Dr. Scheingraber: Ein Zahnarzt auf Elektrosmog-Abwegen (Allgemein)

Robert, Montag, 25.03.2013, 22:21 (vor 3601 Tagen) @ Doris

Ich tippe ganz schwer darauf, dass hier Alexander Presman (Nachname geschrieben wie oben, geistert so auch durch's Netz) gemeint ist. Und zwar hier dann sein Buch "Electromagnetic fields and life". Googeln Sie mal danach, da werden Sie fündig. Auf der Seite von Michael Heimig (microondes) können Sie das Buch auch downloaden.

Danke, Doris.
Dachte mir nach kurzer Recherche auch, dass es sich um einen Herrn Presman und nicht um Pressman handelt. Vermutlich der altbekannte copy/paste Fehler. Jeder schreibt vom anderen ab und keiner schaut mal wirklich nach.

Das Buch kannte ich aber noch nicht. Der scheint seinerzeit die gesammelten Veröffentlichungen in diesem Gebiet in einem Buch komprimiert zu haben. Mehr als 500 Zitate scheinbar guter Qualiät. Auf den ersten Blick eine seriöse Arbeit.
Warum man aber im Jahr 2009 auf Arbeiten von den 60er zurückgreifen muss, erschliesst sich mir nicht. Die Patienten vom Herrn Scheingraber wären sicher wenig begeistert, wenn er in seiner Praxis mit Technik und Kenntnis des Jahres 1967 behandeln würde. Nun ja, Mobilfunkkritik ist selten rational.
Zum Punkt:
Scheingraber sagt, dass Presmann bzw Presman sagt:
LD 50 bei 40 MHz: 20.000 mW/m²
LD 50 bei 40 GHz: 40 mW/m²

Schaut man mal in dem Buch von Presman nach, gibt es das Kapitel 6.1.:Lethal (tödliche) Actions of Electromagnetic Fields. Auf Seite 88 hat er in einer Tabelle Arbeiten von anderen zusammengefasst, bei denen den armen Versuchstieren ein Thermometer in den Hintern gesteckt und dann die Leistung hochgedreht wurde.
Ich konnte nichts finden, was die Angaben von Scheingraber in irgendeiner Weise bestätigt. Es gibt keine 40 MHz, keine 40 GHz. Auch der Faktor von 500 bei der lethalen Leistungsflussdichte zwischen MHz-Frequenzen und GHz-Frequenzen sind bei Presman nicht ersichtlich.
Nimmt man aus der Tabelle Frequenzen, die denen von Scheingraber genannten so gut wie möglich nahekommen, so hat man bei 200 MHz eine potentiell tödliche Leistungsflussdichte von ca 300 mW/cm2. Umgerechnet sind das 3 kW/m2, falls ich nicht zu doof zum Rechnen bin. Scheingraber kommt bei 40 MHz auf 20 W/m2.
Einschub: Sonne strahlt mit ca 1 kW/m2.
Nimmt man die höchste Frequenz in der Tabelle, landet man bei immerhin 24 GHz (Anm: Scheingraber redet von 40 GHz). Hier liegt die Intensität nur unwesentlich niedriger als bei 200 MHz (bei gleicher Befeldungszeit).
Einen Faktor 500 wie von Scheingraber behauptet, kann man in keinem Fall darstellen.
Bei Scheingraber sind die 40 mW/m2 (@40 GHz) umgerechnet 4 µW/cm2!! Und das soll potentiell tödlich sein!
Die gemessenen Werte von Deichmann et al, wie bei Presman aufgeführt, sind viele Grössenordnungen höher.

Jetzt fallen mir nur zwei Möglichkeiten ein, das Dilemma zu erklären:

Scheingraber hat Recht und die Forscher haben (bis heute) übersehen, dass man die Tiere schon mit einem Hunderttausendstel der Strahlung hätte umbringen können.

Scheingraber erzählt groben Unfug.

--
Niemand ist unnütz.
Man kann zumindest noch als schlechtes Beispiel dienen.


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