01. März: "Beobachter" Andres Büchi bekennt Farbe (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 04.03.2018, 23:11 (vor 412 Tagen) @ H. Lamarr

Kommentar zu 5G

«Grenzwerte nicht vorschnell erhöhen»

Am 5. März entscheidet der Ständerat über eine beantragte Erhöhung der Vorsorgegrenzwerte für Mobilfunk. Er sollte ein klares Zeichen gegen diese Pläne setzen. Ein Kommentar von Andres Büchi.
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Jetzt hat Andres Büchi, Chefredakteur des "Beobachter", die Katze aus dem Sack gelassen: Offen bekennt er sich gegen eine Lockerung der Anlagegrenzwerte. Jetzt haben wir den Salat. Da er dies jedoch in Form eines Kommentars tut, ist es (Gott sei Dank!) nur seine persönliche Meinung und nicht die des "Beobachters". Deshalb habe ich dieses Posting hier auch nicht in das Fach der Medien gelegt, sondern ins Fach der Mobilfunkgegner.

Ob es legitim ist, dass Büchi den "Beobachter" als Trägerplattform seines Kommentars verwendet und auf diesem Weg unmittelbar in die Debatte um die Anlagegrenzwerte eingreift, darüber ließe sich streiten. Aus meiner Sicht ist der persönliche Eingriff Büchis mindestens grenzwertig, denn grundsätzlich sollte es nicht Aufgabe seriöser Medien sein, politische Entscheidungen unmittelbar zu beeinflussen zu versuchen, sie sollten den Entscheidungsprozess vielmehr so gut es geht mit objektiver ausgewogener Berichterstattung begleiten.

Doch welches Gewicht hat denn überhaupt die Meinung des Chefredakteurs in der Grenzwertfrage? Zwar sind ihm am Ende seines Textes bislang drei Beipflichter ergebenst dankbar für seine Worte, gleichwohl sehe ich Büchi in der Klasse der Federgewichte. Denn statt einer kraftvoll-überzeugenden Begründung appelliert er lediglich an die angeblich erfolgreiche Bedächtigkeit der Schweizer, die dem Land allerdings auch den Spott eingebracht hat, man dürfe Eidgenossen samstags keine Witze erzählen, damit sie sonntags in der Kirche nicht plötzlich anfingen zu lachen. Nein, im Ernst: Büchis Meinung hat für mich deshalb kein Gewicht, weil er nicht über tief gehenden Kenntnisse der Mobilfunkdebatte verfügt. Er kann daher keine fundierte Meinung vortragen. Das wäre nun nicht schlimm, hätte er sich im Wissen um seine Defizite in dieser Streitfrage zurück gehalten und die Angelegenheit klugen Leuten überlassen, die sich hauptberuflich mit dem "Risiko Mobilfunk" beschäftigen und deshalb zu einer fundierten Meinung imstande sind. Anders formuliert: Aus meiner Sicht wäre Andres Büchi verantwortungsvoller und wirksamer gewesen, hätte er kompetente Vertreter der wichtigsten Akteure zu Wort kommen lassen und diesen in guter journalistischer Tradition kritische Fragen gestellt, z.B. Repräsentanten von Mobilfunkindustrie, Wissenschaft, Bafu, BAG und Bundesrat. Ärzte, Bauern, Hauseigentümer, Patientenvertreter und Nationalräte mit elektrosensiblen Familienmitgliedern hätten meiner Einschätzung nach getrost ignoriert werden dürfen, sie alle wären im Rennen um die Deutungshoheit bei nur etwas höheren Ansprüchen ausgeschieden wegen Kompetenzdefiziten, Interessenkonflikten oder einfach nur wegen Bedeutungslosigkeit. Lobenswert: Immerhin waren die Ansprüche der eidgenössischen Medien noch so hoch, dass selbsternannte Experten der einschlägig bekannten Anti-Mobilfunk-Vereine meines Wissens nach bei keinem Blatt landen konnten. Sie mussten sich, so wie ich, in den undankbaren Kommentarecken erklären. Darin erkenne ich einen ersten (und ganz und gar unerwarteten) Schritt zum Erwachsenwerden der unseligen schweizerischen Mobilfunkdebatte.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Medien, Einflussnahme, Beobachter, Meinungsmache, Büchi, Ständerat, Chefredakteur


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