Auf den Abstand kommt es an (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 10.08.2007, 01:45 (vor 5530 Tagen) @ charles

Um es genau zu sagen, genau auf der Stelle, wo in Ihr Posting vom 04-08 *Meter* steht.

Dies müsste dann bei der Koordinate D5 im Bild unten sein, ja? Bitte nennen Sie die Koordinaten Ihres Hauses und die Koordinaten der beiden ca. 460 Meter von Ihnen entfernten Mobilfunk-Sendemasten. Ebenfalls wichtig zu wissen: Wie hoch sind die beiden Masten und welche Funksysteme tragen sie (GSM 900, GSM 1800, UMTS).

[image]

Aber es ist doch nicht wichtig wo ich wohne.

Und ob! Wie soll ich mich mit Ihnen duellieren, wenn ich nicht genau weiß, was bei ihnen los ist.

Ich habe 1 uW/m2 und jeder kann gut Handyaner speielen.

Das bestreite ich nicht. Zumindest solange nicht, wie ich nicht genau gesehen habe, wo die beiden nahen Masten stehen.

Auch Ausländer haben hier Empfang.

Klar, Roaming macht's möglich. Die gelbe Linie im Bild markiert übrigens den Grenzverlauf zwischen Belgien und den Niederlanden.

Was gibt es da denn noch zum diskutieren?

Ganz einfach: Sie gehen immerzu nur von der Situation bei Ihnen vor der Haustüre aus. Dort messen Sie schwache 1 µW/qm, die Ihrer Meinung nach von (mindestens) einem hohen Sendeturm in etwa 460 m Abstand kommen. Damit bei Ihnen ein schwaches Funkfeld von 1 µW/qm ankommen kann, muss der Sendeturm mit seinen Antennen in 0 Meter Abstand freilich eine viel höhere Leistungsflussdichte erzeugen, denn auf dem Weg zu Ihnen schmilzt die Leistungsflussdichte bekanntlich nicht nur proportional mit der Entfernung zu den Antennen (1/r), sondern erheblich schneller, nämlich quadratisch (1/r²). Auf der Website UMTSLink, die ich bei RDW gefunden habe, lässt sich dies schön einfach mit konkreten Zahlen berechnen. Spielen Sie dort einmal ein bisschen mit den diversen Modellen herum. Mit dem Okomura-Hata-Modell bin ich z. B. auf eine Funkfelddämpfung von rd. 86 dB gekommen (900 MHz, 30 m hoher Turm, Handy in 1,5 m Höhe, Abstand 460 m), das ist in etwa der Faktor 398 Mio.!

Wir Städter haben nun nicht das Glück, 460 m weit von einem Masten weg zu wohnen, in meinem Fall ist die Antenne noch nicht einmal 20 m weit weg. Und was bedeutet dies? Nun, damit jemand in 460 m Abstand zu "meiner" Antenne erfreut sagen kann, dass bei ihm nur 1 µW/qm ankommen, muss die Antenne bei mir mit etlichen mW/qm "reinkommen", z.B. mit 50 mW/qm (vor dem Fenster im Hauptstrahl gemessen) - es könnten situationsabhängig aber auch ein paar 100 mW/qm sein. Tja, und das war's dann auch schon, dies ist der Kernpunkt meiner Argumentation.

Es funzt.

Meine Rede, charles. Aber: Damit es bei Ihnen funzt, müssen andere, die näher an den Antennen dran sind, erheblich höhere Werte aushalten. Sie sind mit Ihrem schönen Landsitz nicht allein auf der Welt, charles, denn in Städten ist es fast ausnahmslos so, dass in unmittelbarer Nähe von Mobilfunkmasten Menschen wohnen und arbeiten. Wenn auch dieser Personenkreis nur 1 µW/qm abbekommen soll, müsste unser Modellsender die Leistung sehr stark zurückfahren, so stark, dass in 460 m Entfernung kein Handy mehr funktionieren würde, jedenfalls nicht in einem realistischen Umfeld mit stärkerer Funkfelddämpfung als nur durch Luft (Vegetation, Gebäude). Die Forderung nach einer Grenzwertsenkung auf 1 µW/qm (max. Leistungsflussdichte außerhalb des Sicherheitsbereichs einer Antenne) ist daher technisch unrealistisch. Zumindest so lange, wie die Sendemasten auf dem Boden oder auf Dächern stehen und nahezu waagerecht abstrahlen. Etwas anderes wäre es nur unter der Voraussetzung, wenn die Strahlung von oben käme, also vertikal einfällt. Mobilfunk-Basisstationen auf fliegenden Plattformen sind gegenwärtig jedoch erst in frühen Versuchsstadien und von einer kommerziellen Nutzung noch Jahre entfernt.

--
Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Klarstellung, Bild


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum