IZgMF / Prof. A. - Nur ein Zugriffsproblem? (Allgemein)

Sektor3, Mittwoch, 23.09.2009, 09:25 (vor 4878 Tagen) @ Sektor3

Möglicherweise haben Prof. A. und Überla nach diesen Dokumenten gesucht:

24.07.1981: Prof. A. weiß, dass Passivrauchen schädlich ist und Hirayama recht hat:
In einer Besprechungsnotiz, die schon 1995 veröffentlicht wurde, wird ein Streit unter den Tabakleuten festgehalten, bei dem Prof. A. sagt, dass Hirayamas Studie über das Passivrauchen korrekt sei, dass Deutschland neues Material aus Japan erhalten habe, das Hirayamas Arbeit bestätige und dass Prof. A. mit zwei weiteren Tabakleuten Hirayamas Arbeit begutachtet hätten und den (angeblichen) Fehler, den ein gewisser Kastenbaum darin sah, nicht fanden.
Als die Diskussion hitzig wurde, drohte Prof. A. mit einem Artikel in einer ungenannten Publikation von anonymen Autoren. Im diesem Artikel würde stehen, dass Hirayama (Hirayamas Studie) richtig sei, und dass das Tabak Institut (falsche) Behauptungen publizieren würden, während sie intern die Korrektheit von Hirayama bestätigten.

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Innerhalb einer Woche war aber alles anders

Im Protokoll einer Sitzung von 07.08.1981 wird Prof. A. zitiert:
… Gespräche mit Profs. Kewiltz und Überla hätten ergeben ,
daß eine Kohortenstudie, wie sie von Hirayama durchgeführt worden sei, kaum durch eine Fall-/ Kontroll-Studie abzuwerten seil. Außerdem sei die Machbarkeit einer solchen Fall-/Kontroll-Studie skeptisch beurteilt worden.“

Protokoll vom 03.09.1981:
„Vorab teilt Prof. Prof. A. mit, daß Ende September oder Anfang Oktober 1981 seiner Information nach in der MMW autorisierte Interviews mit Hirayama und Garfinkel, sowie eine Stellungnahme, in der Kritik an der Hirayama-Studie geübt werde, erscheinen werde.“
Prof. Überla und Prof. Kewitz seihen der Meinung, eine Fall-/ Kontroll-Studie käme zu spät, weil bereits zwei prospektive Studien vorlägen. Auch P.N. Lee soll in der Arbeitsgruppe mitwirken (er hatte auch Hirayamas Studie bestätigt)

Laut einem Bericht hat Prof. A. am 02.04.1982 über Fortschritte beim Passivrauchen berichtet. Überla hätte eine Studie für 2 Millionen DM vorgeschlagen. Laut Prof. A. sei eine solche Studie sehr interessant sei, da sie, im Endeffekt, für deutsche Behörden bindend sei.

Laut Monatsbericht für November/Dezember 1983 bereitet Überla eine Kritik an Hirayama vor, die 1984 veröffentlicht und auf einem Symposium in Wien vorgestellt werden soll.

In einer Besprechung am 22.01.1986 wird berichtet, dass das GIS Institut Überlas einen Fragebogen zum Passivrauchen für 196.923 DM erstellte.


Überla bekommt Geld für Kritiken!
Februar 1990: Prof. A. und die Zigarettenindustrie genehmigen 10.000 DM für Überla für eine Kritik an einer Studie zum Passivrauch. Der wissenschaftspolitische Ausschuss unterstützt auch Überlas Vorschläge für eine 50.000 DM teure eine Expertenmeinung zum Passivrauchen, die auf einer 100.000 DM teuren Veranstaltung präsentieret werden soll, sowie für eine 700,000 DM teure Studie mit der ein Gegengewicht zu einer parallel laufenden internationalen Passivrauchstudie geschaffen werden soll.


1991 Die Tabakindustrie gibt die Manipulation zu und lobt Prof. A. dafür:
Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie bis zum Jahr 2004, würdigte diesen Erfolg im Jahr 1991 folgendermaßen:
In praktisch allen entwickelten Ländern dieser Welt als auch bei allen zuständigen internationalen Organisa-tionen gelte die Frage der gesundheitlichen Schädigungen durch Passivrauchen als entschieden. Unter wissenschaftlichen Aspekten sei eine solche Schädigung zweifelsfrei anzunehmen. Die einzige wissenschaftliche Gemeinde, in der diese Frage noch offen gehalten werde, sei die Bundesrepublik. Dies sei nicht zuletzt das Verdienst von Professor Prof. A. und der Zusammenarbeit unserer Industrie mit der Wissenschaft.

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Ein Bericht der University of California sagt dazu:
hier

"Die vermutlich wichtigste gesundheitspolitische Autorität, mit der die Tabakindustrie in Deutschland im Verlauf der Achtzigerjahre verbündet war, ist Karl Überla. Zeitgleich mit seiner Tätigkeit als Präsident des Bundesgesundheitsamtes (BGA) leitete er eine private Forschungseinrichtung, die “GIS” (Gesellschaft für Informationsverarbeitung und Statistik in der Medizin). F. Colby, leitender Angestellter bei RJR, bemerkte in einer Aktennotiz vom 16. Juni 1982, dass diese Tatsache offensichtlich in Deutschland zulässig sei, in den USA oder in andern Ländern jedoch als vollkommen unmoralisch erachtet würde“ 89.
Überla änderte zumindest in einem Fall schriftliche Beurteilungen über Passivrauchen, die von seinen Mitarbeitern getroffen worden waren, in der Bestrebung, die wissenschaftlichen Nachweise zu Gunsten der Tabakindustrie zu verdrehen 90, 91. Aus mehreren “Schlussfolgerungen” eines BGA-Berichtes über Lungenkrebs bei Personen, die Passivrauch ausgesetzt waren, wurden “Hypothesen”, ein “nachgewiesenes Ergebniss“ wurde zum „beschriebenen Ergebnis“. Überla strich die Aussage, dass die Annahme begründet sei, dass Passivrauchen die Lungenfunktion negativ beeinflusst und chronisch schädigt sowie das Lungenkrebsrisiko von Nichtrauchern erhöht. Nach Überlas Bearbeitung wurde Passivrauchen lediglich als Belästigung bezeichnet, nicht als eine gefährliche Substanz 91."

Prof. A. erklärte in einem Schreiben an die Mitglieder des Ausschusses Tabakforschung vom 9. August 1983, wie der Verband der Cigarettenindustrie Überla für sich gewonnen hatte:

"Es hat sich in der Vergangenheit erwiesen, daß eine der höchsten gesundheitspolitischen Autoritäten in der Bundesrepublik [i. e. Überla] zu dem Passivrauchen eine sehr abwägende und differenzierende Haltung einnimmt, die sich insbesondere kritisch mit den bisher vorgelegten angeblichen Beweisen über die Schädlichkeit eines solchen Passivrauchens auseinandersetzt. Es besteht die Möglichkeit, mit einem über mehrere Jahre sich erstreckenden Forschungsvorhaben diese Autorität in ihrer bisher gewonnenen Überzeugung zu festigen und sie auch in die Lage zu versetzen öffentlich auf der Basis eigener Forschungen dezidiert entsprechende Aussagen zu machen." 92

Tags:
Prof. A., Korruption, Lobbyarbeit, Passivrauchen, Ueberla, Kohortenstudie


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