Nachfragen statt spekulieren: Antworten aus Straßburg (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 16.03.2020, 23:14 (vor 1046 Tagen) @ H. Lamarr

Der Pressesprecherdienst des Europaparlaments beantwortete heute meinen kleinen Fragenkatalog. Nach eher flauem Beginn werden die Antworten zunehmend konkreter und die Antwort auf die Fragen 4 und 5 enthält schließlich die erhoffte Auskunft, die eine gute Einschätzung zulässt, welche Bedeutung man dem Briefing beimessen darf.

1) Wer genau hat den EPRS mit diesem Briefing beauftragt?

Wie die von Ihnen angeführte Publikation ausführlich darstellt, steht das Thema der Auswirkungen der drahtlosen 5G Kommunikation auf die menschliche Gesundheit auf der politischen Agenda der Europäischen Union. Zudem haben Europaabgeordnete Interesse an diesem Thema gezeigt. Da der Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments (EPRS) den Auftrag hat, die Europaabgeordneten mit unabhängigen, objektiven und zuverlässigen Analysen und Forschungsarbeiten zu politischen Themen im Zusammenhang mit der Europäischen Union zu versorgen, um sie bei ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen, haben diese Faktoren zur Initiierung und Veröffentlichung dieses Briefings geführt.

2) Wurde das Briefing speziell für ein einziges Mitglied des EU-Parlaments angefertigt oder für alle Mitglieder?

Dieses Dokument wurde nicht für ein einzelnes Mitglied, sondern für alle interessierten Mitglieder und Bediensteten des Europäischen Parlaments erarbeitet und soll ihnen als Hintergrundmaterial für ihre parlamentarische Arbeit dienen. EPRS stellt dieses Dokument zudem der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

3) Hat das Briefing allein die als Autorin genannte Miroslava Kostova Karaboytcheva angefertigt oder entstand das Briefing als Gruppenarbeit im Konsens?

Jede Publikation des Wissenschaftlichen Dienstes durchläuft ein mehrstufiges Prüfungsverfahren (peer-review) zur Qualitätssicherung. Das betrifft auch die von Ihnen angesprochene Publikation.

4) Gibt das Briefing die Einschätzung der Autorin (oder Gruppe) wieder oder die des EPRS?

[siehe Antwort auf Frage 5; Anm. Postingautor]

5) Wo bekomme ich weiterführende Informationen über die Arbeitsmethodik des EPRS?

EPRS ist der interne Wissenschaftliche Dienst des Europäischen Parlaments und ist nicht mit der legislativen Tätigkeit des Europäischen Parlaments verbunden. Die Studien des EPRS repräsentieren nicht unbedingt die Position des Europäischen Parlaments. Die Aufgabe des EPRS besteht darin, den Mitgliedern des Europäischen Parlaments und gegebenenfalls den parlamentarischen Ausschüssen unabhängige, objektive und maßgebliche Analysen und Untersuchungen zu politischen Fragen im Zusammenhang mit der Europäischen Union zur Verfügung zu stellen, um sie bei ihrer parlamentarischen Arbeit zu unterstützen. In dem genannten Dokument heißt es auf der letzten Seite eindeutig: Für den Inhalt des Dokuments sind allein der/die Verfasser verantwortlich, und die darin zum Ausdruck gebrachten Meinungen sollten nicht als offizielle Position des Parlaments verstanden werden.

Auf dieser Webseite des Europäischen Parlaments sind weitere Informationen zu Arbeitsweise und Publikationen des Wissenschaftlichen Dienstes verfügbar.

Hintergrund
Das Referat Sprecher des Europaparlaments beantwortet von Medienschaffenden gestellte Fragen, die nicht unmittelbar mit der Legislativtätigkeit des Europäischen Parlaments zu tun haben, und es befasst sich mit Falschinformationen über das Parlament. Es stellt den Mitgliedern und Bediensteten überdies Sachinformationen bereit, die für Antworten verwendet werden können. Leiterin des Referats Sprecher ist Marjory van den Broeke. Sie ist zudem die stellvertretende Sprecherin des Europäischen Parlaments.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –


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