Politik greift Insektensterben als Umweltthema auf (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Freitag, 24.11.2017, 23:31 (vor 1836 Tagen) @ H. Lamarr

Schlaflosigkeit, Libidoverlust, Bienentod, Kopfschmerzen, Hirnsausen, Fertilitätsverlust, nächtliches Schwitzen und Denkstörungen sind nicht genug, jetzt wird Funkwellen auch noch das grassierende Insektensterben angelastet. Allerdings nicht von Wissenschaftlern, sondern von GHz-Forumteilnehmer "nobody", der, um nicht anzuecken, großzügig auf eine ernsthafte Begründung seines Verdachts verzichtet und stattdessen schonungslos seine "harte, ehrliche Meinung" zum Vortrage bringt.

Am 30. November 2017 tagt der Umweltausschuss des Bayerischen Landtags und berät u.a. über nicht weniger als vier Anträge, die sich mit dem Insektensterben befassen. Ist die abwegige Idee, Mobilfunkfelder könnten für das Insektensterben verantwortlich sein, von der Politik aufgegriffen worden? Das IZgMF hat die folgenden Anträge daraufhin geprüft:

► Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Markus Rinderspacher, Florian von Brunn, Klaus
Adelt u.a. und Fraktion (SPD): Insektensterben in Bayern

► Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten Hubert Aiwanger, Florian Streibl, Nikolaus Kraus u.a. und Fraktion (FREIE WÄHLER): Rückgang der Insektenpopulationen

► Antrag der Abgeordneten Tanja Schorer-Dremel, Dr. Otto Hünnerkopf, Angelika Schorer u.a. CSU: Rückgang von heimischen Insekten und Vögeln stoppen - unverzüglicher Beginn der Ursachenforschung

► Antrag der Abgeordneten Katharina Schulze, Ludwig Hartmann, Dr. Christian Magerl u.a. und Fraktion (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Bericht über Maßnahmen zum Eindämmen des Insektensterbens in Bayern

Keine der vier Parteien ist den Mobilfunkgegnern auf den Leim gegangen, Mobilfunk oder Elektrosmog wird in keinem der Anträge als Verdachtsmoment erwähnt. Dies ist umso erfreulicher, da bis 2012 in Bayern Freie Wähler und besonders die Grünen den verschrobenen Mutmaßungen überzeugter Mobilfunkgegner noch erschreckend viel Aufmerksamkeit schenkten. Seither ist der Einfluss der Gegner im Landtag stark gesunken, sie wurden auf Betätigungsfelder in der Kommunalebene zurückgedrängt und können dort in ländlichen Gemeinden hin und wieder noch Erfolge verbuchen. Bemerkenswert ist auch, dass die Parteien die in "PLOS one" veröffentlichte Studie kennen, sich aber dennoch nicht von den dortigen Kommentaren aus der Ecke der Mobilfunkgegner haben verleiten lassen, Elektrosmog als Ursache des Insektenrückgangs zu vermuten. Aus meiner Sicht sind dies alles ermutigende Signale, dass Bayern, das ehemalige Kernland der Mobilfunkgegner in Deutschland, dabei ist, diesen wenig rühmlichen Status zügig aufzugeben und an Baden-Württemberg abzutreten.

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Jedes komplexe Problem hat eine Lösung, die einfach, naheliegend, plausibel – und falsch ist.
– Frei nach Henry Louis Mencken (1880–1956) –

Tags:
Politik, Landtag, Insektensterben


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