5G-Metastudie der Österreicher seziert Mobilfunkdebatte (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 11.03.2020, 01:25 (vor 1052 Tagen) @ H. Lamarr

Ach du meine Güte, aus meiner Sicht ist die Unterrichtung durch Miroslava Karaboytcheva unpräzise und tendenziös zugunsten von Mobilfunkgegnern.

Inzwischen habe ich mir die vor wenigen Tagen erschienene 5G-Metastudie, die vom Österreichischen Parlamentsbeirat beim Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Auftrag gegeben wurde, etwas genauer angesehen und bin der Einschätzung, dass die 5G-Metastudie (Langfassung) ungleich gehaltvoller und erhellender ist als die kurze Unterrichtung des Europaparlaments. Kein Wunder, bei gut 10-Mal mehr Seiten ;-) . Es lohnt sich wirklich, diese substanzielle Metastudie in Ruhe zu lesen, denn die Autoren sezieren und analysieren die Mobilfunkdebatte wie bei einer Autopsie, um deren Innereien sichtbar zu machen. Dies gilt jedoch nur für die Langfassung der Studie, nicht für die Kurzfassung.

Das Papier ist keineswegs unkritisch, die Autoren leiern jedoch nicht altbekannte Kritikpunkte von Mobilfunkgegnern herunter, sondern haben sich eigene Gedanken zu bekannten Fakten gemacht, und tragen diese ohne die Polemik, Unterstellungen und Dramatik vor, die bei organisierten Mobilfunkgegnern so unerträglich ist. Die Studie bildet damit, – für mich ein Novum, die Ansichten beider Lager der Mobilfunkdebatte sachlich und unaufgeregt ab, auch fachliche Unzulänglichkeiten konnte ich keine entdecken. Allerdings muss ich gestehen, bei Weitem noch nicht alle 130 Seiten gelesen zu haben, doch das, was ich intus habe, das ist mit das Beste, was mir bisher vor die Flinte kam. Die Autoren haben sich ersichtlich Mühe gegeben, Knackpunkte der Auseinandersetzung kreativ herauszuarbeiten und von beiden Blickwinkeln unvoreingenommen zu betrachten.

Beispielsweise das Problem, dass es – mit meinen Worten – auf beiden Seiten nur sehr wenige wirklich kundige Meinungsmacher gibt, die an allen Ecken und Enden präsent sind und mit Hilfe von Kolporteuren die Deutungshoheit in der Debatte anstreben. Das gilt bemerkenswerterweise für beide Seiten, z.B. für ICNIRP genauso wie für die BioInitiative. Das ist mMn eine neue Betrachtungsweise, bislang dominierte der Tunnelblick, Mobilfunkgegner beschuldigten ICNIRP & Co., exklusiv so zu handeln, alle anderen die BioInitiative & Co. Wie das bei kriegerischen Auseinandersetzungen eben so ist. Offenbar gelang es den Technikfolgenabschätzern der Österreicher bei ihrer Studie undogmatisch ohne Scheuklappen zu Werke zu gehen und ohne Partei zu ergreifen. Das setzt Maßstäbe.

Ich hoffe nun, dass dies für alle 130 Seiten zutrifft, und ich wegen meiner Lobeshymne später nicht noch einmal kräftig zurück rudern muss.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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