Strom aus heißt nicht Spannung weg (Allgemein)

H. Lamarr @, München, Dienstag, 09.12.2008, 14:42 (vor 4540 Tagen) @ Schmetterling

Wir hatten Stromausfall (angekündigter)...Nachdem der Strom etwa 2 h weg war (Mobilfunk ging, da habe ich gemessen, weil mich interessiert hat, ob die Antenne mit am normalen Netz hängt), dachte ich, ich merk den Strom noch und habe echt an meiner These gezweifelt. Ich habe dann das NF- Messgerät geholt und siehe da, etwa ein Zehntel der sonst üblichen El.F. war noch vorhanden...Wie kann sowas sein?

Was ich Ihnen jetzt schreibe, Schmetterling, tue ich unter Vorbehalt, denn Energietechnik ist nicht mein Fach!

Denken Sie mal an eine Ihrer Deckenlampen, Schmetterling. Zur Versorgung solcher Lampen führen dort zwei Leitungen hin. Durch die eine (meist schwarze Isolierung) fließt der Strom hin und durch die andere Leitung (meist blaue Isolierung) fließt er zurück (den Schutzleiter lassen wir hier weg weil er für die Betrachtung keine Rolle spielt). So, und jetzt stellen Sie sich vor, Sie sollen einen Schalter einbauen, damit die Lampe ein-/ausgeschaltet werden kann. In welche der beiden Leitungen würden Sie diesen Schalter zur Unterbrechung des Stromflusses wohl einbauen. Ist doch wurscht, werden Sie vielleicht denken, irgendwo eben. Da haben Sie im Prinzip recht, in der Praxis aber lauert Lebensgefahr. Warum? Stellen Sie sich vor, Sie bauen den Schalter in die blaue Rückleitung ein und schalten auf diese Weise die Lampe aus. Jetzt klettern Sie auf eine Leiter und drehen die Lampe aus der Fassung. Und weil der Strom ja weg ist, berühren Sie sorglos nicht nur das Außengewinde der Fassung, sondern auch die Kontaktzunge am Boden der Fassung. Wenn Sie Glück haben, überleben Sie den nun einsetzenden Stromschlag, brechen sich aber vielleicht beim Sturz von der Leiter das Genick.

Wie konnte das passieren? Nun, Sie hätten unbedingt den Hinleiter (auch Phase genannt) zur Lampe schalten müssen und nicht den Rückleiter (auch Nullleiter genannt). Zur Unterbrechung des Stromflusses ist es egal, wo Sie den Schalter einbauen, für die Sicherheit der Hausbewohner jedoch nicht, denn um deren Belange zu schützen, müssen Sie darauf achten, dass die Spannung (230 V) von der Lampe(nfassung) fernbleibt. Und das geht nur, wenn Sie die Phase schalten. D.h. Sie messen an einer abgeschalteten Lampe auch dann noch ein E-Feld, wenn nicht die Phase, sondern der Nullleiter geschaltet wird. Okay? Wegen Lebensgefahr ist das Schalten des Nullleiters verboten und jeder Elektriker weiß das. Wenn Onkel Herbert freilich mal eben schnell einen Schalter anschließt, dann würde ich Vorsicht walten lassen. Mit einem Phasenprüfer für 1 Euro ausm Baumarkt sollte sowieso immer erst geprüft werden, ob Spannung auf einer Leitung oder einem Kontakt liegt, bevor man mit den Fingern rangeht.

Auf Ihre Frage angewandt bedeutet das Beispiel: Wenn ein E-Werk den Strom abschaltet, dann ist dies ein Notfall und kein normaler Schaltvorgang. Außerdem ist bei der Energieversorgung der Rückleiter (für den Ausgleichsstrom bei asymmetrischer Belastung der 3 Phasen) im Allgemeinen das Erdreich, also kein dickes Kupferkabel. Dennoch könnte ich mir vorstellen, dass der oben für einen Haushalt geschilderte Zusammenhang im übertragenen Sinne auch für Stromausfälle bei Energieversorgern gilt und je nach Situation zwar kein Strom mehr fließt, an den Steckdosen der Haushalte jedoch weiterhin Netzspannung (möglicherweise nicht in voller Höhe) ansteht. Wenn Ihnen das Thema wichtig diese Erklärung aber zu vage ist, frage ich auch gerne mal bei einem Energieversorger nach, wie der das Phänomen erklärt.

Da Ihr Haus in der Nähe einer Hochspannungstrasse liegt, könnte das Thema "vagabundierende Erdströme" möglicherweise im Zusammenhang mit Ihren Beobachtungen stehen. Wie weit ist es denn Luftlinie vom Haus zur Trasse?

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Nicht die Masten sind das Problem, sondern die Handys!

Tags:
Hochspannungstrasse


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