof. Leitgeb?

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Fehlinterpretation, EHS, Irrtum, Laien, Deinformation


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