Tote Kühe – Tod eines Viehzüchters (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Montag, 17.10.2022, 23:27 (vor 104 Tagen) @ H. Lamarr

Am 28. September verließen nun etwa fünfzig Kühe den Hof. Sie waren verkauft worden. "Bald werden wir nur noch etwa fünfzig von einst 200 Tieren halten", erklärt Sagères, "ich kann sie nicht länger in so schlechtem Zustand sehen." Ans Aufhören denkt der Landwirt jedoch nicht.

Wer will schon wissen was der Landwirt denkt ...

Einem aktuellen Bericht des Tagesspiegel zufolge ist die französische Agrarpolitik in Schieflage geraten, mit teils dramatischen Folgen für Viehzüchter. Nicht märchenhafter Elektrosmog ist das Problem französischer Milchbauern, sondern ein schikanöser Verwaltungsaufwand, der kleinere Betriebe angeblich in den Ruin treibt. Hier ein paar Auszüge aus dem Bericht, der auf eine ziemlich brenzlige Lage hindeutet:

[...] Um die internationale Konkurrenzfähigkeit zu steigern, subventioniert die EU vorwiegend Großbetriebe. Gezwungenermaßen expandieren französische Bauern. Ihre Höfe bleiben aber meistens Ein-Mann-Betriebe.

In der Folge nimmt die Arbeit überhand. Beziehungen gehen in die Brüche. Suizidgedanken verdichten sich. In Frankreich – und auch in vielen anderen Ländern – liegt die Selbstmordrate unter Bauern um etwa 50 % höher als in anderen Berufsgruppen. [...]

[...] Eben in diesem Moment verwarf Laronze seinen Selbstmordplan. Zwei Kollegen hatten sich ja schon aufgehängt. Das hatte ihn wütend gemacht, so beschloss er zu kämpfen: gegen die Bürokratie. Seit der BSE-Krise müssen Viehzüchter die Geburt und den Tod jedes Rinds genauestens registrieren. Vor der Kamera erklärt ein Bauer, warum dieser Verwaltungsaufwand nicht nur kostspielig ist. Er schafft ein Pensum kaum zu bewältigender Arbeit. Kleinere Betriebe werden so in den Ruin getrieben. [...]

Arte-Film "Tod eines Viehzüchters".

Spekulation: Sagères hat sich die wüste Story mit dem mickrigen Funkmast zurecht gebogen, um von den tatsächlichen Gründen für den angeblichen Verlust von mehr als 40 seiner Milchkühe abzulenken. Möglicherweise hat er so weniger Verwaltungsaufwand gehabt. Jede Wette, an Sagères Geschichte ist etwas faul, es gibt nicht den geringsten Erklärungsansatz, warum viele seiner Kühe bei einer belanglos schwachen Immission von rd. 0,8 V/m innerhalb weniger Monate reihenweise ins Gras gebissen haben sollten. Auch das angekündigte Gutachten zu den Vorfällen auf Sagères Hof wird keine Klärung bringen können, denn Blödelgeschichten lassen sich mit Gutachten per se nicht klären, schon gar nicht, wenn unklar ist, wer der Gutachter ist und in wessen Auftrag er tätig wurde. Haben wir alles schon mal gehabt. Man denke nur an den "Gutachter", der einem Funkmast in einem österreichischen Dorf ein 121-fach erhöhtes Hirntumorrisiko bescheinigte, obschon es am fraglichen Standort gar keinen Funkmasten gab.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Frankreich, Rinder, Landwirt, Suizid, Arte


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