"EU-Briefing": Diagnose-Funk auf den Zahn gefühlt (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Donnerstag, 19.03.2020, 22:39 (vor 1046 Tagen) @ H. Lamarr

In dem genannten Dokument heißt es auf der letzten Seite eindeutig: Für den Inhalt des Dokuments sind allein der/die Verfasser verantwortlich, und die darin zum Ausdruck gebrachten Meinungen sollten nicht als offizielle Position des Parlaments verstanden werden.

Diese Auskunft ist extrem schlecht für Diagnose-Funk. Möchte der Verein das Papier der Wirtschaftswissenschaftlerin Miroslava Karaboytcheva doch am liebsten zu einer eminent wichtigen Verlautbarung des EU-Parlaments aufblasen. In der offiziellen Übersetzung des "Briefings" zu 5G hat der Haftungsausschluss den Wortlaut:

Dieses Dokument wurde für die Mitglieder und Bediensteten des Europäischen Parlaments erarbeitet und soll ihnen als Hintergrundmaterial für ihre parlamentarische Arbeit dienen. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt ausschließlich bei dessen Verfasser/n. Die darin vertretenen Auffassungen entsprechen nicht unbedingt dem offiziellen Standpunkt des Europäischen Parlaments. [...]

Ich habe mir die Webseite zu besagtem Briefing bei Diagnose-Funk angesehen sowie den "Brennpunkt" zum selben Thema, nur um zu prüfen, ob und wie der Verein den ungünstigen Umstand verschleiert, dass das Papier weder die Sicht des Europäischen Parlaments widerspiegelt noch die des Wissenschaftlichen Dienstes, sondern die einer einzelnen Person.

Haftungsausschluss
Fangen wir mit dem Haftungsausschluss an, der im Originaldokument ganz am Ende steht und deutlich macht, dass das Papier allein in der Verantwortung von Miroslava Karaboytcheva steht. Macht Diagnose-Funk darauf aufmerksam?

Webseite: Auf der Webseite des Vereins fehlt jeder Hinweis auf die alleinige Verantwortung der Autorin.
Brennpunkt: Der Brennpunkt enthält eine deutsche Übersetzung des Briefings. Der Haftungsausschluss wird sogar zweimal im vollen Wortlaut genannt. Doch nicht etwa auf deutsch, sondern auf englisch! Typisch Diagnose-Funk, das fängt mal wieder gut an.

Dramatisieren
Diagnose-Funk tut sich schon mit dem Haftungsausschluss sichtlich schwer. Wie aber verkauft der Verein seinen Lesern das Papier von Karaboytcheva, gibt er es als Werk des Wissenschaftlichen Dienstes aus oder gar als Papier des Europaparlaments?

Webseite: Auf seiner Webseite versucht der Verein das Papier mit allen Mitteln hoch zu spielen (Auswahl an Zitaten):
- EU-Briefing [...]
- Wissenschaftlicher Dienst des EU-Parlaments redet Klartext zu Gefahren durch 5G-Mobilfunk
- Das EU-Papier deckt sich in der Hauptaussage mit den Appellen [...]
- [...] widerlegt nun auch das vorliegende EU-Papier die Hauptargumente der deutschen Behörden [...]
Brennpunkt: Der Brennpunkt benutzt zum Schaumschlagen dieselben Begriffe wie die Webseite.

Fazit
Diagnose-Funk möchte aus einer Mücke einen Elefanten machen. Deshalb verschleiert der Anti-Mobilfunk-Verein in seiner Berichterstattung (Webseite & Brennpunkt) über die 5G-Unterrichtung des Europaparlaments die wahre Bedeutung der Unterrichtung und versucht mit pompösen Begriffen (z.B. "EU-Papier") die Unterrichtung in einen Staatsakt zu verwandeln. Warum strampelt sich der Verein so ab? Die Unterrichtung der Europaabgeordneten durch Miroslava Karaboytcheva ist aus meiner Sicht ungewöhnlich tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern. Dies erklärt, warum Diagnose-Funk das eher belanglose Papier mit allen Mitteln ins Rampenlicht zerren möchte und abwertende Aspekte, wie der Haftungsausschluss exklusiv zulasten der Autorin, verschweigt oder vernebelt.

Aus meiner Sicht wird die Unterrichtung wegen ihres unübersehbaren Dralls im Europaparlament keine nennenswerte Wirkung entfalten. Organisierte Mobilfunkgegner aber werden die Mumie aus den Katakomben des EU-Parlaments an ihren Lagerfeuern noch lange hoch leben lassen und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ausgraben, um bei Laien Eindruck zu schinden. Was dann mit Sicherheit verschwiegen wird: Der Wissenschaftliche Dienst des Europaparlaments produziert "EU-Briefings" wie am Fließband, pro Arbeitstag mindestens eines, häufig zwei und mitunter sogar drei und mehr. Seit 1. März 1997 wurden so bis heute insgesamt 3056 Briefings ans EU-Parlament geliefert. Auch nett: Zum Suchwort 5G liefert der Wissenschaftliche Dienst nicht etwa nur das eine Dokument, das Diagnose-Funk so begeistert, sondern momentan 154 Treffer. Zusammengefasst reduziert dies alles den vermeintlichen "Brennpunkt" von Diagnose-Funk zu einem kleinen funkelnden Sternchen am Firmament :-).

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Haftung, Popanz, Karaboytcheva, EU-Briefing, Disclaimer


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