Jetzt ist die Küche strahlungsfrei ▼ (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 20.09.2007, 17:33 (vor 5609 Tagen) @ H. Lamarr

- Fortsetzung folgt -

Heute besuchte ich Frau Semmelweis mit einem neuen Breitbandessgerät in der Tasche. Und die erste Messung in der "verseuchten" Küche ergab - nichts. Mickerige 5 µW/m² waren dort höchstens zu messen! Ein Wunder? Nein, doch dies erfuhr ich erst, nachdem ich mit dem besagten Nachbarn telefonierte. Der Mann, er ist immerhin auch schon 80, hat kürzlich auf DSL umgestellt und seine DECT-Anlage nun mit ans DSL-Modem angeschlossen. Zum Strahlungsschwund bei Frau Semmelweis kam es, weil er dazu seine DECT-Anlage vom Flur ins weiter entfernt liegende Wohnzimmer verfrachtet hat. Unglaublich: Allein durch diesen schnöden Ortswechsel über eine Distanz von nur ein paar Meter wurde die Küche praktisch strahlungsfrei - ich hätte mich in den Allerwertesten gebissen, hätten wir zuvor die Trennwand mühsam geschirmt.

Erleichterung bei Frau Semmelweis? Denkste! Eigenartigerweise eher Enttäuschung, dass hinter der Mauer jetzt kein Feind mehr lauert. Doch sie fand, wie ich erfahren durfte, schnell einen neuen.

Beim Begehen der Wohnung zeigten sich keine auffälligen Werte, nur direkt an den Scheiben des Wohnzimmerfensters kletterte die Anzeige stellenweise auf gut 1 mW/m², dort wo sie sich länger aufhalten könnte, etwa beim Lieblingsplatz vor dem Fernseher waren es nur Werte um 5 µW/m², an wenigen Stellen auch schon mal 50 µW/m². Doch dann näherte ich im Flur das Messgerät der Zimmerdecke und schnell stieg die Anzeige auf rd. 1,5 mW/m²: Damit war klar, der bislang unbeachtete Nachbar über ihr muss ebenfall mit DECT oder W-LAN ausgestattet sein. Eine zweite derartige Stelle unter der Zimmerdecke war im Schlafzimmer zu finden. Jetzt stimmte für Frau Semmelweis die Welt wieder, der schon verloren geglaubte Feind ist also noch da.

Ich komme deshalb nicht ungeschoren davon, muss aber zumindest den Kraftakt in der Küche nicht mehr ableisten. Mein neuer Job lautet jetzt: Auch das Wohnzimmerfenster mit Fensterfolie schirmen. Und Frau Semmelweis will versuchen, nun den Nachbarn über ihr von den Vorzügen strahlungsarmer DECT-Anlagen zu überzeugen. Material dazu hatte ich ihr mitgebracht. Es ist wirklich erstaunlich, was sich da in letzter Zeit getan hat: Allein Conrad führt mehr als 20 strahlungsarme Modelle, die von 20-facher Strahlungsunterdrückung (im Standby) bis 100-millonenfacher Strahlungsunterdrückung reichen (mehr dazu beim BfS). Und auch die Preis sind gepurzelt: Günstige Modelle - auch mit AB - gibt es schon in der Preisklasse zwischen 30 und 40 Euro!

Eines möchte ich aber noch loswerden: Alle zuvor genannten Messwerte sind Mittelwerte und keine Spitzenwerte. Bei DECT ist wegen des großen Tastverhältnisses der HF-Pulsung die Differenz zwischen beiden Werten sehr groß, Spitzenwerte liegen leicht um Größenordnungen über den Mittelwerten. Ein Beispiel dafür mögen die Werte an meinem Arbeitsplatz, rd. 1 m neben einer DECT-Anlage sein. Dort messe ich einen bescheidenen Mittelwert von 0,7 µW/m² und einen mörderischen Spitzenwert von 120 mW/m² (ja, Milliwatt!). Leider ist es mir bislang nicht gelungen, herauszubekommen, welcher der beiden Werte denn nun der biologisch relevante und deshalb bei Grenzwertfestsetzungen der richtige wäre. Möglicherweise zeigt aber das Messgerät einfach nur unzutreffende Werte an, deshalb werde ich das Gerät kommende Woche mit einem Experten einer Genauigkeitskontrolle unterziehen.

Troll-Wiese: http://www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?mode=entry&id=15675

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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