Junk Science: Johansson & Cammaerts publizieren Kresse-Studie (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Sonntag, 08.05.2016, 20:54 (vor 1489 Tagen) @ H. Lamarr

Absurd finde ich, dass Olle Johansson der englischsprachigen Meldung zufolge mit einer belgischen Kollegin eine Replikation der Arbeit unter Laborbedingungen plant.

So ist es jedenfalls zu lesen auf DR DK: Professor Olle Johanson of Karolinska Institutet in Stockholm is among those to have been impressed. Johanson considers the experiment to be ingenious and now wants to repeat it with a Belgian research colleague, Professor Marie-Claire Cammaert of the Université libre de Bruxelles.

Das Werk von Olle Johansson und Marie-Claire Cammaerts ist vollbracht: Ihre Replikation der dänischen Schülerstudie wurde Ende 2015 in einem bedeutungslosen Journal publiziert und lässt sich hier bestaunen. Der Elektrosmog-Report vom Mai 2016 stellt die Arbeit vor, ganz und gar unkritisch, wie dies von einem Content-Lieferanten für Profiteure der Angst vor Elektrosmog nicht anders zu erwarten ist. Es passt aber auch einfach zu gut: Die beiden "Wissenschaftler" stufen eine Exposition von 70 µW/m² bis 100 µW/m² nicht etwa als sehr niedrig ein, sondern ganz nach der willkürlichen baubiologischen Richtskala als hoch. Schon dies ist eine dreiste Verfälschung der Realität, immerhin gilt für W-Lan ein zulässiger Grenzwert von 10'000'000 µW/m². Und prompt schafften es die beiden auch nicht, unter der wahrlich belanglosen Exposition Kresse zum Keimen zu bringen. Jedenfalls behaupten sie das. Idealer Content für Geschäftemacher, um Kunden im "Beratungsgespräch" nebenbei grundlos zu ängstigen und ihnen eine völlig unnötige Schirmung aufzuschwatzen.

Doch da gibt es noch jemanden, der sich für die schwedisch/belgische Studie interessiert hat: Pepijn van Erp. Der Niederländer vergibt für sie die Tags "Bad Science" und "Pseudo Science" und hält sie qualitativ für noch schlechter als die Original-Schülerstudie. Was van Erp zu bemängeln hat, lässt sich auf seiner Website in englisch nachlesen. Es geht damit los, dass anstelle von W-Lan, wie im Original, ein GSM-Sendemast (!) als Feldquelle verwendet wurde und zur Intensitätsbestimmung ein Knatterbox-Hobbymessgerät HF35C aus bayerischer Produktion verwendet wurde. Name und Postanschrift des Produzenten werden im Text der Studie so detailliert genannt, dass der Verdacht aufkommt, die Firma habe die Studie gesponsert, auch wenn sie bei den Sponsoren nicht genannt wird. Marie-Claire Cammaerts ist zuvor schon einmal aktenkundig geworden, als sie ein Produkt der Firma demonstrativ werblich in die Kamera eines YouTube-Filmemachers hielt.

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Werbung, Knatterbox, Johansson, Jugend forscht, Junk-Science, Pseudowissen, Cargo-Kult, Cammaerts, Kress-Experiment


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