Baumschäden - herbeigeredete EMF-Modekrankheit (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 13.01.2010, 23:06 (vor 5268 Tagen) @ michael

14.5.2008, nix herbst
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Baum links, Entlaubung Herbst? nein vielleicht entnadelt, egal die Rinde fällt halt im Herbst auch mit ab, neuerdings jedenfalls
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So kommen wir nicht weiter, "michael". Denn wie dieses Beispiel zeigt ist es nicht sonderlich schwierig, durch Fotos einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkantennen und kranken Bäumen zu suggerieren. Dazu genügt schon der richtige Blickwinkel, damit z.B. unmittelbar nebenan stehende kerngesunde Bäume nicht im Bild sind. Ich wohne hier im Münchener-Norden in der "grünen Lunge" der Landshauptstadt, wir haben hier viele Bäume und viele Sendemasten. Irgendwelche Auffälligkeiten aber gibt es nicht. Etwa dass im Umkreis von Sendern auffällig viele Bäume krank sind oder lichte Kronen haben. Nix dergleichen ist für mich mit bloßem Auge erkennbar, allerdings bin ich auch kein Experte für Baumkrankheiten. Aber gerade rätselhafte Baumkrankheiten machen bei uns im "Englischen Garten" besonders den sehr Jahrhunderte alten Bäumen zu schaffen. Mobilfunk? Von wegen! Nach langwierigen Untersuchungen wurden Pilzsporen entdeckt, von einem Pilz, der das Wurzelwerk der alten Riesen zerstört. Und warum ausgerechnet jetzt und nicht schon 1970? Auch dafür haben die Baumpathologen eine plausible Antwort: Der Pilz war hier nicht heimisch, er kommt aus Fernost, wurde vermutlich durch Mitbringsel aus Asien bei uns eingeschleppt und wütete später jahrelang unerkannt im Erdreich, bevor sich der Schaden an den Bäumen zeigte. Es sollte mir nicht allzu schwer fallen, einen derart lädierten Baum so zu fotografieren, dass irgendwo im Hintergrund ein Mobilfunkmast zu erkennen ist ...

Haben Sie sich überhaupt mal drum gekümmert, was den Bäumen auf Ihren Fotos (außer Funk) noch zusetzen könnte?

Und macht es Sie denn gar nicht stutzig, dass den Run auf die Bäume ein einziger Mann ausgelöst hat: Dr. Volker Schorpp. Erst seitdem er sich des Themas angenommen hat und es in Vorträgen an den Mann und die Frau bringt, verbreitet sich der unheimliche vermeintliche EMF-Blattfall ebenso unaufhaltsam wie die realen Pilzsporen. Ohne Schorpp, der mir übrigens auch nicht erklären konnte, wieso es stets nur vereinzelt Bäume trifft und nicht viele/alle um einen Masten herum, würde heute niemand auf EMF-Baum-Fotosafari gehen. Er hat sogar seine bevorzugte Co-Referentin, Frau Dr. Waldmann-Selsam dazu gebracht, von Menschen abzulassen und sich jetzt um Bäume zu kümmern. Frau Waldmann scheint allerdings leicht beeinflussbar zu sein, hielt sie anfangs noch völlig unberührt Vorträge über Elektrosensible, erklärt sie sich mittlerweile selber für hochgradig EHS. Gerad' so, als ob sie sich bei einem anderen mit offener EHS angesteckt hätte :no:.

Stellen Sie sich nur mal vor: Hätte es zu Beginn des "Baumsterbens" schon Mobilfunk gegeben, der saure Regen wäre gar nicht erst entdeckt worden. Nein, die Faktenlage für EMF-Baumschäden ist derart dünn, dass von einer EMF-Modekrankheit gesprochen werden kann, der sich ein paar beseelte Hardcorekritiker hingeben. Ich habe ein bisschen gegoogled und mühelos Expertenberichte gefunden, die kranke Bäume (neben Sendemasten) plausibler erklärt als es Baumkasuistik-Sammler mit ihren Fotos vermögen. Baumschäden infolge einiger 100 Mikrowatt oder meinetwegen 50 Milliwatt pro Quadratmeter halte ich für völlig utopisch, dass bei 5-fach über Grenzwert (45 W/m²) ein paar Blätter oder Nadeln mehr fallen, halte ich für denkbar.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Baumschäden, Baumkasuistik


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