Dr. Carlo kommt nach München (Allgemein)

Doris @, Mittwoch, 09.01.2008, 19:39 (vor 4673 Tagen) @ H. Lamarr

Da sollte ich doch glatt nach München kommen, interessant wäre das auf jeden Fall

Das kapiere ich nun wieder einmal - nicht. Was wäre denn da so interessant? Mich interessiert diese Veranstaltung ehrlich gesagt weniger, denn a) ist der Standpunkt der Akteure mir zur Genüge bekannt und b) outet sich mMn noch eher Dagmar Wiebusch als ES, als dass das neue Traumpaar Scheiner/Carlo für die Gegenrede von Kritikern der 2. Generation ein Ohr haben.

Ich habe vermutlich noch nicht so oft derartige Veranstaltungen besucht wie Sie, so dass mich sowas schon mal interessieren würde.
So mag Dr. Scheiner ein Kritiker der 1. Generation sein, aber wie steht es um Dr. Carlo? Ich habe mich jetzt nicht so detailliert mit ihm beschäftigt und so sind mir nur ein paar Dinge im Gedächtnis. Aber sein vielseits hochgejubelter Prozess hat doch mit sehr intensivem (beruflich bedingten) Handygebrauch zu tun. Seine Warnungen, die ihn anscheinend so unbeliebt machen bei den Netzbetreibern waren doch auch aufs Handy ausgerichtet und seine Wunderchips, die er an den "Mann" bringen wollten, klebt man auch aufs Handy und nicht auf die Mobilfunkbasisstation.

Die meist als Sammelklagen (class action) geführten Prozesse verlaufen z.Zt. wie ein Waldbrand an allen Ecken der Vereinigten Staaten.
Dabei ist die Taktik der Anwälte unterschiedlich angelegt. So hat z.B. die renommierte Kanzlei Morganroth+Morganroth in Detroit 6 sogenannte "brain tumor cases” kombiniert, wobei die 6 Klienten, die ihren Gehirntumor auf die häufige Nutzung des Mobiltelefons zurückführen, jeweils 150 Mio. USD Schadenersatz fordern.
In Baltimore hingegen kämpft der mächtige Anwalt Peter Angelos, der einst im Auftrag des Staates Maryland die Tabakindustrie in die Knie zwang (4,2 Milliarden USD in einer class action gegen Philipp Morris, wobei 25% als Honorar an Mister Angelos flossen…), gegen Motorola, Vodafone&Co.
Indem er den Mobilfunkbetreibern und den Handyherstellern vorwirft, die Verbraucher nicht über die Risiken des Mobiltelefonierens aufgeklärt zu haben-im Gegenteil, obwohl die Industrie die Risiken kannten, nicht zumindest auf die Notwendigkeit ein "Headset” zu benutzen hingewiesen haben, betreibt er eine Verbrauchersammelklage für all diejenigen, die keinen Gehirntumor haben!
Schließlich gibt es noch das Phänomen der Einzelkämpfer unter den Anwälten, wobei sich besonders Carl Hilliard aus San Diego, Kalifornien, hervortut. So ist es dem ehemaligen Industrieanwalt und Technikexperte erstmalig gelungen, einen Sieg gegen die Industrie zu erzielen. Vor dem Arbeitsgericht von San Diego wurde der kausale Zusammenhang zwischen dem Gehirntumor und der intensiven Handynutzung seiner Klientin Sharesa Price anerkannt. Miss Price hatte als Industrieangestellte 8 Stunden täglich Neuanschlüsse überprüft. Sie bekam im Juni 2005 eine Entschädigung von 300.000 USD. Dieser Präzedenzfall könnte im weiteren Verlauf der Gerichts-Verhandlungen fatale Folgen für die Industrie haben.
Und nachdem im November 2005 ein letzter Versuch der Industrie, unter strategischer Leitung von Kenneth Starr (Chefankläger Bill Clinton/Monica Levinsky!), beim Supreme Court in Washington D.C. die Klagewelle abzuschmettern gescheitert ist, fangen die ersten Wallstreet-Analysten an, das Thema ernst zu nehmen und Vorwarnungen für Anleger zu platzieren!
Eine zentrale Rolle bei der taktischen Kriegsführung der klagenden Parteien, nimmt Dr.George Carlo ein. Der einstige "Industrie-guy” hatte von 1993-1999 im Auftrag des Industrie-Verbandes CTIA (organisiert alle 280 wichtigen global player, ob Motorola oder Nokia, T-mobile oder Vodafone unter einem Dach in Washington D.C.) die wissenschaftliche Forschung koordiniert. Am Ende des 28 Mio Dollar Programms stand sein Aufruf, die Verbraucher zu warnen und die wissenschaftlichen Hinweise auf Gesundheitsrisiken ernst zu nehmen. Daraufhin stoppte der Verband die Forschungsgelder, diskreditierte den eigenen Mann als Spinner und Scharlatan und gab weiterhin die Parole aus:”Es gibt kein Risiko!”

Also ich lese da überall nur "Handy" und nicht Mobilfunkbasisstation. Deshalb, wie passen wohl die beiden (Scheiner und Dr. Carlo) zusammen. Der eine spricht von Mobilfunkgeschädigten durch Handys und der andere von Mobilfunkgeschädigten durch Mobilfunkbasisstationen.


Nicht dass wir Sie hier in München nicht haben wollten, Doris,

nett von Ihnen, aber ich komme nicht, es ist Winter, München ist schon eine Ecke und unter der Woche ist nicht ganz so geschickt. Unter anderen Bedingungen wäre die Veranstaltung und natürlich München mal eine Reise wert gewesen. :-)

Tags:
Headset, Gehirntumor, Motorola, Washington, CTIA, Sammelklage, Arbeitsrecht, Baltimore, Clinton, Morganroth


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