Feigenblatt-Theorie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 10.10.2007, 00:09 (vor 5590 Tagen) @ Kuddel

Ich frage mich nur, wie dann die Graphik auf Seite 66 (Bild 2.2.35) zu erklären ist.

Sie meinen die Grafik auf PDF-Seite 335. Wenn ich Sie richtig verstehe, bemängeln Sie, dass in dieser Grafik bei DECT Spitzenwerte dargestellt sind, bei GSM dagegen Effektivwerte. Allerdings ist mir nicht klar, wie Sie darauf kommen. Da diese Diskrepanz Peak/Avg (wenn es so ist) im Text nicht erwähnt wird gehe ich davon aus, dass Sie dies aus den gezeigten Messwerten abgeleitet haben. Richtig? Aber, falls richtig: Das heißt dann doch noch lange nicht, dass immer und überall DECT-Spitze mit GSM-RMS verglichen wird, oder machen Baubiologen dies grundsätzlich?

Das führt dazu, daß in einer Wohnung ein DECT-Impuls von 80us mit 9,9ms Pause etwa gleichwertig zu einer beinahe Daueraussendung eines GSM-Organisationskanals ist.
Das wiederum stützt die Feigenblatt-Theorie:

Wenn Sie auch hier meinen, dass der DECT-Spitzenwert mit einem GSM-BCCH-Effektivwert verglichen wird, dann verstehe ich Ihren Vorwurf einer Feigenblatt-Theorie.

Die Mobilfunkbetreiber nutzen DECT als Feigenblatt und können sich so hinter der sehr viel stärkeren DECT Aussendung in jedem Haushalt verstecken.

Ja klar, Helmut stubbst uns doch immer wieder geradezu mit der Nase auf DECT und ich muss zugeben, dass ich mir über die Vergleichsproblematik auch keine Gedanken gemacht habe.

Würde man konsequent vorgehen, müßte man
=> entweder den RMS-Wert über den ganzen Frame bestimmen (= thermisch wirksame Leistung messen), DECT wäre dann in der Praxis mit ca 10..100uW/m² praktisch immer schwächer als die Emission einer Basis in <200m Abstand.

Sie meinen wohl >200 m Abstand, oder?

oder man müßte konsequent die Spitzenwerte bestimmen (schneller Peak-Detektor), dann würden die DECT-Geräte wie bisher bewertet, aber die Mobilfunkbasisstationen mit AM-Komponente (EDGE,UMTS) würden um den Crest-Faktor (ca 4..10dB) höher bewertet, ebenfalls mit der Folge, daß sich DECT nicht mehr so gut als Feigenblatt (weil dominierende Strahlungsquelle im Haus) eignet.

Asche zu Asche, Staub zu Staub.

Wahrscheinlich gibt es aber auch noch andere, weniger "verschwörungs-theoretisch" klingende Erklärungen, z.B. daß es nicht ganz trivial ist ,einen Spitzenwertdetektor mit beliebig schneller Anstiegszeit zu realisieren und daher ein RMS-Detektor zu reproduzierbareren Ergebnissen führt.

Jetzt verunsichern Sie mich wieder, das Äpfel-mit-Birnen-vergleichen-Problem wäre doch auch gelöst, wenn, wie Sie sagen, konsequent in beiden Fällen der RMS-Wert gemessen wird.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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