Rote Karte für Baubiologe Johannes Schmidt in Böbing (Medien)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 07.12.2014, 13:57 (vor 1749 Tagen)

Merkur online bietet Mobilfunkgegnern auf dem flachen Land gerne eine Plattform. Heute: Böbing.

Die 1800 Einwohner zählende Gemeinde in Bayern hat es nicht leicht, sie ist eingezwickt zwischen die beiden steinalten Mobilfunk-Widerstandsnester Peiting und Oberammergau. Das Infektionsrisiko dort ist daher unverhätnismäßig hoch.

Infektionsherd vor Ort ist Sabine Mühlbauer von der Interessengemeinschaft »Unser Dorf soll gesund bleiben«, eine Aktivistin, die fehlende Kenntnisse in EMF-Fragen durch Geschäftigkeit aufwiegen möchte, wie dies bei fast allen Anti-Mobilfunk-Keimzellen der Fall ist. Schlimm: Die Wutbürgerin hat mit dem Baubiologen Johannes Schmidt einen Mann zum Vortrag nach Böbing geholt, dessen Geschäfte umso besser laufen, je mehr Angst Menschen vor Funkwellen haben. Die rote Karte hat daher auch Mühlbauer verdient, wegen unqualifizierter Referentenwahl. In Mobilfunk-Schreckstarre, wenn das Hirn nicht mehr einwandfrei funktioniert, kann so etwas allerdings schnell passieren, wir hatten 2002 vor Schreck gleich drei Referenten der Anti-Mobilfunk-Szene bei unserer "Informationsveranstaltung" aufgeboten, Ausgewogenheit kam uns damals ebenso wenig in den Sinn wie heute Mühlbauer. Besser wird der Fehler dadurch freilich auch nicht.

Schauen wir mal nach, welche Karten die Mobilfunkgegner gemäß dem Merkur-Bericht verdient gehabt hätten:

„Wir wollen keinen Sendemast in Böbing“, sagte Sabine Mühlbauer von der Interessengemeinschaft „Unser Dorf soll gesund bleiben“ klipp und klar.

████ Dann, Frau Mühlbauer, melden Sie zuallererst mal Ihr Handy ab.

Gleichzeitig kündigte sie einen Unterschriftensammlung an. Außerdem werden jetzt schon Probanten im Dorf gesucht, die sich Blutbild und Urin untersuchen lassen, damit später - sollte wirklich ein Sendemast aufgestellt werden - die Werte verglichen werden können.

████ Frau Mühlbauer, in Deutschland gibt es rund 80'000 Mobilfunk-Standorte, allein in München mehr als 1000 mit gut 6000 Antennen . Kommt Ihnen Ihr Aktionismus da nicht etwas verkrampft vor? Merken Sie denn gar nicht, dass Ihnen steinalte Bären aufgebunden werden? In München sind die letzten Anti-Mobilfunk-Bürgerinitiativen übrigens um 2007 herum ausgestorben, keiner wollte mehr mitziehen.

Bereits im Vorfeld „möglichst viel Staub aufwirbeln“ - das hat der Baubiologe und Messtechniker Johannes Schmidt aus Rosenheim den Böbingern geraten.

████ Klar, damit kommt er bestens ins Geschäft, verkauft Messungen, Beratungen, Schirmungen ... Alles objektiv überflüssig wie ein Kropf.

Er berichtete, dass es in Bayern bereits in vielen Kommunen Widerstand gegen Sendeanlagen gebe.

████ Hätte er gerne. Bayern hat 2056 Gemeinden, Protest gibt es heute in vielleicht 20, morgen ist dieser Widerstand eingeschlafen und 20 andere protestieren. Jeden Morgen steht ein Dummer auf.

„Wir wollen nicht zurück in die Steinzeit und nicht zurück zur Brieftaube, aber wir wehren uns gegen eine Technik, die unsere Gesundheit gefährdet“, stellte der Referent klar.

████ Falsch. Es gibt keinerlei Hinweise, dass von Mobilfunk-Sendemasten ein Gesundheitsrisiko ausgeht. Wenn überhaupt, dann von den Handys.

Schmidt listete auf, wieviel Hertz die verschiedenen Funktechniken ausstrahlten und wie störend sie sich auf den menschlichen Körper auswirken könnten. „Wer nachts nicht schlafen kann, der sollte unbedingt das WLAN ausschalten“, riet der Baubiologe. Auch das schnurlose Telefon sollte man wegen seiner Ausstrahlung am besten verbannen, und wer mit dem Smartphone hantiere, bekomme alle paar Sekunden eine „Hochfrequenz-Watschn“.

████ Fachlich unqualifizierte Ratschläge für Leute, die an Wasseradern glauben, an Verwerfungen, Homöopathie und daran, dass Zitronenfalter Zitronen falten.

Der Referent forderte bessere Grenzwerte, wobei er darauf hinwies, dass kein Grenzwert eine Nichtschädigung ausschließen könne.

████ Niedlich, doppelte Verneinung und daher gegenteilige Aussage: ein Grenzwert schließt Schädigung aus. Bravo, endlich mal was verstanden. Von den "besseren" Grenzwerten des Baubiolgen reden wir besser nicht, sie sind von seiner Zunft unwissenschaftlich und willkürlich so festgelegt worden, dass (unter Angsthasen) nahezu immer Alarmstimmung herrschen müsste. So rollt der Rubel besser.

Eines stehe aber fest: „Je näher man am einem Sendemasten wohnt, desto größer ist das Krebsrisiko“, sagte Schmidt.

████ Für diese kackfreche Lüge müsste man den Baubiologen eigentlich belangen.

Der Experte setzt sich für mehr Messungen ein, auch in der Landwirtschaft (bezüglich Missgeburten).

████ Süsser der Euro nicht kliiing-elt, a-als zur Weih-heinachts-zeit ...

Genaue Aufschlüsse über den Zusammenhang von Sendeanlagen und Krebserkrankungen würde mit Sicherheit ein Krebskataster ergeben, dies werde aber von Befürwortern des Mobilfunks bisher immer verhindert.

████ Unsinn, das bayerische Krebsregister hat schon vor zehn Jahren die Märchen der Baubiologen klipp und klar widerlegt.

„Kein Gemeinderat ist ein Lobbyist und auch nicht abhängig von Mobilfunkfirmen“, stellte Böbings Bürgermeister Peter Erhard klar. Nach der Anfrage der Telekom sei man sofort in ein Dialog-Verfahren eingestiegen, das vom Umwelt-Institut München begleitet werde.

████ Ätsch, reingefallen. Auch dieses sogenannte "Umweltinstitut" ist nur ein auf Umsatz programmierter Alarm-Verein mit Anti-Mobilfunk-Abteilung. Süsser der Euro nicht kliiing-elt, a-als zur Weih-heinachts-zeit ...
[...]

Sabine Mühlbauer sprach das Beispiel Wildsteig an, wo alle Hausbesitzer aufgesucht worden seien, damit sie unterschreiben, keine Sendeanlage auf ihrem Dach zuzulassen. „So sollte auch in Böbing verfahren werden“, schlug Mühlbauer vor.

████ Das ist mMn Nötigung, es gibt sicher Leute, die das Geld gut brauchen könnten, z.B. um es in die Bildung ihrer Kinder zu stecken, damit daraus nicht abermals leicht manipulierbare Wutbürger werden.

„Es ist nicht der Zeitpunkt, panisch zu werden. Wir werden eine gemeinsame Lösung finden“, versucht der Böbinger Bürgermeister die Gemüter etwas zu beruhigen.

████ Wir haben Digitalfunk seit nunmehr gut 22 Jahren. Da noch von "panisch" zu reden zeigt, wie dicht der Wald in Bayern sein kann ...

Übrigens: Die Frage, ob er ein Handy besitze, musste Baubiologe Schmidt bejahen. Er habe sich aber keines gekauft, sondern seine Kinder hätten ihm eines geschenkt.

████ Wie so oft in der Anti-Mobilfunk-Szene: Anderen Wasser predigen, selber aber Wein trinken. Immerhin Abwechslung zur Standardausrede "Notfallhandy".

Außer Konkurrenz: Auffällig ist, Merkur online bietet mit seinen Alarmartikeln Mobilfunkgegnern seit vielen Jahren eine Bühne. Bevorzugt im ländlichen Bereich. Die Berichte sind journalistisch nicht schlecht formuliert, meist wird Meinung von Fakt sauber getrennt, es fehlt nur so gut wie immer, wegen einseitiger Referentenauswahl, die kritische Gegenstimme. Damit werden die Berichte von Merkur online zu einem Sprachrohr für kommerziell motivierte Desinformation. Warum Merkur das absterbende Thema Mobilfunkkritik so hofiert ist nicht ersichtlich, eine Verbindung zu den Leuten, die Elektrosmog-Angst gezielt schüren, ist Merkur online nicht nachzuweisen.

Hintergrund
Erster Mobilfunkmast für Böbing? (01.08.2014)
Böbinger haben Angst vor Mobilfunkmast (05.11.2014)
Wie Journalisten Mobilfunkgegner aufwerten

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Baubiologe, Schmidt, Diagnose-Funk, Nötigung, Krebsregister, Befangen, IBN, Merkur, Verband-Baubiologie, Verbandsarbeit, Unterschriftenaktion, Kommerz, Mitzeichner, Kommerzialisierung, Böbing, Dialog-Verfahren, Landesverband, Mühlbauer, Wasseradern


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