5G-Proteste in Berlin: keine 100 Mio. "Elektrosensible" (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Mittwoch, 25.09.2019, 20:07 (vor 320 Tagen) @ H. Lamarr

Gut zu erkennen sind die "elektrosensiblen" Pappkameraden (weiße Schilder mit Nummern, siehe Startposting), die Teilnehmer der Prozession mit sich herumtragen. Der Verein für "Elektrosensible" München hat etwa 155 Mitglieder, in etwa so viele Pappkameraden könnten es auch in Berlin gewesen sein, die Schilder zu zählen ist mir zu mühsam.

Jetzt habe ich die virtuellen Teilnehmer doch gezählt und bin auf knapp 90 gekommen. Erwähnenswert ist dies deshalb, weil aus der Anti-Mobilfunk-Szene immer wieder neu hervorquillt, die Anzahl der "Elektrosensiblen" sei groß und sie würde beständig zunehmen.

Der Petent Eduard Meßmer schoss anlässlich der Anhörung den Vogel ab: Er behauptet in seiner Einführungsrede (ab Stunde 1:08:30) allen ernstes, Schätzungen gingen von 100 Mio. "Elektrosensiblen" und kranken Menschen aus. Wer die phantasievollen Schätzer waren verrät Meßmer ebensowenig wie er seine Zuhörer im Unklaren lässt, ob sich diese Anzahl auf Deutschland, Europa oder die weite Welt bezieht. Es ist unglaublich: Meßmer saß nicht in einem Kaffeekränzchen, sondern in einer Anhörung vor Abgeordneten des Deutschen Bundestages, er scheint da keine Unterschiede zu machen.

Die Tatsachen verweisen sämtliche aus der Szene kolportierten Zahlen ins Reich der Sagen und Märchen. Der größte und älteste Verein für "Elektrosensible" mit Sitz in München hatte 2006 knapp 300 Mitglieder, zuletzt hatte er noch 150 (darin enthalten sind auch nicht-"elektrosensible" Personen). Ein "Arbeitskreis für Elektrosensible" in Bochum/Essen löste sich 2015 auf. Die wenigen übrigen Vereine und Selbsthilfegruppen für selbstdiagnostizierte "Elektrosensible" in Deutschland kommen zusammen genommen auf vielleicht 100 Mitglieder. Der Gesamtbestand an organisierten "Elektrosensiblen" beträgt damit hierzulande etwa 250 Personen.

Dies wäre meine Schätzung bis zum 22. September 2019 gewesen. Doch die schwache Teilnahme von nur rd. 90 virtuellen "Elektrosensiblen" an der Kundgebung in Berlin (zuzüglich einer handvoll real teilnehmender "Elektrosensibler") weist darauf hin, dass meine Schätzung um mindestens den Faktor 2 zu hoch gegriffen ist.

In der kleinen Szene der "Elektrosensiblen" wurde wochenlang für die Aktion mit der bequemen und völlig risikolosen virtuellen Teilnahme geworben. Dass dennoch nur 90 Personen dieses Angebot nutzten, muss für die Organisatoren ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Mitorganisator Meßmer focht dies freilich nicht an, unbeirrt tischte er am nächsten Tag dem Petitionsausschuss das unverschämte Märchen von 100 Mio. "Elektrosensiblen" und "Kranken" auf ...

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Anhörung, Misserfolg, Elektrochonder, Demo, Kundgebung, 5G-Tea-Party, Meßmer


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